| ROUNDUP 3: Mehrere Tote bei neuer Protestwelle im Iran |
| 01.01.2026 20:35:00 |
(Neu: Weitere Details)
TEHERAN (dpa-AFX) - Den fünften Tag in Folge sind Menschenmassen im
Iran angesichts der schweren Wirtschaftskrise gegen die autoritäre
Staatsführung auf die Straße gegangen. Während Augenzeugen zufolge
in den Metropolen Sicherheitskräfte mit einem massiven Aufgebot
einrückten, ging der Staat vor allem auf dem Land mit Härte gegen
Demonstrationen vor. Mindestens sieben Menschen kamen bei den
Protesten ums Leben. Präsident Massud Peseschkian suchte bei einem
Provinzbesuch unterdessen den Dialog.
Vor allem in den ländlichen Regionen kam es seit Mittwochabend zu
schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und
Sicherheitskräften. Mindestens zwei Demonstranten wurden in Lordegan
im zentralen Süden getötet, wie die Menschenrechtsgruppe Hengaw
berichtete. Auch die staatsnahe Nachrichtenagentur Fars meldete zwei
Tote bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Protestteilnehmern und
Sicherheitskräften in der Stadt. Bei einem mutmaßlichen Angriff auf
eine Polizeiwache in der Provinz Lorestan seien drei Menschen
getötet und 17 verletzt worden. Ein Mann sei außerdem in der Provinz
Isfahan erschossen worden, berichteten Aktivisten.
Menschenrechtler widersprechen Bericht in Staatsmedien
In Kuhdascht in der westlichen Provinz Lorestan sei ein 21-jähriges
Mitglied der paramilitärischen Basidsch-Einheiten ums Leben
gekommen, berichtete der staatliche Rundfunk. Der Justizchef der
Provinz kündigte an, die Verantwortlichen mit einer Politik der
"Null-Toleranz" zur Rechenschaft zu ziehen. Die Menschenrechtsgruppe
Hengaw wies diese staatliche Darstellung zurück. Bei dem jungen Mann
handle es sich keineswegs um ein Mitglied der Basidsch, sondern um
einen gewöhnlichen Bürger, der durch Schüsse von Sicherheitskräften
getötet worden sei.
Er sei aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss getötet worden,
berichteten die Aktivisten unter Berufung auf informierte Kreise.
Die Informationen rund um den Tod des 21-Jährigen ließen sich
zunächst nicht unabhängig verifizieren.
Weitere schwere Ausschreitungen gab es nach Angaben von Aktivisten
in den Provinzen Fars, Tschahar Mahal und Bachtiari sowie in
Kermanschah. In der Stadt Marwdascht strömten Menschenmengen auf die
Straßen, begleitet von Hupkonzerten, während paramilitärische
Einheiten mit gepanzerten Fahrzeugen und Motorradkolonnen gegen die
Demonstrierenden vorgingen. Wie viele Menschen sich in dem Land mit
gut 90 Millionen Einwohnern bislang an den Protesten beteiligen, ist
unklar.
Wirtschaftskrise Auslöser der aktuellen Proteste
Ausgelöst wurden die aktuellen Kundgebungen durch einen plötzlichen
Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan gingen vor
allem Händler in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Inzwischen
erfassen die Proteste auch andere Landesteile und
Bevölkerungsschichten. Studierendenverbände, die bereits frühere
Protestwellen mitgetragen hatten, riefen zu Demonstrationen auf. Die
Unzufriedenheit im Land wächst seit Jahren, befeuert durch fehlende
Perspektiven, wirtschaftliche Not, Klimakrise und politische
Repression.
Präsident sucht den Dialog und räumt Fehler ein
Präsident Peseschkian warnte am Donnerstag bei einem Besuch in der
Provinz Tschahar Mahal und Bachtiari vor politischer Spaltung und
räumte Fehler seiner Regierung ein. Neben Wirtschaftsreformen
kündigte er an, Subventionen für Importeure zu streichen, die
bislang von einem staatlich geförderten Wechselkurs profitiert
hatten. Er betonte, der Gegenwert solle direkt an die Endverbraucher
weitergegeben werden.
Mit ungewöhnlicher Offenheit erklärte der moderat-konservative
Politiker, Staat und Banken trügen die Schuld an der hohen
Inflation. Sie hätten die "Taschen der benachteiligten Menschen"
geleert und deren Kaufkraft geschwächt. "Unser Platz in der Hölle
ist, wenn wir die Probleme der Lebensgrundlage der Menschen nicht
lösen", sagte der Präsident iranischen Medien zufolge./arb/DP/zb
AXC0067 2026-01-01/20:35
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Autor: - dpa-AFX
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