| ROUNDUP: Merz ruft CDU und Koalition zur Geschlossenheit auf |
| 20.02.2026 13:57:00 |
Bundeskanzler Friedrich Merz hat die CDU vor
einer Serie von fünf Landtagswahlen zur Geschlossenheit aufgerufen
und an ihre Verantwortung als Regierungspartei für ganz Deutschland
appelliert. Angesichts wachsender Kritik an zu vielen
Zugeständnissen an die SPD sagte der CDU-Chef auf dem Parteitag in
Stuttgart zu den rund 1.000 Delegierten: "Der Erfolg der
Bundesregierung wird unser gemeinsamer Erfolg sein, und die
Verantwortung für unser Land ist unsere gemeinsame Verantwortung."
Gegen "ritualhaften" Streit in der Koalition
Die Koalitionspartner rief er dazu auf, weniger über die in diesem
Jahr anstehenden Sozialreformen zu streiten. "Wir müssen heraus aus
dem Zustand, dass ein Koalitionspartner Vorschläge macht, die der
andere ritualhaft zurückweist. Beide müssen da heraus", sagte er.
Der Kanzler nahm aber auch Kritik an, er habe die Latte für die
schwarz-rote Koalition zu hoch gelegt. "Mir wurde in den vergangenen
Monaten immer wieder mal gesagt und vorgehalten, ich hätte zu
ambitionierte Ziele in Aussicht gestellt", sagte er und räumte ein:
"Vielleicht haben wir nach dem Regierungswechsel nicht schnell genug
deutlich gemacht, dass wir diese gewaltige Reformanstrengung nicht
von heute auf morgen schaffen werden."
Merz sieht sich als Antreiber
Seine Rolle in der Regierung definierte er als Antreiber für mehr
Zuversicht. Er wolle nicht nur moderieren und den kleinsten
gemeinsamen Nenner als größtes Ziel ausrufen. "Ich will antreiben,
ich will uns ehrgeizige Ziele setzen, ich will uns motivieren - ja,
ich möchte uns zu Höchstleistungen motivieren." Er wolle aufbauen
und sich nicht "von Pessimismus, Fatalismus und Denkfaulheit
herunterziehen lassen".
Merz bekräftigte das große Ziel, die Wirtschaft wieder in Schwung zu
bringen. "Die nächsten Jahre werden darüber entscheiden, ob wir
einer der globalen Spieler werden können." Die Wirtschaft komme
langsam aus dem Tal. Das sei nicht spektakulär, aber die Rezession
sei gestoppt.
Wieviel Rückhalt bekommt Merz?
Merz will sich auf dem Parteitag zu Beginn eines Wahl-Marathons mit
fünf Landtagswahlen zum Parteivorsitzenden wiederwählen lassen. Mit
Spannung wird erwartet, wieviel Rückhalt er von der Partei für die
weitere Regierungsarbeit bekommt. Schon zum Auftakt des zweitägigen
Kongresses rief er die Partei zur Geschlossenheit auf. "Wenn wir
geschlossen sind, dann können wir alles zusammen erreichen", sagte
er. Dieses Signal solle von dem Parteitag ausgehen.
Merz war 2022 bei einem Online-Parteitag mit 94,6 Prozent der
Stimmen gewählt und später mit 95,3 Prozent per Briefwahl bestätigt
worden. 2024 kam er auf 89,8 Prozent. Viele in der CDU glauben
angesichts des holprigen Starts in seine Amtszeit nicht, dass er das
wieder erreichen kann. Andererseits könnte es auch sein, dass sich
die Delegierten vor den fünf wichtigen Landtagswahlen in diesem Jahr
hinter ihrem Vorsitzenden versammeln, um ein Zeichen der
Geschlossenheit zu senden.
Als wichtige Marke nach unten gilt das Ergebnis des CSU-Vorsitzenden
Markus Söder, der im Dezember mit 83,6 Prozent sein bisher
schlechtestes Ergebnis einfuhr. Es gibt einige die sagen:
"Hauptsache besser als Söder".
Außenkanzler als "Kompliment"
Die Außenpolitik nahm in der Rede des Kanzlers eine Nebenrolle ein.
Er knüpfte an seinen Appell für mehr europäische Eigenständigkeit in
einer neuen Weltordnung der Großmachtpolitik bei der Münchner
Sicherheitskonferenz an. "In dieser neuen Ära zählt Stärke", sagte
er. Das gelte sowohl militärisch als auch wirtschaftlich. Gegenüber
den USA von Präsident Donald Trump bekräftigte er eine
Doppelstrategie. Europa strecke weiter die Hand aus. Aber: "Wir
werden unser Schicksal auch selbst in die Hand nehmen müssen."
Merz betonte, Deutschland werde die Ukraine weiter unterstützen.
"Wer heute einem naiven Pazifismus folgt, der befördert die Kriege
von morgen." Dass er häufig als "Außenkanzler" wahrgenommen werde,
sehe er inzwischen als "Kompliment", sagte er. Mit dem Begriff war
bisher die Kritik verbunden, dass Merz sich zu wenig um die
Innenpolitik kümmert. Er selbst argumentiert, dass sich Außen- und
Innenpolitik nicht voneinander trennen lassen.
Auch Merkel applaudiert mit
Mit den stärksten Szenen-Applaus erhielt Merz für seine Kritik an
den Grünen, die im Europaparlament das Freihandelsabkommen mit den
lateinamerikanischen Mercosur-Staaten im Europaparlament zusammen
mit anderen Fraktionen zunächst gestoppt hatten. Die Grünen sind
derzeit stärkste Regierungspartei in Baden-Württemberg, in zwei
Wochen wird dort der Landtag gewählt.
Ansonsten ließen sich die Delegierten eher selten von der Rede
mitreißen. Zum Abschluss gab es allerdings stehende Ovationen - mehr
als zehn Minuten lang. Auch der prominenteste Ehrengast in der
ersten Reihe klatschte mit: Ex-Kanzlerin Angela Merkel. Sie nimmt
zum ersten Mal nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt an einem Parteitag
teil.
Merz an Merkel: "Liebe Angela, herzlich willkommen"
Sie selbst war auch von starkem Beifall empfangen worden, den Merz
zum Auftakt des Parteitags unterbrechen musste, um mit seiner
Eröffnungsansprache fortfahren zu können. Er hatte Merkel zuvor als
erste von "vielen treuen Wegbegleitern" aus der Union begrüßt: "An
erster Stelle begrüße ich die ehemalige Vorsitzende der CDU
Deutschlands, unsere langjährige Bundeskanzlerin, Angela Merkel.
Liebe Angela, herzlich willkommen."
Das Verhältnis zwischen Merz und Merkel gilt seit langem als
zerrüttet. Ihre Teilnahme am Parteitag wird von vielen als
Versöhnungssignal gewertet. Andere sagen, sie wolle den Kanzler
damit ärgern.
Zuletzt hatte die 71-Jährige 2019 in Leipzig physisch an einem
CDU-Bundesparteitag teilgenommen. Der letzte Parteitag in ihrer
Amtszeit als Kanzlerin fand im Januar 2021 wegen Corona digital
statt, bevor sie im Dezember desselben Jahres von Olaf Scholz (SPD)
abgelöst wurde./mfi/sam/bk/poi/DP/men
AXC0134 2026-02-20/13:57
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Autor: - dpa-AFX
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