| ROUNDUP: Priorität Wirtschaft - wie die Union die Krise beenden will |
| 06.01.2026 17:20:00 |
CDU und CSU wollen im neuen Jahr die Bekämpfung
der Wirtschaftskrise ins Zentrum der Regierungsarbeit stellen, um
einen Stimmungswechsel zu erreichen und die AfD zu schwächen.
CSU-Chef Markus Söder forderte bei der Klausur der
CSU-Bundestagsabgeordneten in Kloster Seeon von der schwarz-roten
Koalition, bereits getroffene Vereinbarungen wegen der schlechten
Wirtschaftslage im Land neu zu bewerten. Kanzler Friedrich Merz
(CDU) räumte in einem Schreiben an die Abgeordneten von Union und
SPD der Ankurbelung der deutschen Wirtschaft für 2026 ebenfalls
höchste Priorität ein.
Unternehmenssteuerreform auf 2026 vorziehen
Konkret forderte Söder das sofortige Vorziehen der für 2028
verabredeten Reform der Unternehmenssteuer rückwirkend ab dem 1.
Januar 2026. Von der Summe her sei dies "gar nicht viel, aber es ist
zentral für Deutschland". In der internen Sitzung bezifferte Söder
dem Vernehmen nach hierfür Kosten von 4,6 Milliarden Euro. Im
Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD auf eine Senkung der
sogenannten Körperschaftsteuer in fünf Schritten um jeweils einen
Prozentpunkt beginnend mit dem 1. Januar 2028 geeinigt.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann betonte, die Stärkung der
Wirtschaft sei eines der zentralen Themen, um die Zustimmungswerte
für die AfD wieder zu senken. Was die Menschen motiviere, die AfD zu
wählen, sei "Verunsicherung in vielerlei Hinsicht", sagte er dem
Deutschlandfunk. Das sei "definitiv das Thema Migration", aber auch
die "Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung im Land, zum Teil auch
Sorge um den eigenen Arbeitsplatz".
Viele Proteste vor dem Tagungsgelände
Wie dringend nötig auch CDU und CSU selbst einen Stimmungswechsel
haben, zeigt sich schon beim Eintreffen an dem idyllisch gelegenen
Kloster Seeon unweit des Chiemsees. Hebammen, Lehrer, Polizisten und
wütende Bürger säumen trotz eisiger Minusgrade aus unterschiedlichen
Gründen die Einfahrt mit Protestschildern.
Intern zeigt sich zu Jahresbeginn, dass die CSU-Parlamentarier
anders als noch vor einem Jahr zwar als Vertreter einer
Regierungspartei anreisen - die demonstrative Zuversicht früherer
Jahre hat bei vielen aber gelitten. "Es ist schon paradox, wir sind
inhaltlich seit der Wahl mehr als gut unterwegs, aber bei der
Stimmung im Land kommt es einfach nicht an", fasst ein führender
CSU-Bundestagsabgeordneter die Lage zusammen. 2026 müsse das Jahr
des Stimmungswechsels werden, ohne lähmende Debatten und
Koalitionszwist. "Wir brauchen endlich wieder Zuversicht, den
Turnaround."
Auch Söder macht in seinem Eingangsstatement keinen Hehl aus dem
Stimmungstief: "Die nationale Stimmung ist weiter extrem gedrückt
und unser Ziel muss sein, in diesem Jahr auch einen dauerhaften
Stimmungsumschwung zu erreichen". Es brauche "eine
Faktenverbesserung mit dem Ziel, dass die Union auch dauerhaft
wieder über 30 Prozent ist und die AfD zurückgedrängt wird, als die
bisherige Nutznießerin schwieriger Zeiten". Aktuell liegen CDU und
CSU in Umfragen nur bei Werten um die 25 Prozent.
Komplizierte Stimmungslage - auch in der Union
Konnte die Union als Oppositionsführerin im Bundestag aus der
düsteren Lage noch Profit schlagen, leidet sie nun in
Regierungsverantwortung zunehmend unter der neuen deutschen
Depression. Weder die Bundesregierung noch Bayerns Staatsregierung
stehen derzeit einer mehrheitlich zufriedenen Wählerschaft gegenüber
- und dies, obwohl sie etwa in der Migrationspolitik tatsächlich
schon viele Versprechen eingelöst haben.
Und das alles zu Beginn eines Wahljahres, das es in sich hat. Acht
Wahlen stehen 2026 an - darunter fünf Landtagswahlen in
Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt,
Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Für die CSU ist zudem die
Kommunalwahl am 8. März von herausragender Bedeutung - hier drohen
ebenfalls massive Verluste an die überall im Land lauernde AfD.
Merz: Lage in einigen Wirtschaftsbereichen "sehr kritisch"
Der Kanzler stimmte die Abgeordneten von Union und SPD in einem
Brief zum Jahresauftakt auf das Reformjahr 2026 ein. Alle bisher
getroffenen Entscheidungen hätten die wirtschaftliche
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands noch nicht hinreichend verbessern
können, die Lage sei "in einigen Bereichen sehr kritisch", heißt es
in dem vierseitigen Schreiben des Regierungschefs, das der Deutschen
Presse-Agentur vorliegt.
"Wir werden uns im Jahr 2026 deshalb darauf konzentrieren müssen,
die richtigen politischen und gesetzlichen Entscheidungen zu
treffen, um die Standortbedingungen durchgreifend zu verbessern."
Nur so könne die deutsche Wirtschaft wieder wachsen und aus der
Krise herauskommen, schreibt der CDU-Vorsitzende.
Miersch pocht auf Tariftreue und stabile Löhne
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch pochte allerdings darauf, die
soziale Komponente dabei nicht aus dem Blick zu verlieren.
"Wettbewerbsfähigkeit gelingt nur mit Tariftreue, stabilen Löhnen
und funktionierenden Sozialreformen", sagte er dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Wer Wachstum will, muss
Arbeit schützen, Innovationen sowie Investitionen fördern und
soziale Sicherheit stärken." Dafür werde die SPD-Fraktion klare
Akzente setzen und damit bei ihrer Klausurtagung in dieser Woche
beginnen.
Um Sozialpolitik geht es auch in Söders Rede vor den Abgeordneten.
Für den selbstbewussten Franken, der selbst wegen einer
Hüftoperation derzeit noch mit Krücken unterwegs ist, braucht
Deutschland den Mut zu schwierigen Sozialreformen, die auch "weh
tun" werden. Die Punkte, die er hier benennt, dürften bei den
Sozialdemokraten mehr als nur Stirnrunzeln hervorrufen: längere
Arbeitszeit, restriktivere Regeln für Krankschreibungen, Ende der
Rente mit 63 und gegen "das Blaumachen"
"Besser, schneller und mit weniger Streit"
Derartige Entscheidungen könnten die Koalition möglicherweise
zunächst unbeliebter in der Bevölkerung machen, orakelte Söder. "Das
kann im ersten Moment auch ein, zwei Prozent kosten." Letztlich
seien sie aber alternativlos. Und als wolle er jeglichen Protest aus
der SPD schon im Keim ersticken, mahnt Söder praktisch im gleichen
Atemzug wie seine Forderungen: Die Koalition müsse 2026 "besser,
schneller und mit weniger Streit regieren"./had/DP/nas
AXC0213 2026-01-06/17:20
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Autor: - dpa-AFX
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