| ROUNDUP 3: Proteste den sechsten Tag in Folge - Trump droht dem Iran |
| 02.01.2026 17:23:00 |
(neu: Angaben zu Opfern und Expertenstimme.)
TEHERAN (dpa-AFX) - US-Präsident Donald Trump hat sich in die
Proteste im Iran eingeschaltet und mit einem Eingreifen gedroht.
Wenn der Iran friedliche Demonstranten töte, "werden die Vereinigten
Staaten von Amerika ihnen zu Hilfe kommen", schrieb der Republikaner
auf seiner Online-Plattform Truth Social. Was er konkret vorhat,
ließ der US-Präsident offen.
Eine harsche Reaktion aus dem Iran folgte prompt. "Trump sollte
wissen, dass eine Einmischung der USA in diese innere Angelegenheit
die gesamte Region destabilisieren würde", schrieb Ali Laridschani,
Generalsekretär des Sicherheitsrats, auf der Plattform X. Ali
Schamchani, ein ranghoher Berater der Staatsführung, warnte
ebenfalls mit drastischen Worten: Jede eingreifende Hand, die sich
unter dem Vorwand der Sicherheit nähere, werde abgeschnitten.
Experte: Trumps Aussagen Dilemma für US-Regierung
Danny Citrinowicz, Forscher am israelischen Forschungsinstitut INSS,
sprach nach Trumps Aussagen von einem Dilemma für die US-Regierung.
"Unterstützung für die Demonstranten - Gefahr einer Eskalation zum
Krieg. Keine Unterstützung - ein schwerer Schlag für alle, die jetzt
oder in Zukunft daran denken, in Iran zu demonstrieren", schrieb er
auf X.
Den sechsten Tag in Folge gehen im Iran wieder Menschen auf die
Straße. Es ist die größte Protestwelle seit den landesweiten
Aufständen unter dem Motto "Frau, Leben, Freiheit" vor rund drei
Jahren.
Mehrere Tote bei Ausschreitungen in den Provinzen
Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste in dem Land mit knapp 90
Millionen Einwohnern durch einen plötzlichen Einbruch der
Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan zogen vor allem Händler
in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Inzwischen haben die
Demonstrationen auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten
erfasst. Die Unzufriedenheit im Land wächst seit Jahren, befeuert
durch fehlende Perspektiven, wirtschaftliche Not, Klimakrise und
politische Repression.
Augenzeugen berichteten über ein massives Aufgebot von
Sicherheitskräften, die in den Metropolen einrückten und an
wichtigen Verkehrsknoten Stellung bezogen. Vor allem aber in
ländlichen Regionen kam es seit Mittwochabend zu dramatischen Szenen
und Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.
Bei den Konfrontationen kamen mindestens zehn Menschen ums Leben,
berichtete die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in
Norwegen, die ein Netzwerk von Kontakten im Iran unterhält.
Aktuelle Proteste wie "Feuer unter der Asche"
Wie sich die Proteste weiterentwickeln, ist Beobachtern zufolge
weitgehend unklar. "Unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung ist
es keiner der Oppositionsfraktionen bislang gelungen, schlagkräftige
Organisationen oder dauerhafte Netzwerke aufzubauen, die die
Proteste lenken könnten", schreibt der Historiker Arash Azizi in
einem Gastbeitrag für das US-Magazin "The Atlantic". "Ohne eine
solche Ausrichtung dürften die aktuellen Proteste an Schwung
verlieren und im Sande verlaufen."
Sollten sie jedoch anhalten, sei es deutlich wahrscheinlicher, "dass
Akteure aus den Reihen des Regimes selbst die Initiative ergreifen"
und dem obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei die Macht entreißen,
schreibt Azizi.
Die aktuellen Unruhen seien "wie Feuer unter der Asche", sagt ein
iranischer Professor, der anonym bleiben möchte. "Es war nur eine
Frage der Zeit, bis sie ausbrechen." Seiner Ansicht nach handelt es
sich längst nicht mehr um reine Wirtschaftsproteste. Es gehe um eine
grundlegende Kritik an der Politik der Staatsführung und deren
außenpolitischen Entscheidungen. "Daher ist es nur natürlich, dass
die Proteste schnell politisch werden."
Zukunftssorgen und Hoffnungslosigkeit in der Hauptstadt
In der wuseligen Hauptstadt Teheran, dem politischen und
wirtschaftlichen Zentrum des Landes, sorgen sich viele Bewohner seit
Jahren um ihre Zukunft. "Ich selbst habe die Proteste aus nächster
Nähe gesehen. Viele waren Menschen aus der Generation Z - junge
Leute, die weder Hoffnung noch Motivation haben", sagt Mortesa (37),
ein Fitnesstrainer. "Das Land hat eigentlich genügend Einnahmen,
aber sie kommen nicht bei den Menschen an."
Auch Mila (36), Lehrerin, spürt die Hoffnungslosigkeit. "Wie bei
meinen Freunden und Kollegen ist meine Lage schlecht. Der Alltag ist
schwer zu ertragen, Freizeit und Reisen sind kaum möglich", sagt
sie. "Das Recht auf Protest muss den Menschen bleiben", fordert sie.
Selbst eigentlich wohlhabende Händler klagen inzwischen.
Mohammad-Dschawad (43), der im großen Basar von Teheran einen
Schmuckladen betreibt, hat sein Geschäft am vergangenen Sonntag
geschlossen. "Wir wissen einfach nicht mehr, welche Preise wir
festlegen sollen." Bei den Schwankungen am Devisenmarkt müsse er
stündlich Korrekturen vornehmen. "Wie sollen wir das den Kunden
erklären? So kann es nicht weitergehen. So einfach ist das."
Auch Kriegssorgen beeinflussen Währungskurs
Auch die Sorgen vor einem neuen Krieg haben Unruhen am Devisenmarkt
ausgelöst. Anfang der Woche sagte Trump, er unterstütze israelische
Angriffe auf den Iran, sollte das Land sein Atomprogramm wieder
instand setzen und weiter ballistische Raketen bauen. Irans
Präsident Massud Peseschkian entgegnete auf X, jede Antwort der
Islamischen Republik auf einen ungerechten Angriff werde hart sein
und Reue erzeugen.
Israel hatte im Juni zwölf Tage lang Krieg gegen den Iran geführt
und gemeinsam mit den USA zentrale Atomanlagen bombardiert. Der
Grundkonflikt der Erzfeinde besteht trotz einer Waffenruhe fort -
eine diplomatische Lösung ist nicht in Sicht. Die USA und auch
Israel gelten seit der Islamischen Revolution von 1979 als Erzfeinde
der iranischen Staatsführung. Diplomatische Beziehungen unterhalten
die Länder nicht./arb/DP/men
AXC0132 2026-01-02/17:23
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Autor: - dpa-AFX
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