| ROUNDUP 2: Zu viele Arbeitslose, zu wenig Arbeitende |
| 28.11.2025 13:29:00 |
(Neu: Weitere Details und Expertenstimmen)
NÜRNBERG (dpa-AFX) - Deutschland hat zu viele Arbeitslose -
kurioserweise aber auch zu wenig Arbeitskräfte. "Eigentlich ist das
größere, mittelfristige Problem auf dem deutschen Arbeitsmarkt
tatsächlich die demografische Herausforderung und der
Fachkräftemangel", sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur
für Arbeit, Andrea Nahles, bei der Vorstellung der
November-Statistik für den Arbeitsmarkt in Nürnberg.
Im November sank die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im
Vergleich zum Vormonat um 26.000 auf 2,885 Millionen. Das sind
allerdings 111.000 mehr als im November 2024, wie die Bundesagentur
für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote sank im
Vergleich zum Oktober um 0,1 Punkte auf 6,1 Prozent, liegt aber im
Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,2 Punkte höher. Die Bundesagentur
griff für die November-Statistik auf Daten zurück, die bis zum 12.
November zur Verfügung standen.
Über drei Millionen Arbeitslose im Winter
Anfang des Jahres 2026 hält Nahles eine Arbeitslosenzahl von mehr
als drei Millionen für wahrscheinlich. "Die Schwäche der Konjunktur
hält an und der Arbeitsmarkt bleibt ohne Schwung." Dies dürfe aber
den Blick auf ein anderes Problem nicht verstellen: Einer von
mehreren Faktoren für die schwache Konjunktur ist der Mangel an
Fachkräften. 49 Milliarden Euro entgehen der deutschen Wirtschaft
pro Jahr, weil Stellen nicht besetzt werden können, rechnete das
Institut der Deutschen Wirtschaft vor.
"Lange Jahre entwickelte sich die Beschäftigung deutlich besser als
die Arbeitslosigkeit. Heute sind beide gleichauf - für starke
Jobzuwächse reicht es wegen der demografischen Schrumpfung nicht
mehr", sagte der Arbeitsmarktexperte Enzo Weber vom Institut für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung jüngst.
Unternehmen suchen Leute
Und auch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger beklagt: "Trotz
schwachem Arbeitsmarkt finden zwei von drei Unternehmen keine
geeigneten Bewerberinnen und Bewerber, um offene Stellen zu
besetzen." Jedes zweite Unternehmen mit solchen Problemen mache
dafür verantwortlich, dass Sozialleistungen als zu attraktiv
empfunden werden.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund hält dagegen. Den Sozialstaat zu
schleifen schaffe keinen neuen Jobs, heißt es von dort. "Die
Wirtschaftsverbände müssen in den eigenen Reihen für Ordnung sorgen,
anstatt jeden Tag mit neuen absurden Ideen zum Sozialabbau ganze
Belegschaften zu verunsichern", sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja
Piel.
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) kündigt auch politische
Schritte an. "Auch in Zukunft muss es unser Ziel sein, mehr Menschen
in Arbeit zu bringen. Deswegen werden wir die Anreize für die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit weiter stärken und die Zuwanderung
von qualifizierten Fachkräften erleichtern", betonte sie.
Weniger offene Stellen
Das Angebot an offenen Stellen, der die der Bundesagentur gemeldet
werden, geht indes weiter zurück - wenngleich auf niedrigem Niveau
eine Stabilisierung beobachtet wird. Im November wurden der
Bundesagentur für Arbeit 624.000 freie Arbeitsplätze gemeldet. Das
sind 44.000 weniger als vor einem Jahr.
Zurückgegangen ist auch die Kurzarbeit. Nach aktuellen Daten der
Nürnberger Statistiker wurde vom 1. bis einschließlich 24. November
für 34.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt - ob dies
dann in Anspruch genommen wird, klärt sich erst später.
Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis
September 2025 zur Verfügung. In diesem Monat wurde nach vorläufigen
hochgerechneten Daten für 209.000 Beschäftigte konjunkturelles
Kurzarbeitergeld gezahlt. Das waren - vor allem wegen saisonaler
Effekte - 37.000 mehr als im Vormonat, aber 8.000 weniger als im
September des Vorjahres.
Die von der Berliner Regierungskoalition gerade in Aussicht
gestellte Verlängerung der Bezugsdauer auf maximal 24 Monate sieht
Nahles kritisch. Dies werde - je nach Konjunkturszenario -
Mehrkosten in Höhe von 100 bis 180 Millionen Euro für die
Bundesagentur bedeuten. Ein positiver Beschäftigungseffekt sei
Studien zufolge nicht garantiert. "Wir weisen darauf hin, dass wir
uns derzeit im Defizit befinden", sagte Nahles mit Blick auf die
angespannten Finanzen ihrer Behörde.
Weniger Bürgergeldberechtigte
986.000 Menschen erhielten nach einer Hochrechnung der Bundesagentur
im November 2025 Arbeitslosengeld - das sind 96.000 mehr als noch
vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldberechtigten
belief sich hochgerechnet im November auf 3.819.000 - nicht alle
Bürgergeldempfänger sind aber automatisch ohne Job, viele müssen
ihre Bezüge über das Bürgergeld aufstocken. Gegenüber November 2024
war dies der Bundesagentur zufolge ein Rückgang um 122.000 Personen.
7,0 Prozent der in Deutschland lebenden Personen im erwerbsfähigen
Alter waren damit hilfebedürftig.
Zugenommen hat zuletzt wieder die Arbeitslosigkeit von
Schwerbehinderten. Sie liege mit 184.000 um vier Prozent über dem
Vorjahr, sagte Nahles. Sie rief die Betriebe auf, mehr
Schwerbehinderte einzustellen und nicht auf Mythen zu hören, die
sich teilweise seit den 1990er Jahren hartnäckig hielten, etwa zum
Kündigungsschutz bei Behinderten. Schwerbehinderte stellten ein
wichtiges Potenzial im Kampf gegen Fachkräftemangel dar./dm/DP/jsl
AXC0159 2025-11-28/13:29
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Autor: - dpa-AFX
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