| KORREKTUR/ROUNDUP: Brandenburgs SPD/BSW-Koalition am BSW-Streit zerbrochen |
| 06.01.2026 14:55:00 |
(Im 8. Absatz, 2. Satz muss es heißen: BSW-Parteigründerin Sahra
Wagenknecht)
POTSDAM (dpa-AFX) - Die bundesweit einzige SPD/BSW-Koalition in
Brandenburg ist nach mehr als einem Jahr am Streit im BSW
zerbrochen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte die
Koalition in Potsdam für beendet. Nach dem Partei- und
Fraktionsaustritt mehrerer BSW-Landtagsabgeordneter und einem
internen Streit ließ sich die Krise beim Bündnis Sahra Wagenknecht
(BSW) nicht mehr eindämmen.
"Durch diesen Zerfall der Fraktion ist die Basis für die
Zusammenarbeit in einer Koalition, die Basis für die Arbeit auf der
Basis einer demokratischen Mehrheit nicht mehr gegeben", sagte
Woidke. "Deswegen ist für mich die Grundlage des Koalitionsvertrags
damit entfallen." In den kommenden Wochen werde de facto eine
Minderheitsregierung weiterarbeiten. Die bisherigen Minister sollen
vorerst im Amt bleiben.
Gespräche mit der CDU geplant
Eine Koalition von SPD und CDU ist damit die einzige verbliebene
Option, wenn es keine Regierung mit der AfD und keine
Minderheitsregierung geben soll. Der Regierungschef stellte
Gespräche mit der CDU in Aussicht. "Mein Ziel ist es, möglichst
schnell, aber auch mit der nötigen Sorgfalt zu einer demokratischen
Mehrheit für die Regierung im Brandenburger Landtag zu kommen",
sagte Woidke. "Die Gespräche werden da geführt sicherlich in den
nächsten Wochen, Monaten dann mit der CDU. Und das wird nicht leicht
werden."
Nach der Landtagswahl 2024 war eine solche Koalition wegen des Patts
- also einer fehlenden Mehrheit - verworfen worden. Mit den
Übertritten ehemaliger BSW-Abgeordneter zur SPD-Fraktion, darunter
der Vize-Regierungschef, Finanzminister Robert Crumbach, hätte ein
solches Bündnis nun eine Mehrheit von zwei Stimmen.
Tiefe Krise in der BSW-Fraktion
Die Koalition von SPD und BSW war im Dezember 2024 gestartet und
hatte damals zwei Stimmen Mehrheit. Im November geriet Rot-Lila ins
Schlingern: Der Austritt von vier Abgeordneten aus der BSW-Partei
stürzte die Landtagsfraktion in eine Krise. Sie gaben als Gründe
unter anderem "autoritäre Tendenzen" in der Partei an. Zwei
Abgeordnete traten später wieder ein.
Am Montag trat dann auch der frühere BSW-Landeschef Crumbach aus der
Partei und der Fraktion aus. Die anderen beiden aus der Partei
ausgetretenen Abgeordneten, Jouleen Gruhn und André von Ossowski,
verließen am Dienstag ebenfalls die Fraktion, der sie bisher noch
angehörten. Damit verlor die Koalition ihre Mehrheit. Die SPD nahm
Crumbach und Gruhn in ihre Fraktion auf, die nun 34 Abgeordnete hat.
BSW will kein Bekenntnis zur Koalition abgeben
Die SPD hatte vor dem Jahreswechsel einen Treueschwur des Partners
zur Koalition verlangt. Alle damals 14 BSW-Abgeordneten sollten sich
zur Koalition bekennen. BSW-Landeschefin Friederike Benda, der
Fraktionsvorsitzende Niels-Olaf Lüders und die Bundesspitze des BSW
hatten aber erklärt, sie lehnten die Forderung nach einem formellen
Bekenntnis zur Koalition ab. Benda forderte von Woidke die
Entlassung Crumbachs - und einen Mandatsverzicht der ausgetretenen
Abgeordneten.
Seit mehreren Wochen hatte Woidke das BSW immer wieder aufgefordert,
die internen Konflikte zu beenden. Die BSW-Parteigründerin Sahra
Wagenknecht erklärte vor Weihnachten, sie halte an der Koalition
fest und hoffe, die Probleme ließen sich lösen. Entzündet hatte sich
der Konflikt im November am Streit um das mehrheitliche Nein der
Fraktion zur Rundfunkreform. Die Koalition stimmte gespalten und
hatte keine eigene Mehrheit, die CDU rettete die Reform.
AfD will Neuwahl - Woidke lehnt ab
Die AfD fordert bereits eine Neuwahl. "Das Regierungschaos in
Brandenburg kann nur eine logische Konsequenz haben: Sofortige
Neuwahlen!", schrieb Parteichefin Alice Weidel beim Portal X. Woidke
lehnt dies aber ab. "Was sollten Neuwahlen denn jetzt bringen?",
sagte er. "Außer dass wir ein ähnliches Ergebnis haben werden." Auch
eine länger währende SPD-Minderheitsregierung ist nicht sein Ziel.
Die AfD im Landtag dringt auf einen raschen Zusammentritt des
Parlaments. "Wir werden eine Sondersitzung des Landtags heute
beantragen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer Dennis
Hohloch. Die Rechtsaußen-Partei könnte bei einer Neuwahl angesichts
von Umfragewerten von 35 Prozent hoffen, mit Abstand stärkste Partei
zu werden./vr/mow/wpi/DP/mis
AXC0179 2026-01-06/14:55
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Autor: - dpa-AFX
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