| ROUNDUP/Anschlag auf Stromnetz: Mutmaßliche Täter weisen Spekulationen zurück |
| 07.01.2026 10:30:00 |
Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz ist
ein zweites Bekennerschreiben der mutmaßlichen Täter aufgetaucht.
Vonseiten der Ermittler gab es zunächst keine Bestätigung dazu. In
dem Schreiben wurden Spekulationen zu einer möglichen Beteiligung
russischer Akteure zurückgewiesen. Über das Schreiben, das der
Verfassungsschutz für authentisch hält, berichteten unter anderem
der "Tagesspiegel", "Bild" und der rbb.
Darin heißt es unter anderem: "Zu den kursierenden Unterstellungen
einer angeblichen "False-Flag-Aktion" eines ausländischen Staates
sagen wir klar: Diese Spekulationen sind nichts weiter als der
Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren." Dass Menschen vor Ort
in der Lage seien, Infrastruktur anzugreifen, passe nicht in das
Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden. Die Beweggründe der
Gruppe seien weder neu noch geheim. "Wer nun behauptet, hinter jeder
Form von Sabotage müsse zwangsläufig ein fremder Geheimdienst
stehen, verweigert sich der Realität gesellschaftlicher Konflikte im
Inneren", hieß es weiter.
In dem Schreiben hieß es zudem, dass sich ihre Aktion "nicht gegen
Menschen" richte, sondern gegen eine Infrastruktur, die täglich die
Umwelt zerstöre.
Gruppe bekannte sich in erstem Schreiben
In der Folge des mutmaßlich linksextremistisch motivierten
Brandanschlags waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst
45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Die
Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Aus
ihrer Sicht besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage,
Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung
und Störung öffentlicher Betriebe.
In einem ersten Bekennerschreiben hatte eine der
linksextremistischen "Vulkangruppen", die seit 2011 vor allem in
Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die
öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen, die Tat für sich
reklamiert.
"Bislang gar keine Hinweise"
Im Zuge des Brandanschlags gab es Spekulationen über die
Urheberschaft in Richtung Russland und einer seiner Geheimdienste im
Internet. Mit Blick auf entsprechende Vermutungen hatte Berlins
Polizei-Vizepräsident Marco Langner betont: "Darauf gibt es bislang
gar keine Hinweise." Und weiter: "Die Prüfungen, die wir vorgenommen
haben in Zusammenarbeit mit dem BKA, weisen eben auf diese
Vulkangruppe hin - und zwar sehr deutlich. Wir sehen dieses
Bekennerschreiben als authentisch an und können damit sagen, es
kommt aus dem linksextremistischen Bereich."
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) teilte auf Nachfrage zu
dem neuen Schreiben mit: "Wir halten es für authentisch." Der
Nachrichtendienst sieht in den "Vulkangruppen" nicht eine
Gruppierung mit einer einheitlichen Führung, sondern geht vielmehr
davon aus, dass es sich um verschiedene Gruppen aus dem Bereich des
militanten Anarchismus handelt.
Alltägliche Abläufe stören
Das BfV hatte im vergangenen September in einer Veröffentlichung zu
Angriffen von Linksextremisten auf Infrastruktur und Unternehmen
geschrieben, Ziel der "Vulkangruppen" sei es, "die alltäglichen
Funktionsabläufe zu stören, um dem verhassten kapitalistischen
System Schaden zuzufügen".
Aus Sicherheitskreisen hieß es, die "Vulkangruppen" verfolgten
grundsätzlich das gleiche Ziel und nutzten daher ein gemeinsames
"Label". Zu einzelnen Aktionen könne es jedoch in diesem Kreis
durchaus unterschiedliche Einschätzungen geben./sak/DP/nas
AXC0110 2026-01-07/10:30
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Autor: - dpa-AFX
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