| GESAMT-ROUNDUP: Was plant Trump mit Grönland? |
| 07.01.2026 14:10:00 |
Im Streit um Grönland sendet
die US-Regierung widersprüchliche Botschaften: Das Weiße Haus
schließt einen Militäreinsatz zur Annexion ausdrücklich nicht aus,
während Außenminister Marco Rubio Berichten zufolge einen Kauf der
riesigen Arktisinsel favorisiert. Grönland mit seinen rund 56.000
Einwohnern ist weitgehend autonom, gehört aber offiziell zum
Königreich Dänemark.
Die dänische Regierung weist den Anspruch von US-Präsident Donald
Trump Amerikas, den er mit nationalen Sicherheitsinteressen
begründet, entschieden zurück - ebenso die militärischen Drohungen.
Regierungschefin Mette Frederiksen warnte vor einem Ende der Nato,
sollten die USA Grönland angreifen.
Größte Insel der Welt mit strategischer Bedeutung
Grönland, die größte Insel der Welt, ist etwa sechsmal so groß wie
Deutschland. Es liegt strategisch wichtig zwischen den USA, Russland
und Europa. Auch der Großteil der Grönländer lehnt einen Anschluss
an Amerika ab.
Trumps Sprecherin Karoline Leavitt erklärte zu den US-Plänen: "Der
Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses
wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich
steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als
Option zur Verfügung."
Trump soll neuen Plan zum Ankauf Grönlands verlangt haben
Außenminister Marco Rubio, aktuell auch Trumps Nationaler
Sicherheitsberater ist, sagte Medienberichten zufolge in einer
vertraulichen Sitzung mit US-Abgeordneten, dass die jüngsten
Drohungen keine militärische Invasion signalisieren sollten. Das
Ziel sei ein Kauf Grönlands, berichteten das "Wall Street Journal"
und die "New York Times" unter Berufung auf mit der Angelegenheit
vertraute Personen.
Unter Berufung auf Beamte berichtete die "New York Times" weiter,
dass Trump um einen aktualisierten Plan zum Kauf der Insel gebeten
habe. Trump hatte die Idee bereits während seiner ersten Amtszeit
ins Spiel gebracht.
Dänemark und Europäer wehren sich gegen US-Vorstöße
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen sagte nach einer
Krisensitzung im dänischen Parlament: "Es ist besorgniserregend,
dass wir einen amerikanischen Präsidenten haben, der eine solche
Ambition hat." Er fügte an: "Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen,
dass sie nicht wahr wird." Fraglich ist allerdings, wie Dänemark
konkret dafür sorgen will.
Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und
Dänemark sowie die nordischen Länder hatten sich am Dienstag in
gemeinsamen Erklärungen mit Grönland solidarisiert. Abzuschrecken
scheint das Trump und seine Regierung nicht. In Dänemark werden nun
Rufe nach einer Vermittlung durch Nato-Generalsekretär Mark Rutte
laut.
Trump verweist auf chinesische und russische Schiffe
Trump verweist bei seinen Besitzansprüchen unter anderem darauf,
dass entlang der grönländischen Küste viele russische und
chinesische Schiffe unterwegs seien. Es gehe ihm nicht um die
Bodenschätze dort, davon hätten die USA selbst genug. Amerika
brauche Grönland für seine nationale Sicherheit.
Experten verweisen dagegen darauf, dass die USA durch mehrere
Abkommen mit Dänemark schon jetzt weitgehende Rechte haben, die
Insel militärisch zu nutzen. In Pituffik, rund 1500 Kilometer
nördlich von Nuuk, betreibt das US-Militär einen Stützpunkt, der
Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und
Weltraumüberwachungsmissionen unterstützt.
Dänischer Forscher: Sollten die USA angreifen, heißt es "Game Over"
Sollten die USA Grönland tatsächlich angreifen, stünde das
Nato-Mitglied Dänemark allein da, prognostiziert der Forscher Peter
Viggo Jakobsen von der dänischen Verteidigungsakademie. "Niemand
wird militärisch einen Finger für Grönland rühren", sagte Jakobsen
dem dänischen Rundfunk. Falls die Amerikaner angreifen, heiße es
"Game Over". "Und dann müssen sich die Grönländer damit abfinden,
dass es einen neuen Hausmeister gibt."
Bei den Bewohnern der Arktisinsel wächst angesichts der verschärften
Drohungen die Sorge um die Zukunft des Landes. "Die letzten Tage
waren sehr, sehr schwierig - und emotional aufwühlend", sagte Pitsi
Karolussen in der Hauptstadt Nuuk dem dänischen Fernsehen.
"Andererseits versuche ich auch, ruhig zu bleiben, weil wir nicht
wissen, was passieren wird." Sie wolle sich sicher in ihrem Land
fühlen können.
Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979
immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen
weitgehend autonom. Über Bereiche wie Außen- und
Verteidigungspolitik entscheidet weiter Dänemark - durch die
Anbindung an Dänemark ist Grönland auch Teil der Nato.
Gegenwind auch im US-Kongress
Im US-Kongress gibt es in der Sache ebenfalls vereinzelt Kritik an
Trumps Regierung. Die demokratische Senatorin Jeanne Shaheen und der
republikanische Senator Thom Tillis, beide Mitglieder im Auswärtigen
Ausschuss, teilten mit: Wenn Dänemark und Grönland klarstellten,
dass die Insel nicht zum Verkauf stehe, müssten die USA ihre
Vertragsverpflichtungen einhalten und die Souveränität Dänemarks
respektieren.
USA haben schon lange ein Auge auf Grönland geworfen
Trump ist nicht der erste US-Präsident, der ein Auge auf Grönland
geworfen hat. Schon in den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß
zum Kauf, der aber scheiterte. Nach dem Zweiten Weltkrieg boten die
USA 100 Millionen Dollar für Grönland - und in den 1970ern soll
Vizepräsident Nelson Rockefeller laut US-Medien erneut mit
Kaufgedanken gespielt haben./rin/DP/mis
AXC0173 2026-01-07/14:10
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Autor: - dpa-AFX
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