| ROUNUP 2: Preisrutsch am Kühlregal - Butter unter einem Euro |
| 07.12.2025 16:44:00 |
(mit mehr Details)
BERLIN (dpa-AFX) - Butter wird noch einmal deutlich billiger. Ein
250-Gramm-Stück Deutscher Markenbutter der Eigenmarken ist nun für
99 Cent zu haben, wie aus Ankündigungen von Supermärkten und
Discountern hervorgeht. Der Butterpreis hat sich damit innerhalb
eines Jahres mehr als halbiert. Auch andere Butterprodukte werden
nach Angaben der Händler billiger. Doch was Supermarktkunden freut,
löst bei Milchbauern Sorge aus.
Hintergrund des Preisrutsches: Milch ist auf dem Weltmarkt günstiger
geworden. Laut Daten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI)
sind die Preise Anfang Dezember weiter gesunken, da das Angebot
weltweit wächst. Auch bei deutschen Molkereien wurde im zweiten
Halbjahr demnach mehr Milch angeliefert als im Vorjahreszeitraum.
Butter bringt Kundschaft in die Läden
Lidl teilte mit, dass der Discounter sinkende Rohstoffpreise als
Preisvorteil an die Kunden weitergeben werde. Edeka, Netto, Rewe,
Penny sowie Aldi Süd und Aldi Nord kündigten ebenfalls entsprechende
Preissenkungen an.
Als sogenanntes Eckprodukt nutzen Händler Butter auch, um Kundschaft
in die Läden zu locken. Denn im Einkaufswagen landet dann nicht nur
Butter, sondern auch vieles anderes. Bei Aktionen arbeiten Händler
mit Mischkalkulationen: Einige Produkte bieten sie besonders günstig
an, andere Waren mit höheren Margen gleichen dies aus.
Bauern fürchten um Existenz
Für die Milchbauern bringt der Butter-Preisrutsch aus Sicht von Lidl
keine Nachteile, weil diese bei niedrigen Preisen mehr verkaufen
würden. Bauernvertreter warnen aber seit einiger Zeit vor einer
Senkung der Erzeugerpreise. Von "gefährlichem Preisdumping" im Kampf
um die Kunden sprach kürzlich der Deutsche Bauernverband.
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter schlug einen
Lieferverzicht gegen Ausgleichszahlung für die Bauern vor.
Molkereien hätten daran aber kein Interesse und nähmen so in Kauf,
dass die Erzeugerpreise deutlich einbrechen. "Letztlich setzt man
dabei auf eine Marktbereinigung durch Betriebsaufgaben und eine
Schwächung des ländlichen Raums."
Dass gerade so viel Milch in die Molkereien kommt, hat mehrere
Gründe. Wegen der Blauzungenkrankheit haben sich Kalbungen bei Kühen
verschoben - und damit verbunden die Milchproduktion. Wie die
Experten der AMI außerdem erläutern, gibt es in diesem Jahr viel und
gutes Futter für die Tiere. Zuletzt gute Preise und weniger
Schlachtungen von Kühen tragen zusätzlich dazu bei, dass mehr Milch
fließt.
Einkaufen ist deutlich teurer geworden
Kunden im Supermarkt dürfte es freuen, dass Butter so günstig ist
wie lange nicht. Denn insgesamt mussten sie für ihren
Lebensmitteleinkauf in den vergangenen Jahren immer tiefer in die
Taschen greifen. Laut Statistischem Bundesamt kosteten
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Oktober in Deutschland
37 Prozent mehr als 2020.
Doch die Bauern hatten davon wenig, eher Lebensmittelhändler und
-hersteller, wie kürzlich ein Gutachten der Monopolkommission
kritisierte, ein Beratungsgremium der Bundesregierung. Rund 85
Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels werden von Edeka,
Rewe, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi kontrolliert, für
die Gutachter eine besorgniserregende Marktkonzentration.
Sorge über Macht des Handels
Nach dem Gutachten sind etwa die Preise für Milcherzeugnisse im
Supermarkt in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als
die Erzeugerpreise. Handelsverbände wiesen die Kritik zurück, dass
sie Kostensenkungen nicht an Kunden weitergegeben hätten. Sie
verwiesen auf gestiegene Kosten für Energie, Personal und
Wareneinkauf. Mit der jetzigen Butter-Preissenkung hob Lidl hervor,
zugunsten der Bauern bewusst auf Marge zu verzichten.
Bei Butter gab es in den vergangenen Jahren große Preisschwankungen.
Im Sommer 2023 zahlten Kunden für das billigste Päckchen
Eigenmarken-Butter in den meisten Geschäften zwischenzeitlich 1,39
Euro. Im Oktober 2024 war der Preis auf den Rekordpreis von 2,39
Euro gestiegen. Seit Februar sinken die Preise wieder./bf/cr/DP/mis
AXC0067 2025-12-07/16:44
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Autor: - dpa-AFX
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