| ROUNDUP 2: Koalition droht neuer Streit um Steuerreformen |
| 07.01.2026 15:29:00 |
(neu: Details)
SEEON/BERLIN (dpa-AFX) - Der schwarz-roten Bundesregierung droht zum
Jahresauftakt neuer Streit wegen gegensätzlicher Positionen zu
Steuerreformen. CDU und CSU wollen eine Senkung von
Unternehmensteuern vorziehen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die SPD
spricht sich dafür aus, sehr hohe Erbschaften stärker als bislang zu
besteuern.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann erteilte diesen SPD-Plänen
bei der Klausur im oberbayerischen Kloster Banz eine Absage. Dies
ginge "in Richtung einer Erhöhung der Erbschaftssteuer". Es handele
sich daher um eine "leistungsfeindliche" Steuerreform. "Und wenn ich
eben Wachstum und Wirtschaft stützen und fördern will, dann muss ich
alles tun, was leistungsfreundlich ist und alles vermeiden, was
leistungsfeindlich ist."
Steuerreform vorziehen?
Bundestag und Bundesrat haben im vergangenen Sommer ein
Wachstumspaket beschlossen. Dazu gehören milliardenschwere
Steuerentlastungen für Unternehmen - konkret geht es um verbesserte
Regelungen für Abschreibungen, damit Unternehmen mehr investieren.
Wenn dieser "Investitions-Booster" ausgelaufen ist, soll ab 2028
schrittweise die Körperschaftsteuer sinken - und zwar von derzeit 15
Prozent auf 10 Prozent im Jahr 2032. Das soll die Liquidität in den
Unternehmen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.
Angesichts der anhaltenden Wachstumsschwäche fordert CSU-Chef Markus
Söder nun ein sofortiges Vorziehen der Reform rückwirkend ab dem 1.
Januar 2026. In einer internen Sitzung bezifferte Söder dem
Vernehmen nach hierfür die Kosten auf 4,6 Milliarden Euro.
Auch der CDU-Vorstand um Kanzler Friedrich Merz will sich bei seiner
Klausur in Mainz am Freitag und Samstag unter anderem für ein
Vorziehen der Reduzierung der Körperschaftsteuer starkmachen. Das
geht es aus dem Entwurf für eine "Mainzer Erklärung" hervor, die bei
dem Treffen beschlossen werden soll und der dpa vorliegt. Anders als
die CSU nennt die CDU kein konkretes Datum. Voraussetzung für das
Vorziehen der Steuersenkung sei, dass die Haushaltssituation von
Bund und Ländern es zulässt. In der Finanzplanung klaffen aber
Milliardenlücken.
Kritik von SPD-Fraktionsvize Esdar an Söder
Aus der SPD kam Kritik an der Forderung von Söder. Die
stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar sagte, die
Koalition habe sich vorgenommen, die anstehenden Herausforderungen
gemeinsam und zielorientiert anzugehen. "So auch die Frage, wie die
sehr große Haushaltslücke in der Finanzplanung gerecht geschlossen
werden kann." Seit Wochen liefen dazu gute und vertrauliche
Gespräche hinter den Kulissen.
"Der jetzige CSU-Vorstoß stellt die Frage, ob sich die CSU nun aus
diesem vertraulichen Verfahren verabschieden möchte oder ob das Ziel
ist, einfach mal öffentlich Dinge zu fordern, die beim Bund und vor
allem auch bei den Ländern zu Fehlbeträgen im jeweils zweistelligen
Milliarden-Bereich führen würden", so Esdar. "Das sind Forderungen
aus dem Wolkenkuckucksheim, die aktuell schlicht nicht finanzierbar
sind und mit Mehrbelastungen der arbeitenden Familien einhergehen
würden."
CDU will weitere Entlastungen
Die CDU fordert in dem Papier außerdem Bürokratieabbau, flexiblere
Arbeitszeiten und eine Vereinfachung der Gewerbesteuer sowie eine
Senkung der Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen zur
Mitte der Legislaturperiode - also in der ersten Hälfte des Jahres
2027. Dies ist im Koalitionsvertrag so angekündigt - ebenso wie eine
Steuerfreiheit für Überstundenzuschläge. Die Reduzierung der
Stromsteuer für alle will die CDU schnellstmöglich umsetzen.
Wirtschaft lobt Pläne aus Union - Kritik an SPD
Die Union bekommt für ihre Steuerpläne auch Unterstützung aus der
Wirtschaft: "Das Vorziehen der Körperschaftsteuersenkung auf 2026
wäre das richtige Signal", sagte Rainer Kirchdörfer, Vorstand der
Stiftung Familienunternehmen und Politik. "Dieser Schritt würde
Unternehmen schnell entlasten und wäre national und international
ein starkes Signal für mehr Wettbewerbsfähigkeit." Auch die
Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, Hildegard Müller,
betonte in Seeon die hohe Bedeutung einer Unternehmenssteuerreform.
Die Steuernabgaben in Deutschland seien derzeit "am oberen Ende des
OECD-Schnitts".
Kirchdörfer kritisierte, die Erbschaftssteuerpläne der SPD würden zu
einer gewaltigen Steuererhöhung für Familienunternehmen führen und
private Investitionen erschweren. Müller nannte die Pläne "toxisch
für Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand in vielen Regionen
Deutschlands".
Miersch kündigt Reformvorschlag nach Gerichtsurteil an
SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hatte der "Rheinischen Post"
gesagt, sehr hohe Erbschaften sollten stärker als bislang besteuert
werden. "Reiche Erben müssen sich mehr am Gemeinwohl beteiligen, das
ist eine Frage der Gerechtigkeit. Bislang gibt es viel zu viele
Schlupflöcher, sodass normale Erben besteuert werden, Super-Erben
sich aber drücken können."
Im Laufe des Jahres ist eine Entscheidung des
Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer zu erwarten, wie ein
Gerichtssprecher sagte. Es geht dabei um die Frage, ob
Begünstigungen bei der Übergabe von Betrieben gegen den
Gleichheitsgrundsatz verstoßen.
"Unser Reformvorschlag soll die Erbschaftsteuer gerechter, einfacher
und zukunftsfest machen", betonte Esdar. "Dafür gilt es zum einen,
übliche private Erbschaften innerhalb der Familie mit einem
Lebensfreibetrag komplett steuerfrei vererbbar zu machen, und zum
anderen, millionenschwere Unternehmens-Erbschaften höher zu
besteuern." Diese würden derzeit oft komplett steuerfrei übertragen.
"Das ist massiv ungerecht und sorgt dafür, dass die Schere zwischen
Arm und Reich immer größer wird."
CSU fordert schon lange Senkung und Regionalisierung der Steuer
Die CSU verfolgt ihrerseits schon lange einen eigenen Reformplan für
die Erbschaftsteuer. Im Kern fordert sie eine deutliche Senkung und
Regionalisierung der Abgabenregelung. "Der Staat darf sich nicht
unverhältnismäßig an der Lebensleistung von Eltern bereichern, die
jahrzehntelang Wohlstand erarbeitet haben, um ihre Kinder und Enkel
abzusichern. Wir wollen deshalb die Freibeträge bei der
Erbschaftsteuer deutlich erhöhen und die Erbschaftsteuer
regionalisieren", heißt es dazu auch im Positionspapier der CSU,
welches auf der Klausur beschlossen werden soll./had/DP/nas
AXC0199 2026-01-07/15:29
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Autor: - dpa-AFX
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