| ROUNDUP 2: Merz will Ukraine-Waffenstillstand mit absichern |
| 06.01.2026 21:04:00 |
(neu: Details)
PARIS (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat eine
militärische Beteiligung Deutschlands an der Absicherung eines
möglichen Waffenstillstands in der Ukraine in Aussicht gestellt.
"Dazu kann zum Beispiel gehören, dass wir nach einem
Waffenstillstand Kräfte für die Ukraine auf benachbartem Nato-Gebiet
einmelden", sagte er nach einem Treffen der in der sogenannten
"Koalition der Willigen" vereinten Verbündeten der Ukraine in Paris.
"Über Art und Umfang eines deutschen Beitrags müssen und werden
Bundesregierung und Deutscher Bundestag entscheiden, sobald die
genannten Bedingungen geklärt sind", sagte der CDU-Vorsitzende. "Ich
will für mich sagen und auch für die Bundesregierung: Wir schließen
dabei grundsätzlich nichts aus." Das bedeutet, dass auch eine
Stationierung von Bundeswehrsoldaten in der Ukraine selbst nicht
ausgeschlossen ist.
Frankreich und Großbritannien treibende Kräfte
Bereits seit Monaten wird unter den Verbündeten darüber diskutiert,
wie ein möglicher Waffenstillstand oder Frieden abgesichert und die
Ukraine vor neuen Angriffen Russlands geschützt werden kann.
Frankreich und Großbritannien waren dabei bisher die treibenden
Kräfte und erklärten sich zum Entsenden eigener Truppen bereit.
Deutschland hat dagegen die Position eingenommen, dass sich die
Frage erst stelle, wenn die Bedingungen eines Waffenstillstands
geklärt seien.
Jetzt ändert Merz diesen Kurs. Er erklärt seine grundsätzliche
Bereitschaft zu einer militärischen Beteiligung Deutschlands. Wie
viele deutsche Soldaten sich beteiligen und welche Aufgaben sie
übernehmen würden, bleibt aber zunächst offen. Neben Merz stellte
auch Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez bei dem Pariser Gipfel
erstmals das Entsenden von Truppen in Aussicht. Die spanische
Regierung werde vorschlagen, die Tür für eine Beteiligung
militärischer Kapazitäten in der Ukraine zu öffnen, sagte Sánchez in
Paris.
Verbindliche Sicherheitsgarantien mit Militärhilfe
Die westlichen Unterstützer stellten der Ukraine in einer
gemeinsamen Erklärung bei dem Pariser Gipfel erstmals verbindliche
Sicherheitsgarantien in Aussicht, was ein starkes Signal und
Engagement ist. "Wir sind bereit, uns zu einem System politisch und
rechtlich verbindlicher Garantien zu verpflichten, das in Kraft
tritt, sobald eine Waffenruhe in Kraft tritt", teilte
EU-Ratspräsident António Costa nach den Beratungen mit.
Ein zentraler Punkt dabei ist der Plan, der Ukraine politisch und
rechtlich verbindlich zuzusichern, sie im Fall eines erneuten
russischen Angriffs nicht allein zu lassen. "Diese Verpflichtungen
können den Einsatz militärischer Kapazitäten umfassen", hieß es
ausdrücklich in der gemeinsamen Erklärung. Die USA sicherten der
Koalition bei dem Pariser Gipfel ihre Unterstützung zu und werden
laut der Abschlusserklärung bei der Überwachung eines
Friedensabkommens eine Schlüsselrolle einnehmen.
An den Beratungen in Paris waren Vertreter aus 35 Ländern beteiligt,
darunter 27 Staats- und Regierungschefs. Auch der ukrainische
Staatschef Wolodymyr Selenskyj und Nato-Chef Mark Rutte nahmen an
dem Gipfel teil. Für die USA waren der US-Sondergesandte Steve
Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald
Trump, dabei.
Multinationale Truppe nimmt Form an
Bei den Gesprächen der von Frankreich und Großbritannien angeführten
Koalition ging es auch um die geplante multinationale Truppe zur
Absicherung eines Friedens zwischen Russland und der Ukraine. Wie es
in der gemeinsamen Erklärung hieß, soll diese Truppe unter
europäischer Führung stehen und eine Kommandozentrale in Paris
erhalten. Die USA wollen diese Truppe demnach etwa mit ihrem
Nachrichtendienst und logistisch unterstützen.
Nach einem Waffenstillstand wollten Großbritannien und Frankreich
Militärstützpunkte in der Ukraine aufbauen und geschützte Anlagen
für Waffen und militärische Ausrüstung bauen, sagte der britische
Premierminister Keir Starmer. Frankreich könne mehrere tausend
Soldaten für eine Friedenssicherung in Richtung Ukraine entsenden,
sagte Präsident Emmanuel Macron nach dem Gipfel dem Sender France 2.
Worauf hat sich die Koalition bereits verständigt?
26 westliche Länder hatten sich im September bereit erklärt, Truppen
zur Absicherung eines Waffenstillstands oder Friedens zwischen
Russland und der Ukraine zu entsenden. Dabei geht es um Bodentruppen
oder Kräfte in der Luft oder auf See, die nicht unbedingt in der
Ukraine selbst, sondern auch in Grenznähe beziehungsweise der Region
zum Einsatz kommen können. Der Truppeneinsatz soll jede neue größere
Aggression verhindern und zur dauerhaften Sicherheit der Ukraine
beitragen. Frankreich hatte mehrfach klargestellt, dass es nicht um
einen Fronteinsatz, sondern eine Friedenswahrung von weiter weg
gehe.
Auch nach den Pariser Beratungen blieb unklar, was die USA konkret
zur Wahrung eines Friedens in der Ukraine beisteuern wollen. Zuvor
hatte es von einem hochrangigen US-Beamten geheißen, dass kein
Einsatz von US-Bodentruppen geplant sei. US-Präsident Donald Trump
hatte vor Monaten noch versprochen, dass es keinen Einsatz von
US-Truppen in der Ukraine geben werde. Die Vereinigten Staaten seien
aber bereit, die verbündeten Europäer zu unterstützen - etwa aus der
Luft.
Der US-Sondergesandte Steve Wittkoff sagte nach dem Treffen nur,
Trump wolle für die von der US-Seite in Aussicht gestellten
Sicherheitsgarantien einstehen. "Der Präsident weicht nicht von
seinen Zusagen ab", sagte Wittkoff. Trump setze sich "entschieden"
für die Ukraine und ein Friedensabkommen ein. Witkoff zeigte sich
zuversichtlich, dass die USA im Falle neuer Angriffe Russlands die
Sicherheitsgarantien leisten würden.
Außerdem ist weiterhin offen, welche Länder sich konkret mit wie
vielen Soldaten und Militärgerät an der in Paris nun vereinbarten
Friedenstruppe beteiligen wollen.
Wie blickt Moskau auf die "Koalition der Willigen"?
Russland lehnt eine mögliche Präsenz ausländischer Truppen in der
Ukraine - zumal aus Nato-Staaten - strikt ab. Solche Einheiten seien
für die russische Armee ein legitimes Angriffsziel, heißt es.
Aus Moskauer Sicht ist die "Koalition der Willigen" ein europäisches
Projekt und wird deshalb abgelehnt. Kremlchef Wladimir Putin und
seine Führung setzen darauf, Konfliktfragen bilateral mit Trump zu
lösen. Den europäischen Staaten wirft der Kreml vor, sie wollten den
Krieg verlängern und seien Russland feindlich gesonnen - auch wenn
dieses sie gar nicht angreifen wolle./evs/DP/nas
AXC0259 2026-01-06/21:04
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Autor: - dpa-AFX
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