| ROUNDUP: Wird Bezahlen in bar im Alltag schwieriger? |
| 05.01.2026 06:00:00 |
Vor den Kassen sind Schlangen. Schneller gehen
könnte es an einem Bezahlterminal zum Selber-Scannen, doch oft nur
mit Karte und nicht mit Scheinen. Auch angesichts von immer mehr
SB-Kassen in Supermärkten, Drogerien und Baumärkten warnen die
Verbraucherzentralen vor zunehmenden Hürden, Alltagskäufe problemlos
bar zu bezahlen. Die Finanzexpertin des Bundesverbands, Dorothea
Mohn, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Akzeptanz von Bargeld
für Zahlungen im Handel, der Gastronomie und für öffentliche
Verwaltungsleistungen sinkt kontinuierlich."
Wenn Barzahlungen nicht mehr akzeptiert würden, drohe Menschen ohne
Zugang zu digitalen Zahlmethoden wie Kindern und Jugendlichen oder
älteren Erwachsenen ein Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe,
sagte Mohn. Zudem komme es zu Konflikten und Mehraufwand etwa durch
längeres Warten.
Quote für Bargeld-Kassen?
Konkret fordern die Verbraucherschützer, dass auch bei neuen
Technologien Barzahlungen möglich sein müssen und nicht erschwert
werden dürfen - bei SB-Kassen und etwa auch an Automaten für
Parkscheine oder für Tickets von Bussen und Bahnen. "Dies muss durch
eine Quote von Bargeld annehmenden Ticketautomaten,
Selbstbedienungskassen oder besetzten Bedienkassen je Geschäft
erreicht werden", heißt es in einem Forderungspapier des Verbands.
Im Einzelhandel mit insgesamt rund 710.000 Kassen gibt es inzwischen
38.650 SB-Kassen, wie eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI
ergab. Und die Zahl steigt weiter, nachdem es 2023 noch gut 16.000
waren. Zwei Drittel der Geräte stehen im Lebensmittelhandel. Nicht
überall ist Barzahlung möglich.
Bei großen Scheinen auch Kartenzahlung
Ausnahmen von der Bargeldakzeptanzpflicht müssten "gesetzlich
festgelegt, eng gefasst und gut begründet werden", verlangen die
Verbraucherzentralen. Gerechtfertigt sein könnten Ausnahmen etwa,
"wenn der Nennwert des Geldscheins in einem deutlichen
Missverhältnis zum zu zahlenden Betrag steht oder Wechselgeld trotz
sorgfältiger Planung nicht mehr verfügbar ist".
Bei einem Verbraucheraufruf des Verbands gingen von Mitte März bis
Mitte Juni online 1.300 Meldungen zu schwierigen Fällen beim
Barzahlen ein. Zwar werde Bargeld aktuell meistens noch im Handel,
für Dienstleistungen oder in Behörden akzeptiert - aber die
Akzeptanz nehme immer weiter ab, heißt es zum Ergebnis. "Selbst
Kleinstbeträge müssen in einigen Geschäften digital bezahlt werden."
Viele wollten oder könnten aber nicht mit Karte oder Smartphone
bezahlen.
Barzahlung funktioniert auch ohne Internet
Für Anbieter seien digitale Zahlungen bequem, da Diebstahlrisiken
und der Aufwand mit Scheinen und Münzen reduziert würden. Für Kunden
biete Bargeld aber viele Vorteile, die es zu bewahren gelte, mahnen
die Verbraucherzentralen. Es schütze die Privatsphäre, ermögliche
eine einfache Kontrolle der eigenen Ausgaben - und funktioniere
immer, auch ohne Internet und Strom. Bei digitalen Zahlungen komme
es immer wieder zu Problemen, beispielsweise weil das Kartenterminal
nicht funktioniert oder eine Karte nicht akzeptiert wird.
Traditionell ist Bargeld in Deutschland weiterhin beliebt, doch die
Nutzung sinkt. So wurden 2023 nach einer Bundesbank-Studie 51
Prozent der Bezahlvorgänge im Alltag bar beglichen - sieben Punkte
weniger als bei einer Studie 2021.
Bundesbank: Flächendeckende Bargeld-Akzeptanz
Nach einer im Dezember vorgelegten Untersuchung der Bundesbank ist
die Akzeptanz nahezu flächendeckend. Bei 2.000 Testkäufen in
Einzelhandel, Gastronomie und bei Dienstleistern im Sommer war
demnach in 98,7 Prozent der Fälle Barzahlung im ersten Anlauf
möglich, bei 0,7 Prozent auf Rückfrage oder an anderen Kassen. Bei
Stichproben in Behörden etwa beim Ausstellen von Ausweisen habe sich
aber gezeigt, dass Barzahlungen nicht immer möglich sind - in acht
von 30 Fällen sei das nicht gegangen, erläuterte die Bundesbank.
Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands
zeigen sich auch breitere Probleme. So gaben 30 Prozent an, im
vergangenen halben Jahr in einem Café oder Geschäft vor der
Situation gestanden zu haben, nicht bar bezahlen zu können, weil
dies nicht möglich war - nicht in einer solchen Situation waren
demnach 67 Prozent. Befragt wurden den Angaben zufolge vom Institut
Eye Square vom 21. bis 30. Oktober 1.000 Menschen ab 16 Jahren,
allerdings nur bezogen auf Personen, die das Internet
nutzen./sam/DP/zb
ISIN DE000CBK1001 DE0005140008 US92826C8394 US57636Q1040 US70450Y1038
AXC0039 2026-01-05/06:00
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Autor: - dpa-AFX
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