| Stromversorgung im Berliner Südwesten ist angelaufen |
| 07.01.2026 11:27:00 |
Nach dem tagelangen großflächigen Stromausfall im
Berliner Südwesten ist die Energieversorgung für das betroffene
Gebiet wieder angelaufen. Schrittweise sollten in den nächsten
Stunden sämtliche Haushalte wieder Strom haben, teilte ein Sprecher
der landeseigenen Stromnetzgesellschaft mit. Bereits in der Nacht
konnte die entscheidende provisorische Kabelverbindung wieder
hergestellt und positiv getestet werden, hieß es.
"Bevor der Strom jedoch für alle wieder da ist, wird es für einige
der bereits wiederversorgten Kunden im ursprünglich betroffenen
Gebiet zu einer circa 15 Minuten langen Stromunterbrechung kommen",
teilte Stromnetz Berlin weiter mit. "Ähnlich wie bei einem Wechsel
eines Steckers zu einer anderen Steckdose wird so die
Wiederversorgung über die provisorische Leitung am Teltowkanal
sichergestellt."
Im Verlauf des Vormittags wurden kritische Einrichtungen wie
Krankenhäuser und Pflegedienste informiert, dass der Strom bald
wieder fließen könne. Per Warnsystem wurden auch die
Verbraucherinnen und Verbraucher aufgefordert, Notstromaggregate vom
Netz zu nehmen, um Schäden zu vermeiden.
Noch kürzere Stromausfälle möglich
Im Laufe des Tages sollte die Versorgung in sämtlichen Haushalten
aber stabil laufen. Die Behörden riefen die Menschen auf,
unmittelbar nach der Zuschaltung zum Stromnetz keine Geräte mit
starkem Stromverbrauch zu benutzen. Genannt wurden beispielsweise
Waschmaschinen, Wäschetrockner, Wasserkocher, Heizlüfter oder
Ladestationen für E-Fahrzeuge.
Der Stromausfall infolge eines Anschlags auf eine Kabelbrücke im
Bezirk Steglitz-Zehlendorf war den Angaben zufolge der längste der
Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Seit Samstagmorgen waren
45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe ohne Strom. Nach Angaben des
Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) waren insgesamt rund
100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. Berlin hatte am Sonntag
eine sogenannte Großschadenslage ausgerufen.
Nach und nach kamen bereits in den vergangenen Tagen immer mehr
Haushalte wieder ans Netz. Um die Gesamtversorgung möglichst rasch
wieder herzustellen, arbeitete die Stromnetz-Gesellschaft an einer
provisorischen Lösung: Zwei Leitungen mit besonders großer
Transportkapazität wurden am Umspannwerk Dahlem miteinander
verbunden. Die Arbeiten gestalteten sich kompliziert, zum einen
wegen der niedrigen Temperaturen und zum anderen aufgrund der
unterschiedlichen Materialien der beiden Kabel.
Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen übernommen
Zu dem Brandanschlag im Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte sich eine
linksextremistische Gruppierung bekannt. Bei den Ermittlungen zu den
Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei sprach von sehr
umfangreicher Tatortarbeit.
Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat inzwischen die Ermittlungen
übernommen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde
besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage,
Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung
und Störung öffentlicher Betriebe.
In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen
"Vulkangruppen", die seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg
immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt
haben sollen, die Tat für sich reklamiert.
In Berlin und Brandenburg sind nach Erkenntnissen der
Sicherheitsbehörden seit 2011 insgesamt zwölf Brandanschläge auf die
öffentliche Infrastruktur begangen worden, nach denen anonyme
Autoren, die sich selbst als "Vulkangruppen" bezeichneten,
Bekennerschreiben veröffentlichten.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht nach aktuellem
Erkenntnisstand beim jüngsten Brandanschlag von einer authentischen
Taterklärung der "Vulkangruppe - Den Herrschenden den Saft abdrehen"
und einem linksextremistisch motivierten Anschlag aus. "Es muss
angenommen werden, dass hinter den "Vulkangruppen" nicht ein
einzelner Personenzusammenschluss steht", teilte das Bundesamt auf
Anfrage mit. Vielmehr dürfte es sich um mehrere Gruppen handeln, die
nach Art eines Franchise den Namen "Vulkangruppe" nutzen.
Ideologisch seien die "Vulkangruppen" der militant-anarchistischen
Strömung zuzuordnen.
Politik spricht von Terrorismus
Berlins Innenverwaltung hatte das Bekennerschreiben am Sonntag als
authentisch eingestuft. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach -
wie zuvor der Regierende Bürgermeister Wegner - von
"Linksterrorismus". Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf
genommen, dass Menschen zu Schaden kämen. Auch CDU-Generalsekretär
Carsten Linnemann sagte im "Frühstart" von RTL und ntv: "Das ist
Terror. Das ist Linksextremismus."/maa/DP/nas
AXC0128 2026-01-07/11:27
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Autor: - dpa-AFX
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