| ROUNDUP 2: Ukraine bestreitet Attacke - Moskau droht mit harter Reaktion |
| 30.12.2025 15:17:00 |
(neu: Details)
MOSKAU/KIEW (dpa-AFX) - Der Kreml verbreitet mit Hochdruck die
Geschichte von einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Residenz
von Staatschef Wladimir Putin und droht mit einer härteren Haltung
in Friedensgesprächen. Auf Gehör stießen die Moskauer Vorwürfe vor
allem bei US-Präsident Donald Trump. "Das ist nicht gut", sagte
Trump. Er bestätigte, dass Putin ihn am Telefon informiert habe. Der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wies die Anschuldigungen
zurück. Moskau suche einen Vorwand, um den Krieg fortzusetzen und
erneut Regierungsgebäude in Kiew anzugreifen.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schrieb im Netzwerk X,
Russland habe seit Montag keine Belege für den angeblichen Angriff
vorgelegt. "Denn es gibt sie nicht. Es gab keinen solchen Angriff",
erklärte der Minister. Er kritisierte, dass Staaten wie Indien,
Pakistan oder die Vereinigten Arabischen Emirate sich wegen der
angeblichen Attacke besorgt gezeigt hätten. Putin ließ sich nach
Kreml-Angaben auch von seinen Kollegen aus Kasachstan, Usbekistan
und Turkmenistan Solidarität zusichern.
Kreml spricht von Terror der Ukraine
Kremlsprecher Dmitri Peskow trieb am Dienstag die Vorwürfe weiter
voran und sprach von Terror. "Das ist ein terroristischer Akt, der
auf einen Abbruch des Gesprächsprozesses zielt", sagte er der
staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Der Angriff richte sich
nicht nur gegen Putin, sondern auch gegen Trumps Friedensbemühungen.
Der Kreml macht sich bei seiner Argumentation zunutze, dass die
Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg
täglich Ziele in dem Land angreift. Es gibt schwere Schäden, Tote
und Verletzte. Auch bei Bombenattentaten des ukrainischen
Geheimdienstes in Russland wurden schon Generäle und Propagandisten
getötet. Zudem lässt sich Selenskyj gern vor einem Gemälde in seinem
Amtssitz fotografieren, das einen Kreml in Flammen zeigt.
Wie zuvor Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow drohte auch
Peskow damit, dass Russland nun eine härtere Haltung bei den
laufenden Gesprächen über ein Kriegsende einnehmen werde. Es sei
aber nicht zielführend, Details dazu zu nennen. Der Kremlsprecher
verneinte, dass Moskau ganz aus dem Prozess aussteigen wolle.
"Russland wird natürlich den Gesprächsprozess fortsetzen und den
Dialog, vor allem mit den Amerikanern", sagte er.
Hinweise auf Abwehr eines Drohnenangriffs fehlen
Der angebliche Angriff hatte nach russischen Angaben eine Residenz
Putins im Waldai zum Ziel. Das ist eine waldige Hügelkette zwischen
Moskau und St. Petersburg im Verwaltungsgebiet Nowgorod. Der
russische Staatschef hat in seinem Riesenreich mehrere Residenzen,
aber speziell im Waldai soll er sich nach inoffiziellen Berichten
mit seiner Familie treffen. Nach Medienrecherchen ist die Flugabwehr
um das große Anwesen im Sommer verstärkt worden.
Aus bisherigen Mitteilungen des russischen Militärs ließ sich der
Angriff nicht genau herauslesen. Das Verteidigungsministerium in
Moskau sprach am Montagmorgen erst von 89 ukrainischen Drohnen, die
über verschiedenen Regionen abgefangen worden seien - davon 18 über
dem Gebiet Nowgorod. Später wurde der Abschuss von 23 weiteren
Drohnen über dem Gebiet ergänzt.
Die russische Internetplattform "Sota" verwies darauf, dass nach
Angaben von Bewohnern der Region kein Flugabwehrfeuer zu hören
gewesen sei. Nach Angaben des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW)
fehlten auch die sonst bei Drohnenangriffen üblichen
Internet-Berichte über Trümmer oder Brände am Boden. "Die Umstände
dieses angeblichen Angriffs entsprechen nicht dem beobachteten
Muster von Beweisen, wenn ukrainische Streitkräfte Angriffe auf
Russland durchführen", hieß es dort.
Eine Drohung in Selenskyjs Weihnachtsansprache?
Als Beleg dafür, dass Selenskyj Putin nach dem Leben trachte,
zitierten Peskow und andere russische Vertreter die
Weihnachtsansprache des Ukrainers. Selenskyj hatte zu Heiligabend
gesagt, wenn jeder Ukrainer einen Wunsch habe, wäre das wohl, "dass
er stirbt". Er nannte keinen Namen, doch ließ sich dies auf Putin
beziehen. Selenskyj fuhr fort: "Aber wenn wir uns an Gott wenden,
bitten wir natürlich um mehr. Wir bitten um Frieden für die
Ukraine."
Der frühere russische Staatschef Dmitri Medwedew stieß deshalb
Todesdrohungen gegen Selenskyj aus. Dieser werde sich zeitlebens
verstecken müssen, schrieb er auf Englisch auf X. Für ein heimisches
Publikum schrieb Medwedew auf Russisch, dass Selenskyj nicht nur
Putin, sondern alle Russen töten wolle. Auf Telegram prophezeite er
dem Ukrainer einen baldigen gewaltsamen Tod.
Putin ruft zweimal bei Trump an
Die Moskauer Informationskampagne folgt auf ein Treffen Trumps mit
Selenskyj in Florida vom Sonntagabend. Unterhändler der USA und der
Ukraine haben in den vergangenen Wochen intensiv an einem Plan
gearbeitet, wie der Krieg beendet werden könnte und welche
Sicherheitsgarantien die Ukraine künftig erhält. Russland wurde nur
über den jeweiligen Stand informiert.
Putin brachte sich wieder ins Spiel, indem er am Sonntag kurz vor
dem Treffen in Florida beim US-Präsidenten anrief. Trump überraschte
dann Selenskyj mit Aussagen wie der, dass der Kremlchef eigentlich
einen Erfolg der Ukraine wolle. Alle Seiten sprachen nach dem Gipfel
zwar von Fortschritten, tatsächlich blieben aber konkrete Ergebnisse
aus. Am Montag telefonierte Putin erneut mit Trump, Hauptthema war
dann schon der angebliche Drohnenangriff.
In dem seit fast vier Jahren dauernden russischen Angriffskrieg
haben beide Seiten Luftangriffe auf das gegnerische Staatsoberhaupt
bislang vermieden. Russische Spezialkräfte machten in den ersten
Kriegstagen 2022 Jagd auf Selenskyj. Danach sind nach Angaben
ukrainischer Sicherheitsdienste mehrere russische Attentatspläne
vereitelt worden. Im September dieses Jahres schlug eine russische
Rakete im Gebäude des Ministerrates in Kiew ein.
Europäer und Kanadier beraten
Europäer und Kanadier stimmten sich am Dienstag erneut über weitere
Bemühungen um einen Frieden in der Ukraine ab. Das schrieben
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und EU-Kommissionspräsidentin
Ursula von der Leyen (CDU) auf der Plattform X. "Wir treiben den
Friedensprozess voran. Transparenz und Ehrlichkeit sind nun von
allen gefordert, einschließlich Russland", schrieb Merz auf
Englisch./fko/DP/nas
AXC0112 2025-12-30/15:17
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Autor: - dpa-AFX
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