| ROUNDUP 2: Proteste den sechsten Tag in Folge - Trump droht dem Iran |
| 02.01.2026 12:48:00 |
US-Präsident Donald Trump hat sich in die seit
mehreren Tagen laufenden Proteste im Iran eingeschaltet und mit
einem Eingreifen gedroht. Wenn der Iran friedliche Demonstranten
töte, "werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihnen zu Hilfe
kommen", schrieb der Republikaner auf seiner Online-Plattform Truth
Social. Was er konkret vorhat, ließ der US-Präsident offen.
Eine harsche Reaktion aus dem Iran folgte prompt. "Trump sollte
wissen, dass eine Einmischung der USA in diese innere Angelegenheit
die gesamte Region destabilisieren würde", schrieb Ali Laridschani,
Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, auf der Plattform X.
Ali Schamchani, ein ranghoher Berater der Staatsführung, warnte
ebenfalls auf X mit drastischen Worten: Jede eingreifende Hand, die
sich unter dem Vorwand der Sicherheit nähere, werde abgeschnitten.
Den sechsten Tag in Folge gehen im Iran wieder Menschen auf die
Straße. Es ist die größte Protestwelle seit den landesweiten
Aufständen unter dem Motto "Frau, Leben, Freiheit" vor rund drei
Jahren. Noch ist offen, wie sich die Proteste weiter entwickeln und
wie viele Menschen sich den Demonstrationen in dem Land mit knapp 90
Millionen Einwohnern anschließen.
Mehrere Tote bei Ausschreitungen in den Provinzen
Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste durch einen plötzlichen
Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan zogen vor
allem Händler in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Inzwischen
erfassen die Demonstrationen auch andere Landesteile und
Bevölkerungsschichten. Die Unzufriedenheit im Land wächst seit
Jahren, befeuert durch fehlende Perspektiven, wirtschaftliche Not,
Klimakrise und politische Repression.
Augenzeugen berichteten über ein massives Aufgebot von
Sicherheitskräften, die in den Metropolen einrückten und an
wichtigen Verkehrsknoten Stellung bezogen. Währenddessen ging der
Staat vor allem in den Provinzen mit absoluter Härte gegen die
Proteste vor. Vor allem in den ländlichen Regionen kam es seit
Mittwochabend zu dramatischen Szenen und Straßenschlachten zwischen
Demonstranten und Sicherheitskräften. Mindestens sieben Menschen
kamen bei den Konfrontationen ums Leben.
Aktuelle Proteste wie "Feuer unter der Asche"
Wie sich die Proteste weiterentwickeln, ist Beobachtern zufolge
weitgehend unklar. "Unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung ist
es keiner der Oppositionsfraktionen bislang gelungen, schlagkräftige
Organisationen oder dauerhafte Netzwerke aufzubauen, die die
Proteste lenken könnten", schreibt der Historiker Arash Azizi in
einem Gastbeitrag für das US-Magazin "The Atlantic". "Ohne eine
solche Ausrichtung dürften die aktuellen Proteste an Schwung
verlieren und im Sande verlaufen".
Sollten sie jedoch anhalten, sei es deutlich wahrscheinlicher, "dass
Akteure aus den Reihen des Regimes selbst die Initiative ergreifen"
und dem obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei die Macht entreißen,
schreibt Azizi.
Die aktuellen Unruhen seien "wie Feuer unter der Asche", sagt ein
iranischer Professor, der anonym bleiben möchte. "Es war nur eine
Frage der Zeit, bis sie ausbrechen." Seiner Ansicht nach handelt es
sich längst nicht mehr um reine Wirtschaftsproteste. Es gehe um eine
grundlegende Kritik an der Politik der Staatsführung und deren
außenpolitischen Entscheidungen. "Daher ist es nur natürlich, dass
die Proteste schnell politisch werden."
Zukunftssorgen und Hoffnungslosigkeit in der Hauptstadt
In der wuseligen Hauptstadt Teheran, dem politischen und
wirtschaftlichen Zentrum des Landes, sorgen sich viele Bewohner seit
Jahren um ihre Zukunft. "Ich selbst habe die Proteste aus nächster
Nähe gesehen. Viele waren Menschen aus der Generation Z - junge
Leute, die weder Hoffnung noch Motivation haben", sagt Mortesa (37),
ein Fitnesstrainer. "Das Land hat eigentlich genügend Einnahmen,
aber sie kommen nicht bei den Menschen an."
Auch Mila (36), Lehrerin, spürt die Hoffnungslosigkeit. "Wie bei
meinen Freunden und Kollegen ist meine Lage schlecht. Der Alltag ist
schwer zu ertragen, Freizeit und Reisen sind kaum möglich", sagt
sie. "Das Recht auf Protest muss den Menschen bleiben", fordert sie.
Selbst eigentlich wohlhabende Händler klagen inzwischen.
Mohammad-Dschawad (43), der im großen Basar von Teheran einen
Schmuckladen betreibt, hat sein Geschäft am vergangenen Sonntag
geschlossen. "Wir wissen einfach nicht mehr, welche Preise wir
festlegen sollen." Bei den Schwankungen am Devisenmarkt müsse er
stündlich Korrekturen vornehmen. "Wie sollen wir das den Kunden
erklären? So kann es nicht weitergehen. So einfach ist das."
Auch Kriegssorgen beeinflussen Währungskurs
Auch die Sorgen vor einem neuen Krieg haben Unruhen am Devisenmarkt
ausgelöst. Anfang der Woche sagte Trump, er unterstütze israelische
Angriffe auf den Iran, sollte das Land sein Atomprogramm wieder
instand setzen und weiter ballistische Raketen bauen. Irans
Präsident Massud Peseschkian entgegnete auf X, jede Antwort der
Islamischen Republik auf einen ungerechten Angriff werde hart sein
und Reue erzeugen.
Israel hatte im Juni zwölf Tage lang Krieg gegen den Iran geführt
und gemeinsam mit den USA zentrale Atomanlagen bombardiert. Der
Grundkonflikt der Erzfeinde besteht trotz einer Waffenruhe fort -
eine diplomatische Lösung ist nicht in Sicht. Die USA und auch
Israel gelten seit der Islamischen Revolution von 1979 als Erzfeinde
der iranischen Staatsführung. Diplomatische Beziehungen unterhalten
die Länder nicht./arb/DP/mis
AXC0079 2026-01-02/12:48
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Autor: - dpa-AFX
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