Neue Finanzierungsform SPAC: Börsenmäntel kommen nach Europa / In den USA erfuhren SPAC schon 2020 starkes Wachstum - Jetzt suchen sie auch in Europa nach Zielunternehmen und sind zu risikoreichen Deals bereit
24.03.2021 07:00:00

Special Purpose Acquisition Companies (SPAC) haben im Coronajahr 2020 enorm geboomt. Diese bereits börsennotierten Firmen haben das Ziel, ein anderes Unternehmen schneller an die Börse zu bringen. Unternehmen sparen sich durch die leeren, mit Kapital ausgestatteten Börsenmäntel Gebühren an Investmentbanken. In den USA wurden voriges Jahr 248 SPAC aufs Handelsparkett gebracht, nach nur 59 im Jahr 2019, erhob der Berater Deloitte. Die neue Finanzierungsform erobert auch Europa.
Bisher wurden die Börsenvehikel am europäischen Markt hauptsächlich in Amsterdam und Frankfurt gelistet, so Deloitte in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse. "Bis Ende Februar wurden bereits vier SPAC-IPO (Börsengänge) an europäischen Börsen verzeichnet, die insgesamt über eine Milliarde Euro von Investoren eingesammelt haben." Im gesamten Jahr 2020 fanden in Europa acht solcher Börsengänge statt, bei denen 1,8 Mrd. Euro zusammenkamen.
Auch in den USA könnte laut Deloitte ein neues Rekordjahr bevorstehen. Von Jahresbeginn bis Mitte März 2021 haben 268 SPAC brutto bereits 88 Mrd. Dollar aufgenommen, nach 83 Mrd. Dollar im gesamten Jahr 2020. SPAC dürften in den kommenden zwei Jahren intensiv nach Zielunternehmen Ausschau halten - auch in Europa, sagt Deloitte voraus. Per Mitte März waren dem Beratungskonzern zufolge in den USA 417 SPAC mit einem Gesamtkapital von 135 Mrd. Dollar auf der Suche nach geeigneten Akquisitionen. Durch diesen Wettbewerb um Übernahmeziele würden Unternehmensbewertungen nach oben getrieben. "Die Manager und Sponsoren der SPAC wollen rasch Transaktionen abschließen und könnten dadurch verleitet sein, auch risikoreichere Deals einzugehen."
Ein SPAC sollte in der Regel 18 bis 24 Monate nach der Gründung eine Übernahme tätigen, erklärte Deloitte. Wenn eine Mantelgesellschaft bis zum Ende ihrer Laufzeit das nicht schafft, wird sie aufgelöst und das beschaffte Kapital geht zurück an die Aktionäre. "Das erhöht den Druck", so Albert Hannak von Deloitte Österreich. Auch österreichische Firmen könnten vom SPAC-Boom profitieren.
snu/sp
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