| ROUNDUP 2: Merz ruft CDU und Koalition zur Geschlossenheit auf |
| 20.02.2026 15:09:00 |
(neu: Passage zur AfD; Absätze 3 bis 5.)
STUTTGART (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz hat die CDU vor
dem anstehenden Wahl-Marathon zur Geschlossenheit aufgerufen - und
gleichzeitig von Union und SPD eine konstruktivere Regierungsarbeit
gefordert. "Wir müssen heraus aus dem Zustand, dass ein
Koalitionspartner Vorschläge macht, die der andere ritualhaft
zurückweist. Beide müssen da heraus", sagte er.
Der Kanzler nahm aber auch Kritik an, er habe die Latte für die
schwarz-rote Koalition zu hoch gelegt. "Mir wurde in den vergangenen
Monaten immer wieder mal gesagt und vorgehalten, ich hätte zu
ambitionierte Ziele in Aussicht gestellt", sagte er und räumte ein:
"Vielleicht haben wir nach dem Regierungswechsel nicht schnell genug
deutlich gemacht, dass wir diese gewaltige Reformanstrengung nicht
von heute auf morgen schaffen werden."
Dauerhafte Absage an Zusammenarbeit mit AfD
Einem Aufweichen der Abgrenzung zur AfD erteilte Merz eine
kategorische Absage. Er wolle den Wählerinnen und Wählern in ganz
Deutschland sagen: "Ich habe mich abschließend entschieden, die
Zustimmung zu unserer Politik ausschließlich in der politischen
Mitte unseres Landes zu suchen." Gerade die Christdemokraten müssten
alles tun, dass das Erbe der Geschichte des Landes nicht verspielt
werde nur um eines kurzfristigen Machterfolges mit
rechtspopulistischen Kräften willen.
Man werde es nicht zulassen, "dass diese Leute von der sogenannten
"Alternative für Deutschland" unser Land ruinieren", sagte Merz und
betonte: "Diese Partei kann kein Partner für uns sein." Die CDU
müsse auch bei den Landtagswahlen im Herbst im Osten den Kampf
aufnehmen, "um zu verhindern, dass in Deutschland der
Rechtsradikalismus wieder in die Staatskanzleien einzieht."
In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt wird im September
gewählt. Auf die Problematik, dass die Parteien der Mitte - CDU,
SPD, Grüne und FDP - in beiden Ländern nach den aktuellen Umfragen
keine Mehrheit ohne AfD oder Linke haben, ging Merz nicht ein. Mit
beiden Parteien hat die CDU eine Zusammenarbeit per
Parteitagsbeschluss ausgeschlossen.
Merz sieht sich als Antreiber
Seine Rolle in der Regierung definierte erz als Antreiber für mehr
Zuversicht. Er wolle nicht nur moderieren und den kleinsten
gemeinsamen Nenner als größtes Ziel ausrufen. "Ich will antreiben,
ich will uns ehrgeizige Ziele setzen, ich will uns motivieren - ja,
ich möchte uns zu Höchstleistungen motivieren." Er wolle aufbauen
und sich nicht "von Pessimismus, Fatalismus und Denkfaulheit
herunterziehen lassen".
Der Kanzler will sich auf dem Parteitag vor den fünf Landtagswahlen
in diesem Jahr zum Parteivorsitzenden wiederwählen lassen. Mit
Spannung wird erwartet, wieviel Rückhalt er von der Partei für die
weitere Regierungsarbeit bekommt. Schon zum Auftakt des zweitägigen
Kongresses rief er die Partei zur Geschlossenheit auf. "Wenn wir
geschlossen sind, dann können wir alles zusammen erreichen", sagte
er. Dieses Signal solle von dem Parteitag ausgehen.
Merz war 2022 bei einem Online-Parteitag mit 94,6 Prozent der
Stimmen gewählt und später mit 95,3 Prozent per Briefwahl bestätigt
worden. 2024 kam er auf 89,8 Prozent. Viele in der CDU glauben
angesichts des holprigen Starts in seine Amtszeit nicht, dass er das
wieder erreichen kann. Andererseits könnte es auch sein, dass sich
die Delegierten vor den fünf wichtigen Landtagswahlen in diesem Jahr
hinter ihrem Vorsitzenden versammeln, um ein Zeichen der
Geschlossenheit zu senden.
Als wichtige Marke nach unten gilt das Ergebnis des CSU-Vorsitzenden
Markus Söder, der im Dezember mit 83,6 Prozent sein bisher
schlechtestes Ergebnis einfuhr. Es gibt einige die sagen:
"Hauptsache besser als Söder".
Außenkanzler als "Kompliment"
Die Außenpolitik nahm in der Rede des Kanzlers eine Nebenrolle ein.
Er knüpfte an seinen Appell für mehr europäische Eigenständigkeit in
einer neuen Weltordnung der Großmachtpolitik bei der Münchner
Sicherheitskonferenz an. "In dieser neuen Ära zählt Stärke", sagte
er. Das gelte sowohl militärisch als auch wirtschaftlich. Dass er
häufig als "Außenkanzler" wahrgenommen werde, sehe er inzwischen als
"Kompliment", sagte Merz. Mit dem Begriff war bisher die Kritik
verbunden, dass Merz sich zu wenig um die Innenpolitik kümmert. Er
selbst argumentiert, dass sich Außen- und Innenpolitik nicht
voneinander trennen lassen.
Mit den stärksten Szenen-Applaus erhielt Merz für seine Kritik an
den Grünen, die im Europaparlament das Freihandelsabkommen mit den
lateinamerikanischen Mercosur-Staaten im Europaparlament zusammen
mit anderen Fraktionen zunächst gestoppt hatten. Die Grünen sind
derzeit stärkste Regierungspartei in Baden-Württemberg, in zwei
Wochen wird dort der Landtag gewählt.
Zehn Minuten stehender Applaus - auch Merkel klatscht mit
Ansonsten ließen sich die Delegierten nur vereinzelt von der Rede
mitreißen. Zum Abschluss gab es allerdings stehende Ovationen - mehr
als zehn Minuten lang. Auch der prominenteste Ehrengast in der
ersten Reihe klatschte mit: Ex-Kanzlerin Angela Merkel. Sie nimmt
zum ersten Mal nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt an einem Parteitag
teil.
Sie selbst war auch von starkem Beifall empfangen worden, den Merz
zum Auftakt des Parteitags unterbrechen musste, um mit seiner
Eröffnungsansprache fortfahren zu können. Er hatte Merkel zuvor als
erste von "vielen treuen Wegbegleitern" aus der Union begrüßt: "An
erster Stelle begrüße ich die ehemalige Vorsitzende der CDU
Deutschlands, unsere langjährige Bundeskanzlerin, Angela Merkel.
Liebe Angela, herzlich willkommen."
Das Verhältnis zwischen Merz und Merkel gilt seit langem als
zerrüttet. Ihre Teilnahme am Parteitag wird von vielen als
Versöhnungssignal gewertet. Andere sagen, sie wolle den Kanzler
damit ärgern.
Zuletzt hatte die 71-Jährige 2019 in Leipzig physisch an einem
CDU-Bundesparteitag teilgenommen. Der letzte Parteitag in ihrer
Amtszeit als Kanzlerin fand im Januar 2021 wegen Corona digital
statt, bevor sie im Dezember desselben Jahres von Olaf Scholz (SPD)
abgelöst wurde./mfi/sam/bk/poi/DP/men
AXC0156 2026-02-20/15:09
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Autor: - dpa-AFX
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