| Der CO2-Preis steigt - was das für Verbraucher bedeutet |
| 02.01.2026 14:00:00 |
Spürbar wird er für Verbraucherinnen und
Verbraucher vor allem an der Tankstelle und beim Blick in die
Heizkostenabrechnung: der CO2-Preis. Zum Jahreswechsel ist er erneut
gestiegen, das soll dem Klimaschutz dienen. Wichtige Fragen und
Antworten zum Thema.
Was ist der CO2-Preis?
Seit 2021 gibt es in Deutschland den CO2-Preis für Heiz- und
Brennstoffe. Mit einer schrittweise steigenden CO2-Bepreisung soll
ein Anreiz für mehr Sparsamkeit sowie zu einem Umstieg auf
klimafreundliche Technologien gesetzt werden, um CO2-Emissionen zu
verringern.
Die Kosten werden an die Endverbraucher weitergegeben. Mit einer
steigenden CO2-Bepreisung verteuern sich das Tanken mit Benzin und
Diesel sowie das Heizen mit Erdgas und Öl.
Derzeit ist der Preis noch gesetzlich vorgegeben, in Zukunft soll er
sich aber aus dem EU-Emissionshandel ergeben. Dabei müssen große
Unternehmen, die Brennstoffe wie Erdgas, Heizöl, Benzin und Diesel
verkaufen, Emissionszertifikate vorweisen. Nach Bedarf können sie
damit untereinander handeln. So entsteht ein Preis für jede
ausgestoßene Tonne CO2. Über die Jahre sinkt die Zahl der
verfügbaren Zertifikate - dies soll auf möglichst effiziente Art zu
mehr Klimaschutz führen.
Was passiert im kommenden Jahr und danach beim CO2-Preis?
Mit dem Jahreswechsel ist der CO2-Preis von aktuell 55 Euro pro
Tonne auf 55 bis 65 Euro pro Tonne gestiegen. Es gibt also einen
Preiskorridor, innerhalb dessen die CO2-Zertifikate ersteigert
werden können. Der Start der Auktionen ist laut Umweltbundesamt
(UBA) derzeit für Juli 2026 vorgesehen und soll bis Ende Oktober
einmal pro Woche an der Leipziger Energiebörse stattfinden. Wenn die
Nachfrage bei den Versteigerungen nicht gedeckt werden kann, können
weitere Zertifikate zu einem höheren Preis von 68 Euro erworben
werden
Ein Jahr später, ab 2027, sollten Brennstoffe wie Benzin und Erdgas
eigentlich auch in den europäischen Emissionshandel einbezogen
werden, der Preis würde sich dann also durch Angebot und Nachfrage
bilden. Doch nun kommt dieser Schritt wahrscheinlich erst 2028.
Darauf haben sich Unterhändler von Europaparlament und EU-Staaten
vor Kurzem verständigt. Damit sollen große Preissprünge für
Verbraucher beim Tanken und Heizen vorerst vermieden werden.
Mit welchen Preisen müssen Verbraucher rechnen?
Autofahrer müssen beim Tanken tiefer in die Tasche greifen. Am
oberen Ende der möglichen Spanne macht der CO2-Preis rund 3 Cent
zusätzlich pro Liter aus - bei Benzin etwas weniger als bei Diesel.
Zum Jahreswechsel hat dieser Effekt wohl bereits durchgeschlagen,
wie ADAC-Daten zeigen: Am 1. Januar war ein Liter Super um 3,4 Cent
teurer als am 31. Dezember, bei Diesel waren es 4 Cent. Zum Anstieg
können aber auch noch andere Ursachen als der CO2-Preis beigetragen
haben.
Zu den Heizkosten für Öl und Gas heißt es beim Verbraucherzentrale
Bundesverband (vzbv): "Wir halten es für wahrscheinlich, dass sich
der Preis eher am oberen Ende einpendelt." Dadurch könne Heizöl 2026
etwa 3 Cent pro Liter mehr kosten. Erdgas werde wahrscheinlich um
etwa 0,3 Cent pro Kilowattstunde teurer. "In einem typischen, wenig
sanierten Einfamilienhaus mit Gasheizung und rund 20.000
Kilowattstunden Jahresverbrauch ergeben sich dadurch ungefähre
jährliche Mehrkosten von rund 50 Euro gegenüber dem Vorjahr."
Was sollte man als Mieter beachten?
Bei Gas- und Ölzentralheizungen wird der CO2-Preis zwischen Mieter
und Vermieter aufgeteilt. Je energieeffizienter ein Haus ist, desto
höher ist der Anteil, den Mieter tragen müssen. In schlecht
gedämmten Gebäuden mit ineffizienter Heizung zahlen Vermieter
hingegen den Löwenanteil.
Vermieter müssen den CO2-Preis in der Nebenkostenabrechnung
transparent ausweisen, erklärt der vzbv. "Mieter sollten also
unbedingt darauf achten, dass der Energieverbrauch, die anfallenden
CO?-Kosten und die Aufteilung in der Abrechnung nachvollziehbar
ausgewiesen sind. Ist die nicht der Fall, sollten Mieter sich bei
dem Vermieter melden und eine Korrektur der Abrechnung verlangen."
Eigeninitiative ist bei Gasetagenheizungen mit eigenen Gasverträgen
gefragt. Hier stellt der Versorger den Mieter zunächst den vollen
CO2-Preis in Rechnung, diese können dann vom Vermieter die
Erstattung seines Anteils verlangen, führt der vzbv aus.
Was passiert mit den Einnahmen?
Die Einnahmen aus dem Emissionshandel fließen in den Klima- und
Transformationsfonds. Dieser ist eigentlich für die Umstellung auf
ein klimafreundlicheres Wirtschaften gedacht. Allerdings werden
damit auch andere Kostenpunkte finanziert, wie zum Beispiel der ab
Januar geplante staatlich subventionierte niedrigere
Industriestrompreis.
Was ist für die Zukunft zu erwarten?
Auf die Dauer ist mit einem weiteren Anstieg des CO2-Preises zu
rechnen. Der Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, Achim Wambach, rechnet ab
2028 mit einem Anstieg von bis zu 200 Euro pro Tonne CO2.
"Das wären für einen Liter Benzin rund 60 Cent mehr. Ein
Vier-Personen-Haushalt, der noch mit Gas heizt, müsste mit rund
1.000 Euro höheren Heizkosten pro Jahr rechnen", sagte er der
"Wirtschaftswoche". Das sind Aussagen, die sich damals noch auf das
Jahr 2027 bezogen. Mit der Verschiebung um ein Jahr rechnet Wambach
nun 2028 mit diesen Werten, wie er bestätigte.
Welche sozialen Auswirkungen hat der CO2-Preis?
Befürworter von Emissionshandelssystemen betonen, dass hier der
Markt Klimaschutz effizient macht. Doch ohne ergänzende gesetzliche
Vorgaben landen die Preise ungebremst bei den Verbrauchern, lautet
eine Sorge.
Je stärker die gesetzlichen Vorgaben zum Beispiel im
Gebäudeenergiegesetz oder die EU-Vorschriften für Neuwagen sind,
desto niedriger fällt der CO2-Preis im Emissionshandel aus, erklärt
Klimaforscher Niklas Höhne vom New Climate Institute. Die
Bundesregierung plane aber, die Vorgaben eher zurückzudrehen. "Es
ist also eher mit hohen Preisen zu rechnen."
Höhne sagt voraus: "Wenn ab 2028 wirklich das neue
EU-Emissionshandelssystem ungebremst einsetzt, schnellen entweder
die Preise in die Höhe, oder sie werden von der Politik gedeckelt -
auf Kosten der Klimaziele." Sozialer Ausgleich sei essenziell, da
gerade die ärmere Bevölkerung bei hohen Energiepreisen
überproportional belastet werde.
Der vzbv fordert, die Bundesregierung müsse Verbraucherinnen und
Verbrauchern den Wechsel von teurer werdenden fossilen Brennstoffen
zu erneuerbaren Energien ermöglichen. "Die gesetzlichen Vorgaben für
den Heizungstausch müssen deswegen bestehen bleiben. Genauso zentral
ist die Senkung des Energieverbrauchs insgesamt und damit auch der
CO2-Kosten."/hrz/DP/men
AXC0090 2026-01-02/14:00
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Autor: - dpa-AFX
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