| GESAMT-ROUNDUP: 30.000 Berliner am dritten Tag ohne Strom |
| 05.01.2026 13:35:00 |
Am dritten Tag des Stromausfalls im Südwesten
Berlins kämpfen noch rund 30.000 Menschen mit Kälte und weiteren
großen Einschränkungen. Von den anfangs etwa 45.000 Haushalten
erhielten bis Sonntagabend etwa 15.000 wieder Energie. Der Betreiber
Stromnetz Berlin versucht, die durch den vermutlich
linksextremistischen Brandanschlag vom Samstag zerstörten
Starkstromleitungen so schnell wie möglich zu reparieren.
Angekündigt war die komplette Behebung des Schadens bis Donnerstag.
"Angreifbarkeit abstellen"
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte im
ZDF-"Morgenmagazin": "Das zeigt einmal mehr, dass es 100-prozentige
Sicherheit nicht gibt." Der Staat sei bei solchen Angriffen
weiterhin angreifbar. "Diese Angreifbarkeit müssen wir abstellen",
betonte er. Das brauche jedoch Zeit. Nur ein geringer Anteil des
Stromnetzes verlaufe überhaupt oberirdisch. Diesen Teil gelte es
effektiver zu schützen - etwa mit Videoüberwachung und
Sicherheitsdiensten.
Wegner hatte den Anschlag als Terrorismus eingestuft. Das
Landeskriminalamt (LKA) und der Verfassungsschutz seien
eingeschaltet. Berlin sei auch im Austausch mit dem
Bundeskriminalamt und der weiteren Bundesebene.
Das Schreiben der mutmaßlichen Täter "Vulkangruppe" trägt die
Überschrift "Den Herrschenden den Saft abdrehen". "In der Gier nach
Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden,
niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört", hieß es dort. Das
Gaskraftwerk in Lichterfelde sei "erfolgreich sabotiert" worden.
Erster Schultag fiel für viele aus
Für viele Schüler in den betroffenen Stadtteilen im Bezirk
Steglitz-Zehlendorf fiel am ersten Tag nach den Weihnachtsferien die
Schule aus. Die Senatsverwaltung für Bildung veröffentlichte eine
Liste mit Schulen, die wegen des Stromausfalls zunächst geschlossen
bleiben müssen - darunter Grundschulen sowie weiterführende Schulen
und Berufsschulen. Für rund 20 betroffene Schulen wurden
Notbetreuungen an anderen Schulen eingerichtet.
Bezirk, Feuerwehr und andere Hilfsorganisationen richteten bislang
sechs Notunterkünfte in Sporthallen und Gebäuden der Verwaltung ein.
Dazu gibt es in zahlreichen Gemeindehäusern und Kirchen, die
Möglichkeit, sich aufzuwärmen, sich zu waschen und an Strom zu
kommen.
Viele Supermärkte haben inzwischen wieder geöffnet. Weitere sollen
über Notstrom angeschlossen werden, teilte der Senat mit. Die
Polizei informiere die betroffenen Menschen mit 30 Lautsprecherwagen
und zeige auch ansonsten erhöhte Präsenz, um Kriminalität zu
verhindern. Die Bundeswehr unterstütze inzwischen bei Logistik,
Transport und Betrieb von Notstromaggregaten.
Krisenstab eingerichtet
Der Senat richtete einen Krisenstab ein, geleitet von der
Senatsinnenverwaltung. Dort sollen die Arbeiten der betroffenen
Senatsverwaltungen und der Bezirke sowie die Zusammenarbeit mit
Hilfsorganisationen koordiniert werden.
Die Berliner Tourismusagentur Visit Berlin rief 200 Partnerhotels
dazu auf, Hotelzimmer für betroffene Berliner zur Verfügung zu
stellen. "Die Hotelzimmer können bis zur vollständigen Behebung des
Schadens und zur Wiederherstellung der Stromversorgung zu
Sonderkonditionen (ab 70 Euro pro Doppelzimmer inkl. Frühstück)
gemietet werden."
Giffey: Stromkabelverlauf künftig geheimer halten
Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen zu
dem Brandanschlag. Sie begründete dies mit der "besonderen Bedeutung
des Einzelfalls". Auch im Fall des rund 60-stündigen Stromausfalls
in Treptow-Köpenick Mitte September 2025 hatte die
Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen geführt.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) forderte dazu
Unterstützung vom Bund. "Ich glaube, dass es jetzt vor allen Dingen
um Bundeshilfe bei den Ermittlungen gehen muss", sagte sie im
RBB-Inforadio. "Die Frage ist: Sind das einfach nur linke Gruppen
von Aktivisten, die ideologisch unterwegs sind oder steckt da mehr
dahinter?" Zudem verlangte Giffey, Informationen zum Verlauf von
wichtigen Stromkabeln künftig geheimer zu halten. "Sie finden sehr
viel im Internet", sagte sie dem Deutschlandfunk. Es dürften nicht
noch mehr kritische Daten veröffentlicht werden.
Die Grünen wollen eine doppelte Absicherung für das Stromnetz. Wie
könne es sein, dass ein Anschlag an einer einzigen Stelle so
gravierende Folgen habe, fragte der Abgeordnete Vasili Franco. "Es
müssen alle vulnerablen Stellen identifiziert werden." Für jede
Schwachstelle sei eine entsprechende Absicherung nötig. Die
Grünen-Abgeordnete Gollaleh Ahmadi kritisierte: "Der Senat hat
Sicherheit jahrelang fast ausschließlich mit Polizeipräsenz
gleichgesetzt und versäumt, unsere Infrastruktur resilienter zu
machen."/rab/DP/zb
AXC0151 2026-01-05/13:35
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Autor: - dpa-AFX
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