| ROUNDUP/Stromausfall in Berlin: Wieso dauert die Reparatur so lange? |
| 04.01.2026 12:35:00 |
Am Samstagmorgen fällt in 45.000 Haushalten und
2.200 Unternehmen in Berlin der Strom aus - der Grund ist ein Brand
an einer Kabelbrücke am Teltowkanal. An den meisten der betroffenen
Anschlüsse fließt wohl erst am Donnerstag wieder Strom. Viele fragen
sich nun: Wieso dauert die Reparatur so lange?
Der Schaden
"Wir haben einen akuten, sehr, sehr großen Schaden", sagte Berlins
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Samstag in der
RBB-"Abendschau". Demnach wurden fünf Hochspannungskabel bei dem
Brand am frühen Samstagmorgen zerstört, zudem einige
Mittelspannungskabel. Man brauche Plusgrade, um sie zu reparieren.
Es seien Brandsätze direkt unter den Kabeln platziert worden. "Die
Kraft, mit der eine kontinuierliche Hitzeentwicklung und ein
kontinuierlicher Brand erfolgt ist, war größer als die Kraft, die
eine Kugelbombe hätte auslösen können", sagte die Senatorin in der
RBB-"Abendschau". Und weiter: "Eine Kugelbombe hätte unseren
Leitungen, so wie sie gesichert sind, nichts anhaben können."
Die Reparatur
Ein Stromnetz-Sprecher sagte der dpa, dass derzeit an zwei Stellen
gearbeitet werde: Zum einen werde die beschädigte Kabelbrücke am
Teltowkanal repariert, zum anderen werde an einer provisorischen
Lösung für die betroffenen Haushalte gearbeitet. Aktuell gehe man
davon aus, dass die provisorische Lösung schneller fertig sei.
Dafür sollen zwei Leitungen, die bisher nicht miteinander verbunden
waren, zusammengeführt werden. Das sei allerdings sehr kompliziert,
weil hier zwei verschiedene Kabeltechnologien im Einsatz seien: Ein
Kunststoffkabel trifft auf ein Ölkabel. Für die Verbindungen der
beiden Technologien brauche es speziell ausgebildete Experten,
Plusgrade, eine rund 14 Meter lange, tiefe Baugrube und eine
möglichst staubfreie Umgebung. Stromnetz Berlin habe viele
Unterstützungsangebote bekommen, doch für diese technologische
Herausforderung sei eben etwas Zeit nötig.
Giffey sagte am Sonntag, dass für solche Arbeiten eigentlich fünf
Wochen veranschlagt würden. Um Plusgrade an der Baustelle zu
erzeugen, würden Zelte um die Baugrube aufgestellt und beheizt.
Die Sicherheit des Stromnetzes
Das Berliner Stromnetz hat laut Giffey eine Länge von etwa 35.000
Kilometern. 99 Prozent davon seien bereits unter der Erde. "Wir
reden über ein Prozent, das noch oberirdisch verläuft. Es ist unser
Ziel, auch dieses eine Prozent unter die Erde zu bringen", sagte
Giffey. Man werde aber immer verletzliche Stellen im Netz haben.
"Unsere Kabel sind sehr gut gesichert", sagte die Senatorin.
Kritik kam dagegen von der Gewerkschaft der Polizei. "Wir erleben
jetzt binnen kürzester Zeit den zweiten Super-Gau nach einem
Brandanschlag auf Stromleitungen in dieser Stadt und sehen einmal
mehr, dass unsere kritische Infrastruktur aufgrund von
Monopollösungen leicht angreifbar ist", sagte GdP-Landeschef Stephan
Weh. "Wir dürfen keine Zeit verlieren, entsprechende Redundanzen
aufzubauen, sowie vorhandene Stromleitungen besser vor derartigen
Sabotageakten schützen." Dabei müsse auch über Videoüberwachung
nachgedacht werden. "Kameras an Strommasten könnten bei der
Strafverfolgung helfen, aber auch präventiv wirken", sagte
Weh./nif/DP/zb
AXC0037 2026-01-04/12:35
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Autor: - dpa-AFX
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