| ROUNDUP: Merz stimmt Koalition auf schwieriges Jahr 2026 ein |
| 08.01.2026 15:53:00 |
So hat sich der Kanzler den Start in das wichtige
Wahl- und Reformjahr 2026 sicher nicht vorgestellt: Erst muss die
CDU wegen eines angekündigten Wintersturms ihre Klausur in Mainz
ganz absagen, dann kommt der CDU-Chef zur Klausur der CSU im
oberbayerischen Kloster Seeon wegen Eis und Schnee zu spät. Er sei
der Einladung gerne gefolgt, "auch wenn die Anreise heute Morgen
etwas schwieriger war als gedacht", sagte Merz vor Journalisten bei
der deutlich verspäteten Pressekonferenz.
Auch inhaltlich gibt das neue Jahr zunächst nur wenig Grund für
Optimismus oder gar Aufbruchstimmung. "Wir stehen am Anfang des
Jahres 2026, und obwohl das Jahr erst gerade mal eine Woche alt ist,
sind wir mit allen Themen konfrontiert, die uns auch im letzten Jahr
beschäftigt haben", betonte Merz. Die außenpolitische Lage bleibe
"herausfordernd", auch die Aufgaben in der Wirtschafts- und in der
Sozialpolitik seien groß. "Wir haben in diesem Jahr wichtige
Entscheidungen zu treffen."
Das sind die wohl fünf größten Baustellen, vor denen die
Unionsparteien 2026 stehen:
1. Wie kommt die Wirtschaft wieder in Schwung?
In einem Brief an die Koalitionsfraktionen zum Jahresauftakt hatte
Merz die Lage bereits ziemlich düster gezeichnet. In Seeon legte er
nach und nannte sie "unverändert besorgniserregend". Die Unternehmen
seien in einer sehr schwierigen Lage "und das zeigt sich
mittlerweile auch in ziemlich drastischen Zahlen des deutschen
Arbeitsmarktes". Dieser sei verkrustet und "verfestigt in der
Langzeitarbeitslosigkeit". "Und ich bin entschlossen, mit dieser
Koalition auch Wege aufzuzeigen, wie wir herauskommen, wie wir vor
allen Dingen unsere strukturelle Wachstumsschwäche überwinden."
Die Unionsparteien sind sich einig, dass es - sofern es die
finanziellen Spielräume zulassen - eine stärkere Steuerentlastung
von Unternehmen, mehr Bürokratieabbau und flexiblere Arbeitszeiten
geben muss, um die Wirtschaft neu anzukurbeln. Mit den
Steuervorschlägen ecken sie schon jetzt beim Koalitionspartner SPD
an. Statt Steuersenkungen für Unternehmen hätten die
Sozialdemokraten lieber eine Erhöhung der Erbschaftssteuer.
2. Wie groß wird der Wurf bei den Sozialreformen?
Noch schwieriger als die steuerlichen Anpassungen dürften die
Sozialreformen werden, die sich die Koalition vorgenommen hat -
allen voran der Umbau des Rentensystems. Bis Mitte des Jahres soll
die dazu eingesetzte Kommission Vorschläge machen. Die Unionsführung
muss dabei das Kunststück vollziehen, die jungen
Bundestagsabgeordneten nicht wieder auf die Barrikaden zu bringen.
Deren Vertrauen in den Kanzler hat in dem erbitterten Streit über
die Rentengesetze im vergangenen Jahr erheblich gelitten.
3. Wie kommt man durch das schwierige Superwahljahr?
Ihre Sozialreformen muss die Koalition in einem Superwahljahr
zustande bringen, dass die Kompromissfindung sicher nicht einfacher
macht. CSU-Chef Markus Söder rechnet schon jetzt damit, dass
mögliche Einschnitte "ein, zwei Prozent kosten" könnten. Bei acht
Wahlen werden 2026 die Machtverhältnisse in Landtagen, Kreistagen
und Stadträten neu justiert - in der Union wird 2026 deshalb schon
als "schwerstes Jahr" für die Koalition bezeichnet. Aus CDU-Sicht
sind die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im
März noch die "einfachsten" - alle Umfragen deuten darauf hin, dass
sie hier zwei Ministerpräsidentenposten hinzugewinnen kann. Richtig
schwierig wird es aber im September, wenn in zwei ostdeutschen
Bundesländern gewählt wird.
4. Wie stoppt man die AfD?
In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt geht es um nicht
weniger als die Frage, ob die AfD erstmals einen Ministerpräsidenten
in einem Bundesland stellt. In beiden Ländern kommt sie in den
Umfragen derzeit an die 40-Prozent-Marke heran. Selbst wenn die AfD
die absolute Mehrheit nicht erreichen sollte, könnte eine Situation
eintreten, in der eine Regierungsbildung jenseits von AfD und Linke
nicht möglich ist. Dann muss sich die CDU entscheiden, ob sie bei
ihrem Parteitagsbeschluss von 2018 bleiben will, eine Koalition oder
koalitionsähnliche Zusammenarbeit mit der Linken auszuschließen.
Denn die Brandmauer zur AfD will die Union nach jetzigem Stand auf
keinen Fall kippen.
Wirklich erfolgreiche Rezepte für den Umgang mit der AfD etwa durch
Sachpolitik sucht die Union bisher vergeblich, weshalb viele auf
einen generellen Stimmungswechsel im Land hoffen.
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann betonte, die
"Verunsicherung in vielerlei Hinsicht" müsse weichen, um die
Zustimmungswerte für die AfD zu senken.
5. Was wird aus der deutschen Führungsrolle in Europa?
In seinen ersten acht Regierungsmonaten hat sich Merz den Ruf
erarbeitet, Deutschland wieder als Führungskraft in Europa etabliert
zu haben. Allerdings gab es auch Rückschläge, wie den EU-Gipfel im
September, bei dem er bei der Nutzung des in der EU eingefrorenen
russischen Vermögens für die Unterstützung der Ukraine und beim
Mercosur-Abkommen nicht ganz das erreicht hat, was er sich
vorgenommen hat.
In diesem Jahr werden weitere schwierige Bewährungsproben folgen -
unter anderem möglicherweise die schwierige Frage, in welchem Umfang
Deutschland sich im Fall eines Waffenstillstands an einer
Schutztruppe für die Ukraine beteiligen wird. Die grundsätzliche
Bereitschaft zu einem deutschen Engagement hat der Kanzler bereits
erklärt.
In diesem Punkt scheint es in der Koalition schon jetzt weitgehende
Einigkeit zu geben: SPD-Fraktionschef Matthias Miersch erklärte bei
der Klausur seiner Fraktion in Berlin, er schließe nicht aus, "dass
eine deutsche Beteiligung bei der Absicherung stattfindet". CSU-Chef
Söder ging noch einen Schritt weiter - er stellte in Aussicht, seine
Partei werde in der Frage in jedem Fall den Kurs des Kanzlers
unterstützen./mfi/had/DP/nas
AXC0242 2026-01-08/15:53
|
Autor: - dpa-AFX
|
| Copyright APA/dpa-AFX. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von APA/dpa-AFX ist nicht gestattet. |
|
|
| DAX | 25.261,64 | 134,18 | 0,53% |
| TecDax | 3.820,24 | 40,19 | 1,06% |
| MDAX | 32.167,17 | 84,14 | 0,26% |
| Dow Jones (EOD) | 49.504,07 | 237,96 | 0,48% |
| Nasdaq 100 | 25.766,26 | 259,16 | 1,02% |
| S & P 500 (EOD) | 6.966,28 | 44,82 | 0,65% |
| SMI | 13.421,82 | 71,00 | 0,53% |
|
| EUR/US$ | 1,1634 | -0,00 | -0,22% |
| EUR/Yen | 183,7313 | 0,82 | 0,45% |
| EUR/CHF | 0,9319 | 0,00 | 0,05% |
| EUR/Brit. Pfund | 0,8680 | 0,00 | 0,06% |
| Yen/US$ | 0,0063 | 0,00 | -0,64% |
| CHF/US$ | 1,2488 | -0,00 | -0,22% |
|
| baha Brent Indication | 62,97 | 0,08 | 0,13% |
| Gold | 4.495,39 | 63,59 | 1,43% |
| Silber | 78,01 | 2,63 | 3,49% |
| Platin | 2.299,70 | 96,91 | 4,40% |
| |
|
|