| ROUNDUP 3: Polizei durchsucht Sparkasse nach Millionen-Coup |
| 07.01.2026 06:50:00 |
Nach dem spektakulären Einbruch in eine
Gelsenkirchener Sparkasse hat die Polizei das Institut am Dienstag
durchsucht. Es sei dabei vorrangig um die Sicherung von Daten
betroffener Kunden gegangen, sagte ein Polizeisprecher nach
Abschluss der Maßnahme. Außerdem wolle man mit der Sicherung von
Beweismaterial vor Ort einen objektiven Überblick erlangen - etwa
zur Frage, welche Mitarbeiter Zugang zum Tresorraum hatten,
erläuterte er.
Es gehe dabei nicht um einen Verdacht gegen die Sparkasse oder
einzelne Mitarbeiter, betonte der Sprecher. "Wir haben keinen
Verdacht gegen irgendwen", stellte er klar. Am Abend waren mehrere
Kisten und Säcke von der Polizei mitgenommen worden. Zu dem
Millionen-Coup ermittelt eine besondere Aufbauorganisation der
Polizei mit dem Namen "Bohrer".
Die Sparkasse Gelsenkirchen betonte, man unterstütze die
Ermittlungsbehörden nach Kräften und habe sich in keiner Weise gegen
die Herausgabe von geforderten Daten gesperrt. Die
Staatsanwaltschaft habe "beispielsweise Videoaufnahmen und Listen
angefordert, deren Zusammenstellung, Sicherung und Übermittlung mehr
Zeit in Anspruch nehmen", teilte die Sparkasse in einer
Stellungnahme am Abend mit. "Die Herausgabe war uns daher bislang
nicht möglich."
Die Täter sind weiter auf der Flucht. Sie waren in einen Archivraum
der Sparkassen-Filiale im Stadtteil Buer eingedrungen, von dem aus
sie ein großes Loch in den Tresorraum bohrten. Sie brachen fast alle
3.250 Kunden-Schließfächer auf.
Einsatzkräfte hatten den Einbruch vergangene Woche Montag nach einem
Alarm der Brandmeldeanlage entdeckt. Die Beutetour zog sich
möglicherweise über mehrere Tage hin. Der Schaden wird noch
ermittelt. Er soll nach ersten Schätzungen der Polizei im mittleren
zweistelligen Millionenbereich liegen, könnte aber sogar noch
deutlich höher sein.
Filiale bleibt weiter geschlossen
Die Sparkasse bleibt nach Angaben eines Sparkassensprechers vorerst
weiter geschlossen. Der geplünderte Tresorraum sei von der Polizei
versiegelt worden. Bevor die Bank ihre Tätigkeit wieder aufnehmen
könne, müssten Unterlagen und Gegenstände in dem Raum für die Kunden
gesichert werden. Es sei aktuell schwer zu sagen, wie lange das noch
dauern werde.
Inzwischen hätten mehr als 1.500 Kunden über eine telefonische
Hotline oder auf anderem Weg Kontakt mit der Bank aufgenommen, sagte
der Sparkassensprecher. Mit Zustimmung der Kunden würden die Daten
an die Polizei weitergeleitet, die automatisch Anzeige erstellt. Die
Schließfächer sind laut Sparkasse pauschal bis zu einer Summe von
jeweils 10.300 Euro versichert.
Allein daraus ergibt sich bei mehr als 3.000 Schließfächern eine
mögliche Schadenssumme von rund 30 Millionen Euro. Über 100 Kunden
hätten aber Zusatz-Versicherungen über höhere Summen abgeschlossen,
sagte der Sparkassensprecher. Auch bei der Polizei seien teilweise
Schadenssummen deutlich über dem versicherten Wert genannt worden,
teils sechsstellige, sagte ein Polizeisprecher.
Vorwürfe gegen die Sparkasse
Der Marler Anwalt Burkhard Benecken, der nach eigenen Angaben knapp
50 Geschädigte vertritt, warf der Bank eine mögliche Verletzung der
Aufklärungspflicht vor. Dass es eine Versicherungshöchstgrenze gab,
sei vielen Mandanten erst nachträglich klargeworden. "Sie sind aus
allen Wolken gefallen", sagte er.
Zwar stehe dies in den Schließfachverträgen, aber die Einleger seien
meist juristisch unerfahren, die Bank hätte sie aktiv darauf
hinweisen müssen, sagte Benecken. Dies könne möglicherweise zu einer
Grundlage für zivilrechtliche Ansprüche gegen die Sparkasse werden.
Der Sparkassensprecher sagte, dass die Begrenzung der Haftung in den
Verträgen "klar und explizit enthalten" sei.
300.000 bis 400.000 Euro im Schließfach
Bei seinen Mandanten liege der Schnitt der eingelagerten Werte bei
mindestens 100.000 Euro pro Schließfach, manche hätten 300.000 bis
400.000 Euro gelagert, sagte Benecken. Der Anwalt widersprach
Spekulationen über Schwarzgeld in den Fächern. Ein Großteil seiner
Mandanten habe bereits Nachweise über einen seriösen Erwerb - etwa
Videos von der Einlagerung von Bargeld oder Goldschmuck - vorgelegt.
Benecken hatte zuvor mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" gesprochen.
Der spektakuläre Einbruch mit Millionenbeute soll kommende Woche
Dienstag in einer Sondersitzung des Innenausschusses im
nordrhein-westfälischen Landtag aufgearbeitet werden. Die SPD hatte
einen entsprechenden Antrag eingereicht, der der Deutschen
Presse-Agentur vorliegt. Demnach soll es neben dem Sachstand der
Ermittlungen auch um Fragen nach Schwachstellen im
Sicherheitskonzept der Sparkasse und mögliche Verbindungen zur
organisierten Kriminalität gehen./rs/DP/zb
AXC0038 2026-01-07/06:50
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Autor: - dpa-AFX
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