| DIHK: Deutschland darf nicht 'Besserwisser' bei Klimapolitik spielen |
| 02.01.2026 05:48:00 |
DIHK-Präsident Peter Adrian fordert einen
Kurswechsel in der Klima- und Energiepolitik. "Ich glaube, dass wir
mittlerweile erkannt haben, wie der eingeschlagene Weg ohne
Korrektur wichtige Teile der Industrie ruiniert", sagte Adrian der
Deutschen Presse-Agentur.
Es drohe eine Deindustrialisierung - mit absurden Folgen: "Dann
kaufen wir uns die Produkte, die wir heute bei uns schon sehr
effizient und klimafreundlich herstellen können aus Ländern ein, in
denen sie mit weniger Effizienz und mehr CO2 hergestellt werden."
Es sei ein anderer Ansatz in der Klima- und Energiepolitik nötig,
sagte der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer
(DIHK). "Deutschland darf hier nicht weiter den Besserwisser für die
ganze Welt spielen. Wir müssen es schlichtweg besser machen, indem
wir andere Länder einbinden."
Die DIHK kritisiere nicht das Ziel der Klimaneutralität. "Sondern
was wir kritisieren, ist der Weg dorthin und die damit verbundenen
hohen Kosten der Transformation, insbesondere im Bereich der
Energieversorgung."
Die DIHK hatte eine Studie in Auftrag gegeben mit dem Ergebnis, dass
die Energiewende mit dem bisherigen Kurs viel zu teuer und für die
Unternehmen nicht zu stemmen sei. Kostentreiber seien etwa hohe
Investitionen in den Ausbau der Stromnetze, in die Transformation
industrieller Prozesse sowie neue Kraftwerke. Dazu kämen im
internationalen Vergleich hohe Energiekosten. Adrian sprach von
einem enormen Handlungsbedarf.
"Indien will 2070 klimaneutral werden, China 2060, die EU insgesamt
2050, Deutschland 2045. Wir sind in Deutschland global für etwa 1,5
Prozent der Emissionen verantwortlich", sagte Adrian. "Wir wollen
weltweit erreichen, dass wir klimaneutral werden, dass wir das
Pariser Klimaschutzabkommen global einigermaßen einhalten können.
Das wird aber nur funktionieren, wenn wir eine abgestimmte
Vorgehensweise mit den großen, wichtigen Wirtschaftsnationen
hinbekommen."
Deutschland habe, bezogen auf das Referenzjahr 1990, bisher 48
Prozent CO2-Einsparungen erreicht. Viele andere Industrieländer
hätten die Emissionen dagegen gesteigert. "Das Klimaziel werden wir
nur erreichen, wenn wir einen Prozess der internationalen Abstimmung
hinbekommen."
"Die EU-Kommission hat jetzt gesagt, zur Erreichung der Klimaziele
seien kompensatorische Maßnahmen international bis zu 5 Prozent
zulässig", sagte der DIHK-Präsident. "Das ist ein guter erster
Ansatz."
Adrian nannte ein Beispiel. "Aufforstungen im brasilianischen
Regenwald wären ein großer Beitrag für eine CO2-Kompensation." Aus
der Perspektive des globalen Klimaschutzes komme es weniger darauf
an, was man in Deutschland allein tue. "Für das Ergebnis wichtiger
wäre es, wenn wir weltweit erfolgreicher sind. Wir brauchen dafür
mehr Pragmatismus."/hoe/DP/zb
AXC0020 2026-01-02/05:48
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Autor: - dpa-AFX
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