| ROUNDUP 5: Trump entmachtet Maduro und will Venezuela führen |
| 03.01.2026 20:19:00 |
(Aktualisierung: völkerrechtliche Experteneinschätzung ergänzt)
WASHINGTON/CARACAS (dpa-AFX) - US-Präsident Donald Trump forciert
den Machtwechsel in Venezuela - auch mit militärischer Gewalt. Die
USA griffen auf Befehl Trumps das ölreiche südamerikanische Land in
der Nacht zum Samstag an. Spezialeinheiten nahmen während der
Operation "Absolute Resolve" ("Absolute Entschlossenheit")
Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro und dessen Frau Cilia Flores
fest. Beide sind auf einem US-Kriegsschiff auf dem Weg nach New
York, wo ihnen wegen Vorwürfen des "Drogenterrorismus" der Prozess
gemacht werden soll.
"Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren,
ordnungsgemäßen und umsichtigen Übergang gewährleisten können",
sagte Trump vor Journalisten auf seinem Anwesen Mar-a-Lago in
Florida.
Trump: Venezuelas Vizepräsidentin will Zusammenarbeit
Bei dem US-Angriff um 2.00 Uhr (Ortszeit) am Morgen kamen nach
Regierungsangaben aus Caracas Soldaten und Zivilisten ums Leben.
"Wir verurteilen diesen Angriff auf unser Volk, der Beamten,
Soldaten, Unschuldigen und Zivilisten das Leben gekostet hat", sagte
Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez im Staatsfernsehen.
Trump sagte, Rodriguez sei zur Zusammenarbeit mit den USA bereit.
"Wir haben gerade ein Gespräch mit ihr geführt, und sie ist im
Grunde bereit, das zu tun, was wir für notwendig halten, um
Venezuela wieder groß zu machen, ganz einfach", sagte Trump. "Ich
finde, sie war sehr zuvorkommend, aber sie hat wirklich keine andere
Wahl."
Von Rodríguez gab es zu dieser Äußerung Trumps zunächst keine
Stellungnahme. Nach der Verfassung müsste sie bei einem Ausfall des
Staatschefs bis zu Neuwahlen die Regierungsgeschäfte übernehmen. Als
Außenministerin (2014-2017) prägte Rodríguez den konfrontativen Kurs
gegen die USA, den sie als Vizepräsidentin fortsetzte.
Russland verurteilte als Verbündeter Venezuelas die "bewaffnete
Aggression" der USA.
Friedensnobelpreisträgerin: González soll Präsident werden
Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado fordert nach der
Festnahme Maduros die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo
González Urrutia als Nachfolger. Er habe die Präsidentenwahl vor
eineinhalb Jahren gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt
nun unverzüglich antreten, heißt es in einer auf der Plattform X
veröffentlichten Mitteilung Machados. Nach dem US-Militäreinsatz sei
für die Opposition die Zeit gekommen, Venezuela zu regieren.
Trump: Haben keine Angst vor US-Truppen in Venezuela
Trump machte klar, dass die USA auch militärisch bereit seien, ihre
Interessen in Venezuela durchzusetzen. "Wir haben keine Angst vor
Bodentruppen. Und wir müssen welche haben, wir hatten vergangene
Nacht Bodentruppen vor Ort. Wir werden sicherstellen, dass dieses
Land ordnungsgemäß regiert wird", sagte er.
US-Außenminister Marco Rubio betonte, der durch US-Spezialeinheiten
gefasste venezolanische Staatschef Nicolás Maduro habe die Wahl
gehabt. "Er hätte jetzt woanders leben und sehr glücklich sein
können, aber stattdessen wollte er den starken Mann spielen."
Gegen Maduro lag ein US-Haftbefehl vor. Laut Justizministerin Pam
Bondi werden Maduro und seiner Frau unter anderem "Verschwörung zum
Drogenterrorismus" sowie "Verschwörung zum Kokainimport"
vorgeworfen.
Für die USA war Maduro zu Unrecht an der Macht
Nach seiner von Betrugsvorwürfen überschatteten Wiederwahl 2024
erkannte die Regierung in Washington den Linkspolitiker nicht mehr
als rechtmäßigen Staatschef an. Wegen der mutmaßlichen
Drogengeschäfte Maduros setzten die USA für Informationen, die zu
seiner Festnahme führen, eine Belohnung von bis zu 50 Millionen
Dollar (rund 43 Millionen Euro) aus.
US-Außenminister Marco Rubio rechtfertigte ein Einsatz. Die
Maßnahmen seien "zum Schutz und zur Verteidigung" derer, die den
Haftbefehl gegen Maduro vollstreckten, nötig gewesen.
Nach Darstellung des Juristen Kai Ambos haben die USA damit gegen
das Völkerrecht verstoßen. Vom WDR zu dem Vorgehen befragt, sagte
Ambos: "Es ist völkerrechtswidrig, weil es eigentlich nur zwei
Rechtfertigungsgründe für Anwendung militärischer Gewalt gibt." Nach
Worten des Professors der Uni Göttingen sind dies entweder
Selbstverteidigung oder ein Mandat der Vereinten Nationen. Ähnlich
äußerte sich die Professorin der Notre Dame Law School im
US-Bundesstaat Indiana, Mary Ellen O'Connell. Sie sprach von
Kidnapping.
Trump: Machen Venezuela "reich, unabhängig und sicher"
Laut Trump sollen große US-Ölkonzerne nun Milliarden Dollar
investieren, um die nach seinen Worten "schwer beschädigte"
venezolanische Öl-Infrastruktur zu modernisieren. Eine Partnerschaft
mit den Vereinigten Staaten werde Venezuela "reich, unabhängig und
sicher" machen. Millionen Venezolaner im Exil - auch in den USA -
würden von den geplanten Maßnahmen profitieren.
Die venezolanische Regierung warf den USA eine Verletzung der Charta
der Vereinten Nationen vor. Ziel der USA sei es, sich die
Bodenschätze - wie die großen Ölvorkommen - Venezuelas anzueignen
und eben einen Regierungswechsel zu erzwingen. "Das wird ihnen nicht
gelingen", hieß es in der Mitteilung.
Elite-Spezialeinheit Delta Force im Einsatz
Der US-Sender CBS berichtete unter Berufung auf US-Beamte, Maduro
sei von der US-Elite-Spezialeinheit Delta Force gefangen genommen
worden. Die Luftangriffe richteten sich Berichten zufolge vor allem
gegen Militärstützpunkte, Flugplätze, Kommunikationsanlagen und
Häfen. Unter anderem wurde auch Fuerte Tiuna - die wichtigste
Militärbasis des Landes - in Caracas angegriffen worden sein.
In venezolanischen Medien und sozialen Netzwerken waren Aufnahmen
von Explosionen und Rauchsäulen in der Hauptstadt zu sehen. Ein
Video des Senders VPItv zeigte, wie mehrere Hubschrauber über die
nächtliche Stadt fliegen. Nahe dem Präsidentenpalast Miraflores
waren gepanzerte Fahrzeuge der Sicherheitskräfte zu sehen.
Bundesregierung verfolgt Situation "mit größter Sorge"
Verbündeten der USA hielten sich mit einer Bewertung der Vorgänge
zunächst zurück. Die Bundesregierung verfolge die Entwicklung "mit
größter Sorge", hieß es aus Berlin.
Das Auswärtige Amt weitete die Reisewarnung für Venezuela aus. "Für
ganz Venezuela gilt nun eine Reisewarnung", teilte eine Sprecherin
mit. "Deutsche Staatsangehörige im Land sind aufgerufen, an einem
sicheren Ort zu bleiben."/ngu/DP/he
AXC0114 2026-01-03/20:19
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Autor: - dpa-AFX
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