| Streit um Abschiebungen nach Syrien |
| 02.01.2026 13:49:00 |
Migration im Fokus: Die CSU will die
meisten Syrerinnen und Syrer schnell zurück in ihre Heimat schicken.
Rückführungen müssten "schnellstmöglich eingeleitet werden", fordern
die Christsozialen in einem neuen Papier. Die Zahl der unerlaubten
Einreisen nach Deutschland hat sich unterdessen innerhalb von zwei
Jahren halbiert: 2025 stellte die Bundespolizei 62.526 illegale
Einreisen fest.
Die CSU-Landesgruppe hatte bereits vor einem Jahr der
Migrationspolitik eine "ausgesprochen große Bedeutung" beigemessen.
Nun spricht sie sich vor ihrer traditionellen Klausur im Kloster
Seeon für eine weitere Verschärfung aus. Für die meisten Syrer mit
vorübergehendem Bleiberecht entfalle nach dem Ende des Bürgerkriegs
der Schutzgrund, heißt es in einem Positionspapier. Wer nicht
freiwillig ausreise, solle abgeschoben werden. Das Papier, über das
der "Münchner Merkur" berichtete, liegt der Deutschen Presse-Agentur
vor.
2026 müsse es eine Abschiebeoffensive geben - "mit Linienflügen und
auch nach Syrien und Afghanistan", heißt es weiter. Dafür sollten
bundesweit Ausreisezentren und ein eigenes Abschiebeterminal am
Flughafen München geschaffen werden.
Klare Tendenz bei Migration
Generell zeigt die Migrationssituation in Deutschland bereits eine
klare Tendenz. An allen deutschen Land-, Luft- und Seegrenzen gibt
es deutlich weniger illegale Einreisen. 2023 waren es noch 127.549,
2024 waren es 83.572 unerlaubte Einreisen gewesen, so die
Bundespolizei. Von teils über 20.000 pro Monat Aufgegriffenen im
Jahr 2023 sank die Zahl auf knapp 4.600 im Dezember.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sagte bei der
Verkündung von Schwerpunkten 2026 in Nürnberg für sein Land: "Die
Migrationswende ist mittlerweile in vollem Gang." Der CSU-Politiker
verwies auch auf die verstärkten Grenzkontrollen. Seit Mitte
September 2024 gibt es solche Kontrollen wieder an allen deutschen
Grenzen. Eigentlich ist das im Schengen-Raum nicht vorgesehen.
Seitdem wurden 46.426 Menschen an der Grenze oder im Kontext des
illegalen Übertrittes zurückgewiesen, 1.945 Schleuser festgenommen.
Auch Ukrainer im Fokus
Die CSU will laut ihrem Positionspapier auch bei ukrainischen
Flüchtlingen einen härteren Kurs. "Insbesondere wehrfähige
ukrainische Männer" sollten "ihren Beitrag zur Verteidigung ihres
Landes" leisten. Im Sommer hatte die ukrainische Regierung ein
Ausreiseverbot für junge Männer zwischen 18 und 22 Jahren
aufgehoben. Es gab folglich einen Anstieg bei Ausreisen aus dem von
Russland mit Drohnen und Raketen bombardierten Land. So kamen etwa
nach Berlin laut einem rbb-Bericht 2025 im Schnitt pro Woche bisher
etwa 150 Menschen aus der Ukraine - in den ersten beiden
Novemberwochen waren es viermal so viele.
Weiter will die CSU gegen ausländische "Demokratiefeinde" vorgehen.
Öffentliche Rufe nach Errichtung eines islamistischen Gottesstaats -
eines Kalifats - sollen unter Strafe gestellt werden.
Linke: "Absage an Grund- und Menschenrechte"
Die Debatte zu einer härteren Gangart bei Syrerinnen und Syrern in
Deutschland schwelt schon länger. Zuletzt waren bereits deutlich
mehr Anträge syrischer Asylbewerber abgelehnt worden als in den
Vormonaten. Vorübergehend hatte das Bundesamt für Migration und
Flüchtlinge (Bamf) Entscheidungen wegen der unklaren Lage in Syrien
auf Eis gelegt.
Die Linke im Bundestag wirft der CSU Zynismus vor. Sie tue so, "als
wäre Syrien plötzlich überall sicher und als wäre Afghanistan ein
normales Rückkehrland", sagte ihre Abgeordnete Clara Bünger. "Auch
aktuell herrschen in Syrien noch immer Gewalt, Willkürhaft, Folter
und Verschwindenlassen", sagte Bünger. "Menschen in diese
lebensbedrohlichen Zustände abschieben zu wollen, ist eine klare
Absage an Grund- und Menschenrechte." Dies gelte auch für
Afghanistan.
"Wer jetzt auch noch ukrainische Geflüchtete unter Druck setzt,
stellt den Schutz von Kriegsvertriebenen infrage, obwohl die EU den
vorübergehenden Schutz bis März 2027 verlängert hat", so Bünger
weiter.
Viel weniger syrische Zuzüge
Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Zuzüge syrischer
Staatsangehöriger nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien Ende
2024 stark gesunken, zuletzt von Januar bis September um 46,5
Prozent. Die Zahl der Fortzüge von Syrerinnen und Syrern stieg um
35,3 Prozent. Ende 2024 waren 22 Prozent aller Schutzsuchenden in
Deutschland Syrerinnen und Syrer. 1,22 Millionen Menschen mit
syrischer Einwanderungsgeschichte leben in Deutschland. Fast jede
jeder Fünfte ist hier geboren - 19 Prozent.
Aus mehreren Branchen waren Warnungen gekommen, ohne Arbeitskräfte
aus Syrien entstünden Riesenlücken. Betroffen wären demnach etwa
Pflege und Ärzteversorgung. Ohne die Zuwanderung von Ärztinnen und
Ärzten gäbe es etwa laut Bundesärztekammer eine deutliche höhere
Knappheit. Schon 2024 erreichte die Zahl der berufstätigen Ärztinnen
und Ärzten ohne deutsche Staatsangehörigkeit mit insgesamt 68.102
einen neuen Höchststand. Häufigste Herkunftsländer sind Syrien
(7.042), Rumänien (4.682) und die Türkei (3.169).
Bundesregierung will wieder nach Syrien abschieben
Auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte schon auf eine schnelle
Wiederaufnahme der Abschiebungen nach Syrien gedrungen. Besonders
schnell abschieben will die schwarz-rote Bundesregierung die, die
straffällig geworden sind. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU),
vormals Landesgruppenchef, hatte Vereinbarungen mit Syrien zur
Ermöglichung von Abschiebungen angekündigt.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte im Oktober unionsintern
heftige Kritik auf sich gezogen, nachdem er bei einem Besuch in
Syrien eine freiwillige Rückkehr in großer Zahl angezweifelt hatte.
Dennoch sagte er später, er halte an der Einschätzung fest, dass die
Rückkehr an zerstörte Orte etwa in Damaskus kurzfristig nur sehr
eingeschränkt möglich sei.
Lage bei Syrern in Deutschland
Viele Syrerinnen und Syrer, die in der großen Flüchtlingsbewegung um
2015 nach Deutschland gekommen sind, haben laut
Arbeitsmarktforschern Erfolg bei der Integration gehabt. Laut
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erreichte die Gruppe
der 2013 bis 2019 hergekommenen syrischen Schutzsuchenden sieben
Jahre nach dem Zuzug eine durchschnittliche Erwerbstätigenquote von
61 Prozent. 90 Prozent hatten Ende 2024 einen teils befristet
anerkannten Schutzstatus. Dobrindt hatte gesagt, gut integrierte
Syrer sollten eine Aussicht auf eine Zukunft in Deutschland
haben./bw/igl/vr/DP/mis
AXC0088 2026-01-02/13:49
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Autor: - dpa-AFX
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