| ROUNDUP: Hamas stimmt Teilen des Trump-Plans zu - will Verhandlungen |
| 03.10.2025 22:44:00 |
GAZA/TEL AVIV (dpa-AFX) - Die islamistische
Palästinenserorganisation Hamas hat Teile des Plans von US-Präsident
Donald Trump für eine Beendigung des Gaza-Kriegs akzeptiert.
Darunter sei grundsätzlich die Freilassung aller Geiseln, teilte sie
mit. Die Terrororganisation forderte aber zugleich weitere
Verhandlungen.
Beobachter hatten damit gerechnet, dass die Terrororganisation
Änderungen an dem Plan fordern könnte. Der israelische Sender
"i24news" berichtete, aus israelischer Sicht gebe es dafür keinen
Spielraum - die Hamas könne den Plan nur annehmen oder ablehnen.
Netanjahu hatte für den Fall einer Ablehnung die Fortsetzung des
Gaza-Kriegs angekündigt.
Die Hamas teilte am Abend mit, sie sei grundsätzlich bereit, alle
lebenden und toten Geiseln freizulassen. Voraussetzung sei die im
Friedensplan vorgesehene Entlassung von palästinensischen Häftlingen
aus israelischen Gefängnissen und dass "angemessene Bedingungen für
den Austausch vor Ort gewährleistet sind" - ohne diese Bedingungen
näher zu erläutern.
Zustimmung zu Verwaltung durch eine Übergangsregierung
Der Plan sieht vor, dass alle 48 Geiseln der Hamas binnen 72 Stunden
aus dem Gazastreifen zurückgeführt werden. Danach soll Israel rund
250 zu lebenslanger Haft verurteilte palästinensische
Gefängnisinsassen freilassen sowie etwa 1.700 nach dem 7. Oktober
2023 Inhaftierte.
Die Islamistenorganisation sagte weiter, sie sei damit
einverstanden, dass das Gebiet nach Kriegsende zunächst von einer
Übergangsregierung palästinensischer Technokraten unter Aufsicht
eines internationalen Gremiums regiert werde.
Die Zukunft des Gazastreifens und die "Grundrechte des
palästinensischen Volkes" müssten aber in einem "einheitlichen
palästinensischen Rahmen behandelt werden", sagte die
Terrororganisation weiter, die Hamas müsse daran beteiligt sein. Sie
habe den Vermittlerstaaten ihre Antwort übermittelt und wolle nun
weitere Einzelheiten in Verhandlungen besprechen.
Antwort kurz nach Ultimatum Trumps
US-Präsident Donald Trump hatte den Plan für ein Ende des
Gaza-Kriegs am Montag während eines Treffens mit dem israelischen
Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Washington vorgestellt.
Netanjahu hatte dabei zugestimmt. Nur wenige Stunden vor der
Veröffentlichung der Hamas-Antwort hatte Trump der Hamas eine
"letzte" Frist für eine Zustimmung zu seinem Friedensabkommen
gesetzt - bis Sonntagabend um 18.00 Uhr (Ortszeit Washington, 0.00
Uhr MESZ Montag).
Trump hatte in seinem Post am Freitag geschrieben, dass die meisten
Hamas-Mitglieder eingekesselt seien und suggerierte, er müsse nur
seine Zustimmung geben, damit sie ausgeschaltet würden. "Und was den
Rest betrifft: Wir wissen, wo und wer Sie sind, und Sie werden
gejagt und getötet." Das Abkommen sei ein Weg für die verbleibenden
Kämpfer, mit dem Leben davonzukommen.
Israel darf laut Plan Gazastreifen nicht annektieren oder besetzen
Der Plan Trumps sieht weiter vor, dass sich die israelische Armee
schrittweise aus dem Gazastreifen zurückzieht. Die Hamas soll nicht
an der künftigen Verwaltung des Küstengebiets beteiligt sein dürfen.
Hamas-Mitglieder, die ihre Waffen abgeben und "friedliche
Koexistenz" zusagen, können dem Plan nach Amnestie erhalten oder
ausreisen. Israel darf den Gazastreifen weder annektieren noch
dauerhaft besetzen.
Kein palästinensischer Einwohner des Gazastreifens soll zur Ausreise
gezwungen werden; Ausreise und Rückkehr sollen auf freiwilliger
Basis erfolgen. Eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) soll
für Sicherheit sorgen und gleichzeitig palästinensische
Polizeikräfte ausbilden.
Für den Wiederaufbau des in zwei Kriegsjahren weitgehend zerstörten
Gebiets sind ein international finanzierter "Trump-Plan zur
wirtschaftlichen Entwicklung", Investitionen und eine
Sonderwirtschaftszone geplant, um Arbeitsplätze zu schaffen.
Langfristig soll dies im Zusammenspiel unter anderem mit einem
"interreligiösen Austausch" Frieden fördern und nach einer
Reformierung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) eine
Perspektive für einen palästinensischen Staat eröffnen.
Plan des US-Präsidenten stieß international auf Zustimmung
Auslöser des Kriegs war das von Terroristen der Hamas und anderer
Organisationen verübte Massaker in Israel, bei dem am 7. Oktober
2023 rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere als
Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden waren.
Seit Kriegsbeginn wurden nach Angaben der von der Hamas
kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 66.000 Palästinenser im
Gazastreifen getötet, darunter zahlreiche Frauen und Kinder.
Trumps Plan stieß international auf Zustimmung. Auch die
Palästinensische Autonomiebehörde (PA), die Teile des
Westjordanlandes verwaltet, lobte den US-Friedensplan. Ein
umfassendes Abkommen zur Beendigung des Gaza-Kriegs werde auch den
Weg zu einer Zweistaatenlösung ebnen, teilte die PA mit.
Rechtsextreme Koalitionspartner Netanjahus reagierten dagegen mit
scharfer Kritik - sie hatten eine Annexion und Wiederbesiedlung des
Küstenstreifens gefordert, aus dem Israel sich vor 20 Jahren
zurückgezogen hatte./le/DP/he
AXC0143 2025-10-03/22:44
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Autor: - dpa-AFX
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