| Niedersachsens Wirtschaftsminister: 'Industriestrompreis ist kein Nice-to-have' |
| 31.12.2025 15:10:00 |
Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant
Hendrik Tonne dringt auf eine schnelle und wirksame Umsetzung des
geplanten Industriestrompreises. "Dass wir jetzt überhaupt konkret
über wettbewerbsfähige Energiepreise sprechen, ist richtig. Aber das
Modell muss am Ende auch wirken", sagte der SPD-Politiker der
Deutschen Presse-Agentur.
Zum 1. Januar 2026 will der Bund einen staatlich subventionierten,
niedrigeren Industriestrompreis einführen, der bis 2028 gelten soll.
Vorgesehen ist er für stromintensive Unternehmen, die im
internationalen Wettbewerb stehen - etwa in der Stahl- und
Chemieindustrie. Einem ersten Entwurf zufolge wird die Maßnahme den
Bund mehr als drei Milliarden Euro kosten.
Zu kurze Laufzeit, zu viele Vorgaben
Aus Tonnes Sicht gehen die Pläne des Bundes nicht weit genug. Er
fordert vor allem mehr Planungssicherheit für Unternehmen. "Wir
reden gerade beim Industriestrompreis über drei Jahre. Das reicht
nicht", sagte der Minister. Industrieunternehmen in Deutschland und
Europa bräuchten verlässliche Perspektiven für Investitionen. Wie
lange die Unterstützung nötig sei, entscheide letztlich die weitere
Entwicklung am Markt.
Zugleich sprach sich Tonne gegen zusätzliche Auflagen aus. "Es wird
versucht, den Industriestrompreis erneut mit starren Auflagen zu
versehen", sagte er. So sollten erhebliche Summen etwa in
Klimaneutralität investiert werden. "Viele Unternehmen in
Niedersachsen tun das aber schon und fragen sich, ob sich die
Inanspruchnahme dann überhaupt noch lohnt."
"Verlieren jeden Monat Industriearbeitsplätze"
Tonne nannte ein konkretes Ziel: "Wir brauchen Energiepreise von
fünf bis sechs Cent pro Kilowattstunde. Irgendwo in diesem Bereich
müssen wir am Ende landen, sonst sind wir nicht wettbewerbsfähig",
sagte Tonne. "Der Industriestrompreis ist kein Nice-to-have, sondern
für die Industrie in Niedersachsen existenziell."
Der Zeitdruck sei hoch. "Wir müssen eher über Wochen als über Monate
reden. Wir verlieren jeden Monat Industriearbeitsplätze." Er zweifle
daran, dass diese Dringlichkeit überall angekommen sei, setze aber
auf Einsicht bei allen Beteiligten.
Mehr Tempo beim Wasserstoff gefordert
Auch beim Thema Wasserstoff sieht Tonne Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche (CDU) in der Pflicht. "Es ist kein Geheimnis, dass
wir die Erwartungshaltung haben, dass das Thema Wasserstoff mehr
Aufmerksamkeit vom Bund bekommt als bisher", sagte der Minister. Für
die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie spiele dies eine zentrale
Rolle.
Niedersachsen habe entlang der gesamten Wertschöpfungskette sehr
gute Voraussetzungen - vom Import über die Herstellung bis zur
Nutzung. Entscheidend seien jedoch verlässliche Rahmenbedingungen.
Diese müssten vom Bund geschaffen werden.
"Wir haben zig Unternehmen und auch Investoren, die sagen, dass sie
bereit sind, aber Verlässlichkeit erwarten", sagte Tonne. Nun liege
es am Bundeswirtschaftsministerium, das Thema entschlossen
voranzubringen. "Wir verlieren gerade wertvolle Zeit, die wir
eigentlich brauchen, um unsere Wirtschaft gut aufstellen zu
können."/kge/DP/he
AXC0028 2025-12-31/15:10
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Autor: - dpa-AFX
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