| Wagnis in China: BASF investiert Milliarden in neues Werk |
| 04.01.2026 11:20:00 |
BASF wird seinen neuen
Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang im ersten Quartal des
Jahres offiziell eröffnen - als Industriestandort mit miteinander
verbundenen Produktionsanlagen, Logistik und Stoffströmen. Mit rund
8,7 Milliarden Euro ist das Werk das bislang größte
Einzelinvestitionsprojekt des Unternehmens. Kritiker warnen, BASF
mache sich nach teuren Abschreibungen in Russland wegen des
Ukraine-Kriegs erneut abhängig von einer autokratischen Führung.
BASF argumentiert, am Zukunftsmarkt China führe kein Weg vorbei.
Einige Fragen und Antworten dazu.
Warum investiert BASF in diesen Standort?
Weil China wächst. "Wir erwarten, dass rund 80 Prozent des Wachstums
in der Chemieindustrie bis zum Jahr 2035 auf die Region
Asien-Pazifik konzentriert sein werden", teilt BASF mit. Schon heute
trage China, das einen Anteil von rund 50 Prozent am Chemieweltmarkt
hat, maßgeblich zu diesem Wachstum bei.
"Mit Blick auf diese Entwicklung ist BASF im größten Zukunftsmarkt
noch immer unterrepräsentiert: 2024 erzielte BASF in China rund 13
Prozent des Gesamtumsatzes der BASF-Gruppe. Der Marktanteil ist
deutlich kleiner als in den USA oder gar in Europa", heißt es. Das
Engagement in China bedeute weder eine Fokussierung auf einen
einzigen Markt noch eine Verlagerung der Produktion. Was BASF in
China herstelle, werde größtenteils dort verkauft.
Deutsche Chemieunternehmen bleiben bei den Wachstumsaussichten in
China generell optimistisch. Eine im Dezember veröffentlichte
Geschäftsklimaumfrage der deutschen Auslandshandelskammer in Peking
ergab, dass unter den Mitgliedern der Chemieindustrie in der
Volksrepublik 84 Prozent mit einem Anstieg des jährlichen
Durchschnittswachstums in den kommenden fünf Jahren rechnen. 61
Prozent gaben an, in den kommenden zwei Jahren ihre Investitionen in
China zu erhöhen.
Wie stellt BASF Menschenrechte und Arbeitsstandards sicher?
2024 hatte das Unternehmen Anteile an zwei Joint Ventures in China
verkauft. Grund: Berichte wiesen auf Aktivitäten beim
Joint-Venture-Partner hin, "die nicht mit den Werten von BASF
vereinbar sind". Das systematische Prüfen eigener Gesellschaften und
der Lieferanten wolle man fortsetzen. "Wir nehmen jeden Hinweis auf
Menschenrechtsverletzungen sehr ernst und prüfen ihn sorgfältig."
Die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen werde in Audits geprüft.
Welche Risiken sieht das Unternehmen beim China-Engagement?
Peking macht kein Geheimnis daraus, das demokratisch regierte Taiwan
mit China vereinen zu wollen - notfalls militärisch. Ein Konflikt
hätte auch wirtschaftlich verheerende Auswirkungen, weil die
Taiwanstraße und der Westpazifik wichtige Seehandelsrouten sind,
Taiwan die gesamte Welt mit dringend benötigten Computerchips
versorgt und China wiederum im Konfliktfall internationale
Sanktionen drohen. Von BASF heißt es dazu: Man beobachte die
geopolitischen Entwicklungen sehr aufmerksam und bewerte die
Risikoszenarien. Das gelte für alle Länder, in denen man aktiv ist.
Was sagen Kritiker der Investition?
Kritische Anteilseigner des Chemieriesen fürchten, dass BASF sich
mit China-Investments zu sehr abhängig von der Führung in Fernost
macht. Zuletzt teure Abschreibungen in Russland werden dem
Management als warnendes Beispiel vorgehalten. Beim Amtsantritt von
Vorstandschef Markus Kamieth - dem ehemaligen Asienchef des Konzerns
- auf der Hauptversammlung vor fast zwei Jahren hatten kritische
Aktionäre bereits wegen China gewettert und diese Kritik bei der
jüngsten Hauptversammlung erneuert.
Arne Rautenberg, Fondsmanager bei Union Investment, der
Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, ist skeptisch, ob
sich die Investition für Aktionäre auszahlen wird. Von einer
"riskanten Wette" sprach Linus Vogel von der
Sparkassenfondsgesellschaft Deka - "zumal das China von heute ein
ganz anderes ist als das China zum Zeitpunkt der
Investitionsentscheidung".
Wie steht es um die Nachhaltigkeit?
BASF zufolge wird das Werk in Zhanjiang "zu 100 Prozent" mit Strom
aus erneuerbaren Quellen versorgt. Durch verschiedene Maßnahmen
werde der Standort seine CO2-Emissionen "um bis zu 50 Prozent"
gegenüber einem konventionellen petrochemischen Standort reduzieren.
"Ein deutlich niedrigerer CO2-Fußabdruck als die meisten
Wettbewerber - und das zu wettbewerbsfähigen Kosten: Das macht uns
zu einem attraktiven Partner unserer Kunden in China", wirbt das
Unternehmen.
Wie geht es BASF zurzeit?
Das Unternehmen leidet seit einiger Zeit unter Nachfrageschwäche und
gesunkenen Preisen. Neben der mauen Konjunktur belastet die
US-Zollpolitik. Unternehmenschef Markus Kamieth sagte dem
"Handelsblatt" jüngst: "Die Chemieindustrie erlebt wohl ihre
schwierigste Zeit seit 25 Jahren." BASF hat im defizitären Stammwerk
Ludwigshafen Anlagen stillgelegt und konzernweit mehrere
Sparprogramme inklusive Stellenabbau aufgelegt.
In Ludwigshafen will der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen
zunächst bis Ende 2028 verzichten und Milliarden investieren. Mit
mehr als 30.000 Menschen arbeitet dort gut ein Drittel der
weltweiten BASF-Beschäftigten.
Kamieth will den Konzern mit einem Umbau auf Kurs bringen. So sollen
Geschäftsbereiche teilweise verkauft werden und die Agrarsparte 2027
an die Börse gehen. Insgesamt soll sich BASF von einem breit
aufgestellten, integrierten Chemiekonzern mit vielen vernetzten
Geschäftsfeldern zu einem Unternehmen mit einem Kerngeschäft aus
vier Sparten und mehreren eigenständigen Geschäftsteilen entwickeln.
China wächst nicht mehr so schnell. Was bedeutet das für BASF?
"Derzeit gibt es in China Überkapazitäten bei vielen chemischen
Produkten", räumt der Konzern ein. Gleichzeitig verzeichne der
chinesische Markt weiter ein sehr robustes Nachfragewachstum. "Es
ist zu erwarten, dass ältere Anlagen mit geringerer Energieeffizienz
und schlechteren Umweltstandards in den kommenden Jahren stillgelegt
werden müssen." Mittelfristig führe dies zu einer Reduktion der
Überkapazitäten.
Wie groß ist das Werk - und wer arbeitet dort?
"Der Standort wird nach Ludwigshafen und Antwerpen der drittgrößte
Verbundstandort der BASF sein", teilt das Unternehmen mit. Auf einem
Areal von rund vier Quadratkilometern - das ist fast die Fläche der
Insel Mainau im Bodensee - werden 2.000 Beschäftigte arbeiten. "Das
Führungsteam besteht zum großen Teil aus chinesischen
Mitarbeitenden."
Was wird dort produziert?
Das neue Werk umfasst einen sogenannten Steamcracker mit einer
Kapazität von einer Million Tonnen Ethylen pro Jahr und mehrere
Anlagen zur Produktion von Petrochemikalien, Zwischenprodukten und
anderen Produkten. Zu den Kunden gehören dem Konzern zufolge unter
anderem die Verpackungsindustrie für Kunststoffe und
Spezialchemikalien sowie der Bausektor für Hochleistungskunststoffe
und die Automobilindustrie für Lacke und Kunststoffe./wo/DP/zb
ISIN DE000BASF111
AXC0019 2026-01-04/11:20
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Autor: - dpa-AFX
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