| ROUNDUP: CSU setzt auf Rückkehr der Atomkraft in Deutschland |
| 01.01.2026 17:35:00 |
Zur Sicherstellung der Energieversorgung
setzt die CSU im Bundestag trotz Atomausstiegs auf eine Rückkehr der
Kernenergie in Deutschland und den Bau von Mini-Kernkraftwerken.
Konkret fordern die Christsozialen die Erforschung und den Aufbau
einer Kreislaufwirtschaft für die Kernenergie. "Wir wollen den
Turnaround bei der Kernforschung schaffen. Unser Land kann es sich
nicht leisten, neue Technologien zu verschlafen", heißt es im
Entwurf eines Positionspapiers, das bei der Klausur der
CSU-Abgeordneten im oberbayerischen Kloster Seeon beschlossen werden
soll.
Klausur ab 6. Januar - zu Gästen zählt auch Kanzler Merz
Die Winterklausurtagung findet vom 6. bis 8. Januar statt - erstmals
unter der Leitung von Landesgruppenchef Alexander Hoffmann. Als
Gäste erwartet werden unter anderem der litauische Präsident Gitanas
Nauseda und Kanzler Friedrich Merz (CDU). Wie jedes Jahr kommt auch
CSU-Chef Markus Söder.
SPD spricht von Realitätsverleugnung
Kritik an dem Vorstoß kommt aus Reihen des Berliner
Koalitionspartners SPD. "Atomenergie ist die teuerste Form der
Energiegewinnung und wird dies angesichts der bereits heute
unschlagbar günstigen erneuerbaren Energien auch bleiben", sagte die
SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer. Pläne für einen Wiedereinstieg
seien Realitätsverleugnung. Entsprechende Konzepte ließen
"denklogisch nur auf militärische Absichten schließen": "Wer ein
solches - militärisches - Ziel verfolgt, sollte dies auch offen
sagen und die Bevölkerung nicht mit einer vermeintlich
energiepolitischen Einordnung in die Irre führen."
Hoffmann: "Wollen nicht zurück zur Kernkraft der 70er Jahre"
CSU-Landesgruppenchef Hoffmann sagte Hoffmann der Deutschen
Presse-Agentur in München: "Wir wollen nicht zurück zur Kernkraft
der 70er Jahre, sondern nach vorn zur Kernkraft der nächsten
Generation: klimaneutral, sicher und möglichst ohne radioaktive
Abfälle."
Deutschland sei jahrzehntelang führend in der Kernforschung gewesen
und drohe nun abgehängt zu werden. "Wo, wenn nicht bei uns, kann
eine echte Kreislaufwirtschaft für die Kernenergie entwickelt werden
- mit dem Ziel der vollständigen Wiederaufbereitung, um am Ende ganz
ohne Atommüll auszukommen", betonte Hoffmann. "Das gelingt aber nur
mit starker Forschung und echter Anwendung hier bei uns in
Deutschland."
Deutschland soll Vorreiter bei Atomforschung werden
Ziel der neuen deutschen Atomforschung müsse es sein, "vom
Nachzügler wieder zum Vorreiter" zu werden, heißt es im Papier. Die
Kernenergie müsse bei der deutschen Stromversorgung wieder eine
größere Rolle einnehmen - gerade auch mit Blick auf die Klimaziele
und die Versorgungssicherheit. Atomstrom ist klimafreundlich,
günstig und grundlastfähig.
Weiter: "Wir setzen auf Forschung zu Kernenergie der vierten und
fünften Generation und auf den Bau von kleineren Atomreaktoren
(Small Modular Reactors)." Die Energiepreise sollten langfristig
durch günstige Erzeugung in Deutschland und nicht durch teure
Importe oder Subventionen gesenkt werden. "Daher wollen wir diese
kleineren Atomreaktoren für kostengünstige Energiegewinnung für
Deutschland einführen."
Auch Parteichef Söder forderte schon oft Wiederbelebung der
Kernkraft
Derartige Forderungen nach einer Renaissance der Kernkraft sind aus
der CSU nicht generell neu - Parteichef Söder hatte sich bereits
mehrfach für Mini-Atommeiler nach kanadischem Vorbild ausgesprochen.
Eine Anfrage der Grünen ergab aber, dass es dort mit dem "McMaster
Nuclear Reactor" (MNR) an der McMasterUniversity keinen modernen
Meiler, dafür aber einen 66 Jahre alten Forschungsreaktor gibt. Bei
den Koalitionsverhandlungen mit SPD und CDU hatte sich die CSU nicht
mit ihren Atom-Plänen durchsetzen können.
Selbst die früheren Betreiber der Atommeiler erklären seit langem,
dass Atomstrom die teuerste Form der Stromerzeugung mit bis zu 49
Cent pro Kilowattstunde ist. Der 2023 umgesetzte Atomausstieg in
Deutschland basiert auf einem Beschluss des Bundestages, dem auch
die CSU 2011 zugestimmt hatte. Die Frage zur Nutzung der Kernenergie
ist in Deutschland dennoch weiterhin hochumstritten und wird
kontrovers diskutiert.
Papier fordert Senkung der Stromsteuer, mehr Gas und Bioenergie
Das Positionspapier der CSU setzt zudem auf die Senkung der
Stromsteuer für alle Verbraucher - also auch Privatpersonen. Zudem
wird dort wiederholt die vollständige Abschaffung des Heizgesetzes
samt der Förderung von emissionsarmen Wärmelösungen inklusive des
Heizens mit Holz genannt, ebenso der Ruf nach dem Bau eines
Fusionsreaktors in Deutschland und dem schnellen Bau neuer
Gaskraftwerke. Deutschland müsse "Selbstversorger" bei Gas werden.
Des Weiteren setzt der CSU-Energiemix auf eine verstärkte Nutzung
von Bioenergie und perspektivisch auch von Wasserstoff./had/DP/zb
AXC0055 2026-01-01/17:35
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Autor: - dpa-AFX
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