| WOCHENAUSBLICK: Dax steht vor weiteren Herausforderungen |
| 01.09.2025 05:50:00 |
FRANKFURT (dpa-AFX) - Dem zuletzt schwächelnden Dax
steht wohl eine weitere schwierige Woche bevor. Neben dem
monatlichen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag rückt die
Auseinandersetzung um die Führungsspitze der amerikanischen
Notenbank Fed in den Fokus. Auch seitens der erratischen Zollpolitik
von US-Präsident Donald Trump sind angesichts seiner jüngsten
Drohungen jederzeit Querschläger für die Aktienmärkte zu befürchten.
Zudem beschäftigt die Anleger der befürchtete Sturz der
französischen Regierung.
Im Ringen um die 24.000-Punkte-Marke drohe dem wichtigsten deutschen
Aktienindex die Kraft auszugehen, warnt Kapitalmarktstratege Jürgen
Molnar vom Handelshaus Robomarkets. "Der Krug geht so lange zum
Brunnen, bis er bricht." Panikartige Verkäufe sind dem Experten
zufolge allerdings nicht zu befürchten. Bereits bei 23.500 Punkten
sieht er die nächste Haltelinie für den Dax, der inzwischen ein
gutes Stück von seinem Rekordhoch bei gut 24.639 Punkten aus dem
Juli zurückgefallen ist. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein
Kursplus von mehr als 20 Prozent zu Buche. Damit lässt der Dax die
meisten anderen großen Indizes weit hinter sich.
Seine Bewertung ist damit allerdings weit über das Niveau der
vergangenen zehn Jahre gestiegen. Daher sind einige Experten der
Meinung, dass sich die massiven Konjunkturmaßnahmen der neuen
Bundesregierung erst in den Unternehmensgewinnen niederschlagen
müssen, bevor die Rekordrally neuen Schwung gewinnen kann. Die immer
noch hohen Kurse spiegelten einen übertriebenen Optimismus mit Blick
auf das Gewinnwachstum wider, sagte Will McIntosh-Whyte,
Fondsmanager bei Rathbones Asset Management.
Der Dax trete seit Anfang Juni de facto auf der Stelle, weise aber
immer noch ein historisch hohes Bewertungsniveau auf, konstatieren
die Experten der DZ Bank. Stimmungsindikatoren deuteten zwar an,
dass die Zahl der Pessimisten leicht zunehme. Bisher aber hielten
sich die institutionellen Anleger mehrheitlich mit Verkäufen zurück.
Für einen deutlichen Kursrückgang bräuchte es wohl einen Auslöser.
Hier könnten die US-Börsen ungeachtet der zunehmenden Entkoppelung
von Europa eine Rolle spielen. Stratege Molnar sieht in New York
eine nachlassende Aufwärtsdynamik, auch wenn die wichtigsten Indizes
zuletzt angezogen und Bestmarken aufgestellt haben.
Für etliche Marktbeobachter steht in den USA die jüngste Eskalation
im Kampf zwischen Trump und der Fed im Fokus. Dass der US-Präsident
die Gouverneurin Lisa Cook entlassen hat, lässt laut Ökonomin
Tiffany Wilding von der Investmentgesellschaft Pimco zwar zunächst
keine direkten Auswirkungen auf die Zinspolitik erwarten. Zudem will
Cook mit einer Klage gegen Trump ihre Amtsenthebung wegen
angeblichen Hypothekenbetrugs verhindern. Jedoch könne die
öffentliche Debatte das Vertrauen in die institutionelle
Unabhängigkeit der Fed belasten, so Wielding. Am 17. September steht
die nächste Fed-Zinssitzung an. Dass die Währungshüter dann erstmals
im laufenden Jahr den Leitzins senken, gilt als nahezu sicher - wenn
auch nicht so deutlich wie von Trump seit langem gefordert.
Gegenwind für die Börsen droht auch aus Frankreich. Im Streit um den
anstehenden Sparhaushalt wird Premierminister François Bayrou am 8.
September die Vertrauensfrage stellen. Seine Regierung hat im
Parlament keine eigene Mehrheit, weshalb ihr Sturz erwartet wird.
Anschließende Neuwahlen sind nicht ausgeschlossen. Dies dürfte nicht
nur den französischen Cac-40-Index , sondern auch den
Eurozonen-Leitindex EuroStoxx50 beeinflussen,
schreibt Analyst Frank Sohlleder vom Broker Activtrades.
Der Auftakt in die neue Börsenwoche dürfte wegen der
feiertagsbedingt geschlossenen US-Börsen ruhig verlaufen. Neben dem
Quartalsbericht des chinesischen Autoriesen BYD und
dessen möglichem Einfluss auf die Branche sollten europäische und
chinesische Einkaufsmanagerdaten aus der Industrie einen Blick wert
sein. Am Dienstag hält der Vakuum-Technologie- und
Messtechnikspezialist PVA Tepla einen Kapitalmarkttag
ab. Außerdem stehen Preisdaten aus der Eurozone und
Einkaufsmanagerdaten aus der US-Industrie auf der Agenda.
Zur Wochenmitte folgen Geschäftszahlen des
Online-Gebrauchtwagenhändlers Auto1 , des Versicherers
Swiss Life und nach US-Börsenschluss vom
SAP-Branchenkollegen Salesforce .
Überdies werden in Japan, China und Europa Daten zur
Unternehmensstimmung im Dienstleistungssektor sowie im Euroraum
weitere Preisdaten veröffentlicht. Am Donnerstag berichtet der
amerikanische Chipriese Broadcom über seine
Geschäftsentwicklung. Dazu gibt es Stimmungsdaten aus der
US-Dienstleistungsbranche./gl/la/he
--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---
ISIN DE0008469008
AXC0023 2025-09-01/05:50
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Autor: - dpa-AFX
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