| ROUNDUP/Merz: Deutschland steht immer an der Seite Israels |
| 07.12.2025 12:38:00 |
Zum Auftakt seines ersten Israel-Besuchs als
Bundeskanzler hat Friedrich Merz die besondere Verantwortung
Deutschlands für das Existenzrecht des jüdischen Staats bekräftigt.
"Wir werden immer an der Seite dieses Landes stehen", sagte er bei
einem Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Izchak Herzog
in Jerusalem. "Ich weiß um die Verpflichtung, die jeder
Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland in diesem Land hat."
Es bleibe für ihn persönlich ein Wunder, dass nach den Verbrechen
des Holocaust die Freundschaft zwischen Deutschland und Israel bis
heute so aufgebaut und vertieft werden konnte. Die deutsche
Solidarität mit Israel gelte nun insbesondere auch "nach dem
schrecklichen Massaker" der Hamas am 7. Oktober 2023.
Kanzler spricht auch "Dilemmata" in den Beziehungen an
Merz betonte aber auch, dass er zu einer Zeit nach Israel komme, die
"komplizierter kaum sein könnte". Das Vorgehen der israelischen
Armee im Gaza-Krieg habe Deutschland "vor einige Dilemmata
gestellt". Auf die habe man reagiert, sagte er offenbar auch mit
Blick auf die vorübergehende Einschränkung von Rüstungsexporten nach
Israel, die inzwischen wieder zurückgenommen wurde.
Der Kanzler betonte aber, "dass wir bis heute im Grundsatz keinerlei
Differenzen haben." Israel habe das Recht, sich selbst zu
verteidigen, es sei die Hamas gewesen, die den Krieg begonnen habe.
Wenn sie ihre Waffen niederlege, sei der Krieg beendet. "Dann gibt
es eine Zukunft für die Region, gibt es eine Zukunft auch für Gaza."
Er bekräftigte das Ziel einer Zweistaatenlösung in Nahost. Damit ist
gemeint, dass Israel und ein unabhängiger Palästinenserstaat
friedlich Seite an Seite existieren.
Herzog spricht von "neuem Horizont" für Menschen in der Region
Israels Präsident Herzog drückte die Hoffnung aus, dass der
Gaza-Plan von US-Präsident Donald Trump einen neuen Horizont für die
Menschen in Gaza und Israel bedeute sowie für die arabischen
Nachbarstaaten. Deutschland könne dabei eine wichtige Rolle spielen.
Zur gerade erst erfolgten Stationierung des Raketenabwehrsystems
Arrow 3 in Deutschland sagte Herzog: "Dass Deutschland in Europa mit
einem israelischen Produkt verteidigt wird, ist einzigartig und sehr
bewegend und wichtig."
Deutsch-israelische Freundschaft "ein großer Schatz"
In das Gästebuch im Präsidentenamt in Jerusalem schrieb Merz: "Die
Freundschaft zwischen Deutschland und Israel ist ein großer Schatz."
Acht Jahrzehnte nach der Schoah bleibe es "unsere Verantwortung, das
Band zwischen unseren Ländern von Generation zu Generation neu zu
stärken". Merz schrieb weiter: "Aus tiefer Überzeugung bin ich
bereit, gemeinsam mit Ihnen meinen Teil zu dieser Verantwortung zu
leisten." Für die enge Verbundenheit mit Präsident Herzog sei er
"zutiefst dankbar".
Merz warnt vor Annexionen im Westjordanland
Merz war vor dem Besuch in Israel nach Jordanien gereist und hatte
dort auf Fortschritte im Nahost-Friedensprozess gedrängt. Er
richtete von dort aus auch mahnende Worte an Israel. Die Lage im
Westjordanland dürfe nicht aus dem Blick geraten, sagte er. "Wir
müssen den Weg zur palästinensischen Staatlichkeit offenhalten.
Deshalb darf es keine Annexionsschritte im Westjordanland geben."
Ultrarechte Mitglieder der Regierung von Ministerpräsident Benjamin
Netanjahu machen sich seit langem für eine Annexion des
Westjordanlands stark. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als
Teil eines künftigen unabhängigen Staates.
Treffen mit Netanjahu und befreiten Geiseln der Hamas
Am Sonntag trifft Merz Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Zuvor
wird er die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen und der sechs
Millionen während der Nazi-Diktatur ermordeten Juden gedenken - ein
Programmpunkt, der zu jedem Antrittsbesuch eines deutschen Kanzlers
oder einer Kanzlerin in Israel gehört. Außerdem trifft er sich mit
freigelassenen Geiseln der Hamas und Hinterbliebenen von Geiseln,
die in Gefangenschaft getötet wurden oder umgekommen sind.
Rüstungskooperation dürfte Thema sein
Beim Gespräch mit Netanjahu dürften neben dem Nahost-Friedensprozess
auch die zuletzt turbulenten deutsch-israelischen Beziehungen eine
größere Rolle in den Gesprächen in Jerusalem spielen. Das
Teil-Embargo für die deutschen Rüstungsexporte hatte die
deutsch-israelischen Beziehungen zuletzt schwer belastet. Am 8.
August hatte Merz angeordnet, dass vorerst keine Ausfuhren von
Rüstungsgütern nach Israel mehr genehmigt werden, die im Gaza-Krieg
verwendet werden können.
Nun hofft Israel wieder auf verstärkte Rüstungslieferungen aus
Deutschland - unter anderem auf Getriebe für seine Merkava-Panzer.
Andererseits profitiert Deutschland von israelischen Rüstungsgütern
wie Arrow 3.
Netanjahu unsdad der internationale Haftbefehl
Die vielleicht schwierigste Frage für Merz wird sein, ob Netanjahu
trotz eines internationalen Haftbefehls in Deutschland willkommen
wäre. Noch kurz nach seinem Amtsantritt hatte der Kanzler seine
grundsätzliche Bereitschaft erklärt, ihm einen Besuch zu
ermöglichen. "Grundsätzlich muss ein israelischer Premierminister
nach Deutschland reisen können", sagte er Mitte Mai. "Er ist ein
demokratisch gewählter Ministerpräsident der einzigen Demokratie der
gesamten Region. Dieser Ministerpräsident muss grundsätzlich nach
Deutschland reisen können. Wie wir das ermöglichen, wenn es denn
geplant werden sollte, darüber werden wir Sie dann rechtzeitig
informieren."/mfi/DP/mis
AXC0054 2025-12-07/12:38
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Autor: - dpa-AFX
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