| WDH/ROUNDUP: Bundestag beschließt Haushalt 2026 mit hohen Schulden |
| 28.11.2025 15:29:00 |
(Im letzten Satz des ersten Absatzes wurde ein überflüssiges Komma
entfernt.)
BERLIN (dpa-AFX) - Aus Haushaltssicht kann das neue Jahr kommen: Der
Bundestag hat den Etat für 2026 beschlossen - mit Schulden so hoch
wie zuvor nur in der Corona-Pandemie. Die schwarz-rote Koalition
nehme sich damit vor, das Land auf Wachstumskurs zu bringen und
Arbeitsplätze zu sichern, erklärte Finanzminister Lars Klingbeil in
der Schlussdebatte im Parlament. "Dieser Haushalt hat erneut
Rekordinvestitionen. Wichtig ist aber auch, dass jetzt die
Investitionen schnell fließen." Die Milliarden müssten jetzt verbaut
werden, mahnte der SPD-Chef.
Insgesamt genehmigten die Parlamentarier der Regierung von Kanzler
Friedrich Merz Ausgaben von 524,5 Milliarden Euro. Das sind 21,5
Milliarden mehr als dieses Jahr. Um das zu finanzieren, sollen
allein im Kernhaushalt Schulden von fast 98 Milliarden Euro
aufgenommen werden. Hinzu kommen Kredite aus Sondertöpfen für die
Bundeswehr und die Infrastruktur. Insgesamt dürfte die
Neuverschuldung damit bei mehr als 180 Milliarden liegen. Die
Schuldenbremse wird trotzdem eingehalten - die im Frühjahr
beschlossenen Lockerungen unter anderem für Verteidigungsausgaben
machen das möglich.
Wofür es das meiste Geld gibt
Mehr als ein Drittel des Haushalts macht der Arbeits- und Sozialetat
aus, vor allem weil die Regierung immer mehr Geld zur
Rentenversicherung zuschießen muss. Leicht sinkende Ausgaben sind
beim Bürgergeld geplant.
Der Etat mit den höchsten Investitionen ist der von Verkehrsminister
Patrick Schnieder (CDU). Das Geld fließt in Straßen, Brücken und
Schienen. Zusätzlich zu fast 14 Milliarden im Kernhaushalt kann
Schnieder noch mehr als 21 Milliarden Euro aus einem
schuldenfinanzierten Sondertopf für die Infrastruktur verplanen.
Weiterer Schwerpunkt ist die Verteidigung: Die Ausgaben dafür
steigen auf rund 108 Milliarden Euro - und damit auf einen
Höchststand seit Ende des Kalten Krieges. Das Geld fließt zu großen
Teilen in militärisches Gerät und Munition, viel davon wird durch
Kredite finanziert. Die Ukraine bekommt 11,5 Milliarden Euro für
Artillerie, Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge und andere Ausrüstung. Das
ist laut Verteidigungsministerium der höchste Betrag seit dem
russischen Angriff.
Was für die Bürger im Haushalt steckt
Eine direkte Entlastung gibt es durch die Erhöhung der
Pendlerpauschale in der Steuererklärung. Außerdem können Haushalte
mit niedrigem und mittlerem Einkommen eine Prämie für den Kauf eines
E-Autos bekommen. Bereits ab dem 16. Dezember läuft ein
Förderprogramm für effiziente Eigenheime mit klimafreundlicher
Heizung - die sogenannte EH55-Förderung.
Ob dagegen der niedrigere Mehrwertsteuersatz für Speisen in
Restaurants an die Kunden weitergegeben wird, ist zweifelhaft. Die
Koalition verbucht auch ihre Hilfen für die schwächelnde Wirtschaft
als gut für die Bürger: Wirtschaftswachstum sichere Arbeitsplätze,
argumentiert vor allem die SPD.
Was die Opposition davon hält
AfD, Grüne und Linke lehnten den Haushalt in ihren Reden ab - alles
andere wäre allerdings auch eine Überraschung gewesen. Die AfD
warnte vor allem vor Milliarden-Zinszahlungen wegen der hohen
Kredite. Auf der weltpolitischen Bühne sei Deutschland inzwischen
"finanzieller Hofnarr", sagte Haushaltspolitiker Kay Gottschalk.
Grüne und Linke halten nicht die Kredite selbst für das größte
Problem, sondern wofür sie eingesetzt werden. Schwarz-Rot habe die
Chance verspielt, "aus ihren riesigen zusätzlichen
Verschuldungsmöglichkeiten in dem größten Haushalt ever etwas Gutes
für unser Land zu machen", sagte Grünen-Haushälterin Lisa Paus.
Statt die Infrastruktur ausreichend instand zu setzen, würden
Wahlgeschenke finanziert. Linken-Chefin Ines Schwerdtner monierte,
dieser Haushalt spiegele nicht die Prioritäten der Menschen. "Echte
Verantwortung heißt, dieses Geld in das zu investieren, was ein Land
wirklich trägt: bezahlbaren Wohnraum, gute Schulen, funktionierende
Kitas, Pflege und starke Kommunen."
Was den Finanzminister viel mehr beschäftigt
Klingbeil hat den Haushalt 2026 als "Warm-up" bezeichnet. Denn seine
Gedanken kreisen seit Monaten schon eher um die Etats 2027 und 2028.
Denn da klaffen riesige Löcher in der Planung. Nach der jüngsten
Steuerschätzung müssen allein für 2027 noch 22 bis 23 Milliarden
Euro zusammengekratzt oder eingespart werden. Die Lücke dürfte zwar
noch etwas schrumpfen, weil man dieses Jahr Geld übrig behält und im
kommenden eine Rücklage schont. Trotzdem soll ein Sparpaket her:
Debattiert werden Steuererhöhungen sowie die Streichung von
Subventionen und Förderprogrammen./tam/DP/zb
AXC0192 2025-11-28/15:29
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Autor: - dpa-AFX
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