| ROUNDUP 3/Korruptionsskandal: Durchsuchung bei Selenskyjs Bürochef |
| 28.11.2025 14:58:00 |
(mit mehr Details)
KIEW (dpa-AFX) - In der Ukraine ist im Zuge eines riesigen
Schmiergeldskandals auch der Bürochef von Präsident Wolodymyr
Selenskyj ins Visier der Ermittler geraten. Das Nationale
Antikorruptionsbüro (NABU) und die Spezialisierte
Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP ) informierten
am frühen Morgen über eine Razzia in der Wohnung von Andrij Jermak.
Der 54-Jährige gilt als rechte Hand Selenskyjs und einflussreicher
Strippenzieher. Er selbst bestätigte die Ermittlungen gegen ihn in
seinem Telegramkanal.
Die Ukraine, die sich seit bald vier Jahren gegen den russischen
Angriffskrieg wehrt, steckt seit Wochen in einem millionenschweren
Schmiergeldskandal, der bis in die Staatsführung reicht. Von
Selenskyj, der auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Aufklärung
versprochen hatte, gab es zunächst keine Reaktion.
Jermak erklärte, er habe "völligen Zugang" zu seiner Wohnung
gewährt. Seine Anwälte seien an Ort und Stelle und kooperierten wie
er selbst mit den Ermittlern. NABU und SAP machten zunächst keine
Angaben zum Anlass der Ermittlungen. "Details folgen später", hieß
es in einer Mitteilung. Fotos auf dem Internetportal "Ukraijinska
Prawda" zeigten, wie zehn Mitarbeiter von NABU und SAP ins
kriegsbedingt schwer zugängliche Regierungsviertel gelangten.
Präsident Selenskyjs wichtigster Mann in Kiew
Jermak ist die zentrale Figur bei den laufenden Verhandlungen mit
den US-Amerikanern um ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen
die Ukraine. Er führt das ukrainische Verhandlungsteam bei den
Friedensgesprächen an. Seine Ernennung als Delegationsleiter hatte
in der vergangenen Woche Erstaunen bei politischen Beobachtern in
Kiew ausgelöst, weil er in dem Korruptionsskandal wie Selenskyj in
Erklärungsnot geraten war.
Zuletzt war auch Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow von
Korruptionsfahndern vorgeladen worden. Der Sekretär des Nationalen
Sicherheitsrates bestreitet alle Vorwürfe. Auch der 43-Jährige
gehört zu Kiews Hauptunterhändlern bei den Gesprächen über Trumps
Friedensinitiative.
Spärliche Informationen über den Grund der Razzia
NABU und SAP hatten vor etwas mehr als zwei Wochen mitgeschnittene
Gespräche zu Schmiergeldzahlungen im Energiesektor veröffentlicht.
Es gab mehrere Festnahmen. Energieministerin Switlana Hryntschuk und
Justizminister Herman Haluschtschenko wurden entlassen. Der
Hauptverdächtige und Vertraute von Präsident Wolodymyr Selenskyj,
Tymur Minditsch, konnte aus dem Land fliehen. Er ist zur Fahndung
ausgeschrieben. Bereits damals wiesen die Korruptionsfahnder auf
Bestechung auch im Rüstungsbereich hin.
Mehrere Parlamentsabgeordnete schrieben in sozialen Netzwerken, dass
NABU nun eine Verdachtsmitteilung gegen Jermak vorbereite. Die
Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine meldete unter Verweis auf eine
Quelle, dass bisher niemand offiziell verdächtigt worden sei.
Möglicher Konflikt mit den Anti-Korruptionsbehörden
Im Juli hatte Präsident Selenskyj noch versucht, NABU und SAP unter
seine Kontrolle zu bringen. Damals wurden bereits Vorwürfe gegen
Jermak laut, dass die eilig verabschiedete Gesetzesänderung auf
seine Initiative hin im Parlament eingebracht worden sei. Ziel sei
gewesen, die sich anbahnenden Verfahren gegen Minditsch und den
Selenskyj nahestehenden Ex-Vizeregierungschef Olexij Tschernyschow
zu verhindern. Nach Straßenprotesten und einer Intervention der
Europäischen Union musste Selenskyj das Gesetz wieder ändern und den
vorherigen Zustand wiederherstellen.
Der oppositionelle Abgeordnete Olexij Hontscharenko meinte, dass die
Ermittlungen auch eine Antwort darauf sein könnten, dass Jermak
angeordnet haben soll, die Ermittler von NABU und SAP zu überwachen.
Er vermute auch Amtsmissbrauch, Einflussnahme und politische
Verfolgung. "Da helfen auch alle Anwälte des Landes nichts", schrieb
Hontscharenko bei Telegram.
Beeinflussen die Ermittlungen die Friedensgespräche?
Die Ermittlungen rund um den Korruptionsskandal könnten auch
Auswirkungen auf die Gespräche der Ukraine mit den USA haben.
Medienberichten zufolge hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj Jermak
extra zum Verhandlungsführer bei einem Treffen in Genf am Sonntag
ernannt. Einige Kommentatoren hatten dagegen mit einer Absetzung
Jermaks gerechnet.
Jermak lehnte in einem Interview die von Russland geforderten
Gebietsabtretungen im Donbass für einen Waffenstillstand ab.
"Solange Selenskyj Präsident ist, sollte niemand damit rechnen, dass
wir Gebiete aufgeben. Er wird keine Gebiete abtreten", sagte er "The
Atlantic".
USA wollen Ukraine zum Kriegsende bewegen
Tags zuvor hatte Jermak neue Gespräche mit der US-amerikanischen
Seite für das Ende der Woche angekündigt. Erwartet wird die Ankunft
einer US-Delegation unter Leitung des Staatssekretärs Daniel
Driscoll. Sollte Jermak offiziell eine Verdachtsmitteilung
ausgehändigt oder er gar festgenommen werden, könnte er kaum weiter
seine Funktion als Verhandlungsführer wahrnehmen.
Russland besteht darauf, dass die ukrainischen Truppen sich für
einen Waffenstillstand aus den Gebieten Luhansk und Donezk komplett
zurückziehen. Kremlsprecher Peskow sagte mit Blick auf die Razzia
bei Jermak, dass sich der Korruptionsskandal in der Ukraine ausweite
mit negativen Folgen für das politische System in Kiew.
Die USA versuchen seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump,
ein Ende des seit Februar 2022 währenden russischen Krieges gegen
die Ukraine zu erreichen. Vergangene Woche hatte Washington einen
aus 28 Punkten bestehenden Friedensplan vorgelegt und Kiew zur
Annahme gedrängt. Die von Jermak geleitete ukrainische
Verhandlungsdelegation hatte am Sonntag mit Unterstützung
europäischer Verbündeter Änderungen am Plan vorgenommen und diese
den USA vorgelegt.
Trotz einer Reihe seit dem westlichen Umsturz von 2014 neu
geschaffener Behörden zur Schmiergeldbekämpfung gilt die Ukraine
weiter als einer der korruptesten Staaten Europas. Als
EU-Beitrittskandidat hat sich das Land zu Reformen
verpflichtet./ast/DP/mis
ISIN DE0007164600
AXC0184 2025-11-28/14:58
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Autor: - dpa-AFX
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