| ROUNDUP 2: Brandenburgs SPD zieht Reißleine - Aus für Koalition mit BSW |
| 06.01.2026 15:08:00 |
(mit mehr Details)
POTSDAM (dpa-AFX) - Die bundesweit einzige SPD/BSW-Koalition
Brandenburg ist nach wochenlangem Zoff im BSW gescheitert.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte die Koalition in
Potsdam für beendet. Er will zunächst mit einer Minderheitsregierung
weitermachen, strebt aber eine Koalition mit der CDU an. Die CDU
zeigte sich offen für ein Bündnis.
"Mit dem heutigen Austritt zweier weiterer Abgeordneter aus der
BSW-Fraktion setzt sich der Zerfall dieser Landtagsfraktion weiter
fort", sagte Woidke. Durch diesen Zerfall sei die "Basis für die
Zusammenarbeit in einer Koalition" auf Grundlage einer
demokratischen Mehrheit nicht mehr gegeben.
Der Groll beim BSW ist groß. Die BSW-Bundesvorsitzende Amira Mohamed
Ali macht der SPD wegen des Bruchs schwere Vorwürfe:
Ministerpräsident Woidke handele verantwortungslos. "Das BSW ist ein
unbequemer Koalitionspartner, weil wir für eine andere Politik
stehen und nicht für ein politisches Weiter-so."
BSW wollte keinen Treueschwur
Die BSW-Landtagsfraktion war nach dem Austritt von drei Abgeordneten
zerbrochen - damit ist die Zwei-Stimmen-Mehrheit der Koalition
futsch. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) weigerte sich zudem, der
Forderung der SPD nach einem Bekenntnis zur Koalition nachzukommen.
Zuvor hatte es monatelang gegenseitige Anschuldigungen in der
Fraktion gegeben.
Die in Deutschland neuartige Koalition startete im Dezember 2024 -
damals bereits als Projekt mit Vorbehalten, auch weil das BSW erst
einige Monate zuvor gegründet wurde. Im vergangenen Sommer gab
Finanzminister Robert Crumbach wegen der Doppelbelastung den
BSW-Landesvorsitz an Friederike Benda ab. Benda wollte stärker klare
Kante zeigen.
Austritte und nochmal Austritte
Im November geriet Rot-Lila ins Schlingern: Der Austritt von vier
Abgeordneten aus der BSW-Partei stürzte die Landtagsfraktion und die
Koalition in eine Krise. Sie gaben als Gründe unter anderem
"autoritäre Tendenzen" in der Partei an. Zwei Abgeordnete traten
später wieder ein. Dagegen lief die Zusammenarbeit im Kabinett
praktisch reibungslos.
Am Montag trat Crumbach aus Partei und Fraktion aus. Die
Abgeordneten Jouleen Gruhn und André von Ossowski verließen am
Dienstag ebenfalls die BSW-Fraktion. Die SPD nahm Crumbach und Gruhn
in ihre Fraktion auf, die nun 34 Abgeordnete hat. Beide ebneten
damit den Weg für eine mögliche SPD/CDU-Koalition, die nun zwei
Stimmen Mehrheit hätte - wie bisher SPD und BSW, wobei eine
BSW-Stimme unsicher war.
Streit im BSW ließ sich nicht lösen
Woidke hatte das BSW mehrfach aufgefordert, die internen Konflikte
zu beenden. Die BSW-Parteigründerin Sahra Wagenknecht erklärte noch
vor Weihnachten, sie halte an der Koalition fest und hoffe, die
Probleme ließen sich lösen.
Entzündet hatte sich der Konflikt im November am Streit um das
mehrheitliche Nein der Fraktion zur Rundfunkreform. Die Koalition
stimmte gespalten und hatte keine eigene Mehrheit, die CDU rettete
die Reform.
Weichen stehen auf möglicher SPD/CDU-Koalition
In den kommenden Wochen soll laut Woidke eine Minderheitsregierung
weiterarbeiten - die bisherigen Minister bleiben dabei vorerst im
Amt. "Bis es eine neue Koalition gibt, bleibt alles so wie es ist",
sagte Woidke. "Mein Ziel ist es, möglichst schnell, aber auch mit
der nötigen Sorgfalt zu einer demokratischen Mehrheit für die
Regierung im Brandenburger Landtag zu kommen", so der
Ministerpräsident. "Die Gespräche werden da geführt sicherlich in
den nächsten Wochen, Monaten dann mit der CDU. Und das wird nicht
leicht werden."
Nach der Landtagswahl 2024 war eine solche Koalition wegen des Patts
- also einer fehlenden Mehrheit - verworfen worden. Eine Koalition
von SPD und CDU ist die einzige Option ohne Regierungsbeteiligung
der AfD. Von den Christdemokraten kamen bereits positive Signale.
"Brandenburg braucht jetzt Stabilität und Verlässlichkeit und wir
stehen selbstverständlich als CDU zur Verfügung, darüber zu
sprechen, wie die Union dazu beitragen kann", sagte CDU-Landes- und
Fraktionschef Jan Redmann. Die Vorgänge der vergangenen Monate
hätten "einen weiteren Beitrag zur Politikverdrossenheit" geleistet.
AfD will Neuwahl - Woidke lehnt sie ab
Die AfD fordert hingegen eine Neuwahl. "Das Regierungschaos in
Brandenburg kann nur eine logische Konsequenz haben: Sofortige
Neuwahlen!", schrieb Parteichefin Alice Weidel beim Portal X. Woidke
lehnt dies ab. "Was sollten Neuwahlen denn jetzt bringen?", sagte
er. "Außer dass wir ein ähnliches Ergebnis haben werden." Die AfD im
Landtag will eine Sondersitzung des Landtags. Die Rechtsaußen-Partei
war in der jüngsten Umfrage in Brandenburg stärkste Kraft mit 35
Prozent./vr/mow/wpi/DP/mis
AXC0184 2026-01-06/15:08
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Autor: - dpa-AFX
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