| ROUNDUP: Wegner wegen Tennis-Match in Berliner Stromkrise unter Druck |
| 07.01.2026 21:06:00 |
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner
kommt wegen seines Agierens im längsten Stromausfall der Berliner
Nachkriegsgeschichte unter Druck. Der CDU-Politiker räumte ein, am
Samstag wenige Stunden nach Beginn des Blackouts im Berliner
Südwesten Tennis gespielt zu haben - während sich 100.000 Betroffene
ohne Strom und Heizung, Internet und Handy-Empfang mitten im Winter
große Sorgen machten, vor Ort eilig Notunterkünfte aufgebaut wurden
und Hilfe anlief.
"Ich habe von 13.00 bis 14.00 Tennis gespielt, weil ich einfach den
Kopf freikriegen wollte", sagte Wegner bei Welt TV. "Ich war die
ganze Zeit erreichbar, auch als ich Tennis gespielt habe. Das Handy
war auf laut gestellt, bin danach sofort zurückgefahren und habe
weitergearbeitet." Zuvor hatte der RBB über das Thema berichtet.
Kritik an Wegners Krisenmanagement
Der durch einen mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag
verursachte Stromausfall wurde am Mittwochmittag behoben und die
Versorgung komplett wieder hergestellt. Kurz danach kam Wegners
Eingeständnis und löste einen Sturm der Entrüstung aus. AfD- und
FDP-Politiker forderten seinen Rücktritt. Acht Monate vor der Wahl
zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September attackierten auch
Linke und Grüne Wegner hart, ebenso Spitzenkandidat Steffen Krach
vom Koalitionspartner SPD. Ihr Tenor: Wegner habe die betroffenen
Menschen im Stich gelassen, sei seiner Rolle als Regierungschef
nicht gerecht geworden und habe die Öffentlichkeit über seine
Aktivitäten am ersten Tag des Mega-Blackouts belogen.
Wegner stand wegen seines Krisenmanagements ohnehin bereits in der
Kritik. Vertreter anderer Parteien, aber auch Kommentatoren Berliner
Medien kreideten dem 53-Jährigen an, dass er nicht bereits am
Samstag vor Ort in den vom Stromausfall betroffenen Stadtteilen
präsent war, sondern erst am Sonntag. Er hatte das unter anderem
damit begründet, dass er vor Ort im Krisengebiet keine Möglichkeit
gehabt habe, Telefonate zur Organisation von Hilfe zu führen - es
gab dort keinen Internet- und Handyempfang.
Wegner am Sonntag: "War den ganzen Tag am Telefon"
Am Sonntag hatte Wegner dann nach einem Besuch in einer
Notunterkunft auf eine bissige Journalistenfrage geantwortet: "Ich
habe mich gestern weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt,
sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht zu
koordinieren und mich bestmöglich zu informieren, weil ich denke,
das hilft den Menschen noch mehr." Er sei am Samstag zu Hause
gewesen und habe sich in sein Büro eingeschlossen, sagte der
CDU-Politiker weiter.
Nun räumte er ungeschicktes Verhalten ein. "Rückblickend hätte ich
das am Sonntag sagen sollen, was ich am Samstag gemacht habe, aber
ich sage Ihnen ganz ehrlich: Mein Fokus waren die 45. 000
Haushalte", so Wegner im RBB.
100.000 Menschen von Stromausfall betroffen
Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk
Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppe
bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst
45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Insgesamt rund
100.000 Menschen waren betroffen. In den vergangenen Tagen wurde
schrittweise ein Teil der Kunden wieder angeschlossen. Am fünften
Tag gelang es dem landeseigenen Netzbetreiber Stromnetz Berlin
schließlich, alle Betroffenen wieder mit Strom zu versorgen.
Eine Senatssprecherin sagte nach Wegners Äußerungen zum
Tennis-Match, der Regierungschef habe am Samstag zunächst kurz nach
8.00 Uhr, als er über den Stromausfall informiert worden sei,
Telefonate geführt, unter anderem mit dem Kanzleramt und dem
Innenministerium und verschiedenen Senatsverwaltungen. Ziel war es
demnach, Hilfe zu organisieren - so hatte es auch Wegner selbst in
den vergangenen Tagen erläutert. Zudem hatten er beziehungsweise
sein Umfeld betont, dass ohne sein Engagement Hilfe vom Bund, etwa
durch die Bundeswehr, nicht so rasch gekommen wäre.
Wahlkampf-Munition für den politischen Gegner
Im aufkommenden Wahlkampf für die auch bundesweit nicht unwichtige
Berlin-Wahl im September liefert Wegner mit seinem Agieren nun eine
Steilvorlage für die politische Konkurrenz. Die Chance, sich auch
mit symbolhaften Bildern als kraftvoller Krisenmanager zu
inszenieren wie etwa Kanzler Gerhard Schröder (SPD) 2002 beim
Elbe-Hochwasser, hat der 53-Jährige wohl verpasst.
"Kai Wegner hat vermutlich nicht daheim im verschlossenen
Arbeitszimmer Tennis gespielt", ätzte der SPD-Politiker Krach.
Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf, der selbst ins Rote Rathaus
einziehen will, meinte, die Berlinerinnen und Berliner hätten
"andere Ansprüche" an einen Regierenden Bürgermeister. Eine
Rücktrittsforderung vermieden beide - sie kommen nach der nächsten
Wahl als potenzielle Koalitionspartner der CDU infrage.
AfD fordert Rücktritt
Linken-Landeschef Maximilian Schirmer erklärte: "Wer lieber Tennis
spielt, als in der größten Not bei den Menschen zu sein, sollte sich
vielleicht überlegen, ob dieser Job noch der richtige für ihn ist."
Die AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker forderte
Wegners umgehenden Rücktritt. Er habe die Stromkrise nicht ernst
genug genommen.
Die Frage, ob er zurücktreten wolle, beantwortete Wegner im RBB am
Abend nicht mit Ja oder Nein. "Dass die Opposition das jetzt sagt,
das kann ich ja nicht verhindern", sagte er./kr/ah/DP/jha
AXC0273 2026-01-07/21:06
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Autor: - dpa-AFX
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