| Entscheidung über Luftkampfsystem FCAS erneut vertagt |
| 31.12.2025 15:35:00 |
Deutschland und Frankreich haben die Entscheidung
über das zusammen mit Spanien geplante Luftkampfsystem FCAS erneut
vertagt - diesmal auf einen unbestimmten Zeitpunkt. "Entgegen der
ursprünglichen Planung ist eine abschließende Entscheidung zum
Fortgang des FCAS-Projekts zum Jahresende noch nicht gefallen",
teilte ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur auf
Anfrage mit.
Grund dafür sei "die umfassende deutsch-französische Agenda in
außen- und sicherheitspolitischen Fragen, die eine Befassung mit dem
Thema gemeinsames Kampfflugzeug auf der Ebene des Präsidenten und
des Bundeskanzlers noch nicht möglich gemacht hat", hieß es weiter.
Wie es nun mit dem Projekt weitergeht, ist noch völlig offen. "Ein
neues Datum für eine Entscheidung können wir zu diesem Zeitpunkt
nicht nennen", schrieb der Regierungssprecher.
Gesamtkosten im dreistelligen Milliardenbereich
FCAS steht für "Future Combat Air System" und wäre bei einer
Realisierung das größte und teuerste europäische Rüstungsprojekt.
Die Gesamtkosten werden auf einen dreistelligen Milliardenbetrag
geschätzt. Das Luftkampfsystem soll im Verbund mit unbewaffneten und
bewaffneten Drohnen fliegen und ist insofern mehr als ein
Kampfflugzeug. Der Plan ist, dass es den von der Bundeswehr
genutzten Eurofighter und auch die französische Rafale ab 2040
ablöst.
Ursprünglich war Ende August geplant
Die Entscheidung über die Realisierung sollte ursprünglich bis zum
deutsch-französischen Ministerrat Ende August in Toulon fallen.
Daraus wurde nichts. Kurz vor dem Treffen beider Kabinette
verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Verschiebung der
Entscheidung und setzte mit dem Jahresende eine neue Zielmarke.
Beide Seiten zeigten sich fest entschlossen, die Zeitvorgabe diesmal
einzuhalten, um Planungssicherheit zu bekommen.
"Wir halten an dem Plan fest, bis zum Ende des Jahres eine
Entscheidung zu treffen", sagte Verteidigungsminister Boris
Pistorius (SPD) noch im November. "Ganz egal, wie die aussieht, es
wird bis zum Ende des Jahres eine Entscheidung geben."
Differenzen über Beteiligung der Unternehmen
Daraus wurde jetzt wieder nichts. Die Verhandlungen ziehen sich vor
allem wegen tiefgreifender Differenzen über die jeweilige
Beteiligung der Unternehmen Dassault (Frankreich), Airbus
Deutschland und Indra (Spanien) in die Länge. Dassault will 80
Prozent des Projekts an sich ziehen. Von deutscher Seite wurde
dagegen schon im Sommer die Erwartung geäußert, dass sich Dassault
"an die bestehenden Vereinbarungen" hält, nach der die Unternehmen
gleichermaßen beteiligt werden sollen.
Zwei Kampfjets als Kompromiss?
Als Kompromiss wird in Fachkreisen inzwischen eine Lösung mit zwei
Kampfjets diskutiert, die dann wie bisher die Rafale und der
Eurofighter von Dassault und Airbus produziert würden. Dann würde
sich das Gemeinschaftsprojekt im Wesentlichen auf die sogenannte
"Combat Cloud", ein Datennetzwerk für militärische Ressourcen, und
die begleitenden Drohnen beschränken. Es würde aber zusätzliche
Kosten verursachen und Probleme beim Export des Systems wegen der
Konkurrenz zwischen den beiden Kampfjets bedeuten.
Spekuliert wird auch über ein mögliches Umschwenken Deutschlands auf
ein Konkurrenzprojekt, das Global Combat Air Programme (GCAP) der
Briten, Italiener und Japaner. Eines Scheitern von FCAS hätte aber
nicht nur für die deutsch-französische Rüstungskooperation
erhebliche Folgen, sondern für die Beziehungen beider Länder
insgesamt. Wann es die nächsten Schritte zu einer Klärung gibt, ist
unklar./mfi/DP/he
AXC0053 2025-12-31/15:35
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Autor: - dpa-AFX
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