| ROUNDUP 3/Orban bei Putin: Bitte um günstiges Öl - Einladung zu Gipfel |
| 28.11.2025 16:11:00 |
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hat in
einem umstrittenen Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin für ein
baldiges Ende des Ukrainekrieges geworben. Zugleich machte er
deutlich, dass er auf günstige und weiterhin stabile Öl- und
Gaslieferungen von der Rohstoffgroßmacht Russland hoffe. Putin lobte
Orbans "ausgewogene Haltung" im Konflikt um die Ukraine, der eine
eigenständige Politik verfolge. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
ging zu Orbans Besuch in Moskau auf scharfe Distanz.
Für Putin, der seit fast vier Jahren die Ukraine mit Krieg
überzieht, gilt das Treffen als Erfolg. Ungeachtet westlicher
Sanktionen gegen Russland kam Orban auch als Vertreter eines EU- und
Nato-Mitgliedsstaates und als Bittsteller nach Moskau.
Orban erneurte seine Einladung an Putin zu einem Gipfeltreffen mit
US-Präsident Donald Trump in Ungarn. Putin zeigte sich dazu bereit,
sollten die Verhandlungen über ein Kriegsende in der Ukraine zu
entsprechenden Ergebnissen führen. Trump hatte zuletzt die Idee für
ein solches Treffen in Budapest gehabt, ließ es aber mangels
Erfolgsaussichten platzen. Interessiert ist Orban an einem Gipfel
als Gastgeber auch, weil er im kommenden Jahr bei der Parlamentswahl
wieder gewinnen will.
Orban lobt neue Friedensinitiative Trumps
Orban begrüßte, dass es nun eine neue Initiative Trumps für
Friedensverhandlungen gebe. US-Vertreter führen dazu kommende Woche
nach Kremlangaben in Moskau Verhandlungen mit der russischen Seite.
Ungarn hoffe als Nachbar der Ukraine auf einen Erfolg, weil die
wirtschaftlichen Folgen des Krieges auch für sein Land schwer seien,
sagte Orban. "Wir hoffen sehr, dass die vorliegenden Vorschläge zu
einem Waffenstillstand und Frieden führen werden."
Orban wollte mit Putin unter anderem über Öl- und Gaslieferungen zu
günstigen Preisen verhandeln. Er ist gegen die Sanktionen der EU in
diesem Bereich - und lobte Russland als verlässlichen Partner, der
die Energiesicherheit Ungarns gewährleiste.
Merz kritisiert Orban-Besuch bei Putin
Bundeskanzler Merz kritisierte die Reise Orbans. Er erinnerte an
verschärfte russische Luftangriffe nach dem Besuch des ungarischen
Ministerpräsidenten im Juli vergangenen Jahres. "Dieser Besuch
damals war nicht nur erfolglos. Wenige Tage nach diesem Besuch hat
es mit die heftigsten Angriffe der russischen Armee auch gegen
zivile Infrastruktur und zivile Ziele in der Ukraine gegeben", sagte
Merz, der in Berlin den slowenischen Ministerpräsidenten Robert
Golob traf. "Ich hoffe, dass diese Reaktion Russlands diesmal
ausbleibt. Aber er fährt ohne europäisches Mandat und er fährt ohne
eine Abstimmung mit uns."
Orbans hat mit dem Kremlchef auch während des russischen
Angriffskrieges gegen die Ukraine immer wieder direkte Gespräche
geführt, was in der EU stets Kritik auslöste.
EU befürchtet antiukrainischen Kurs Orbans
Die EU-Kommission unter der Führung von Präsidentin Ursula von der
Leyen wollte sich nicht zu Orbans Besuch bei Putin äußern.
Sprecherin Paula Pinho sagte lediglich, die Botschaft der
Europäischen Union an Moskau sei sehr klar: Man fordere Putin auf,
an den Verhandlungstisch zu kommen, und das sollte auch die
Botschaft von allen anderen sein.
Grundsätzlich werden die guten Beziehungen von Orban zu Putin in
Brüssel äußerst kritisch gesehen. So verzögerte Ungarn in der
Vergangenheit mehrfach EU-Russland-Sanktionen und blockierte
Unterstützungsprojekte für die Ukraine. In der aktuellen Situation
wird befürchtet, dass Orban US-Bestrebungen unterstützt, die Ukraine
zu weiterreichenden Zugeständnissen gegenüber Russland zu bewegen,
um den Krieg zu beenden.
Putin: Trotz Sanktionen gute Beziehungen zu Ungarn
Kremlchef Putin sagte, dass die Beziehungen zwischen Russland und
Ungarn trotz der Sanktionen und Schwierigkeiten gut seien. Der
Handel zwischen beiden Ländern lege nach einem Minus nun wieder zu.
Vor dem Abflug erinnerte Orban daran, dass ihm US-Präsident Trump
eine Ausnahme von den Sanktionen gegen russische Energieunternehmen
genehmigt hatte. "Das ist uns gelungen, was großartig ist. Jetzt
brauchen wir nur noch Gas und Öl, und die können wir von den Russen
kaufen. Deshalb reise ich dorthin, um sicherzustellen, dass Ungarns
Energieversorgung für den Winter und das kommende Jahr zu einem
erschwinglichen Preis gesichert ist", sagte Orban.
Nicht die erste Reise nach Moskau
Orban hatte Putin zuletzt im Juli 2024 im Kreml besucht - wenige
Tage nach seiner ersten Reise nach Kiew seit Beginn des russischen
Angriffskrieges gegen die Ukraine. Den Aufenthalt in Russland
inszenierte er damals als Friedensmission.
Er pflegt seit etwa zehn Jahren gute Kontakte zum Kremlchef. Ungarn
ist neben der Slowakei das einzige EU-Land, das noch Rohöl aus
Russland bezieht. Anders als die anderen EU-Länder, mit Ausnahme der
Slowakei, ist Ungarn in hohem Maße von russischen Erdgaslieferungen
abhängig./mau/DP/zb
AXC0197 2025-11-28/16:11
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Autor: - dpa-AFX
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