| ROUNDUP/Berliner Blackout: Krisenmanagement wird geprüft |
| 09.01.2026 06:35:00 |
Die Folgen des tagelangen Stromausfalls sind für
Berlin längst nicht ausgestanden. Regierungschef Kai Wegner (CDU)
hat eine "schonungslose Analyse" des Krisenmanagements angekündigt -
und steht selbst weiter wegen seines umstrittenen Tennisspiels
während der Notlage unter Druck. Der CDU-Politiker könnte auch
schnell aufs Neue als politischer Macher gefordert sein, denn eine
Sturmfront mit Schneeverwehungen könnte am Freitag die
Millionenmetropole durcheinander wirbeln.
Furcht vor weiteren Brandanschlägen
Dazu kommt die Furcht vor weiteren Brandanschlägen auf die
Infrastruktur: Am Donnerstag löste eine neue Anschlagsdrohung einen
Polizeieinsatz im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf aus - festgestellt
wurde aber nichts. Nach dpa-Informationen wurden elf Stellen
überprüft. Zuvor hatten "Bild" und "B.Z." berichtet. In der Nacht
war demnach auf der Internetplattform "Indymedia" die Ankündigung
einer sogenannten linksextremistischen Vulkangruppe aufgetaucht,
Stromleitungen in den östlichen Bezirken anzugreifen. Später
verschwand das Schreiben aus dem Netz. Ein Brandanschlag war auch
Ursache des Stromausfalls im Südwesten, Linksextremisten haben sich
dazu bekannt.
Wegner, der CDU-Spitzenkandidat für die Wahl eines neuen
Landesparlaments im September ist, sieht trotz scharfer Kritik und
Rücktrittsforderungen keinen Anlass, sich für sein umstrittenes
Tennismatch zu entschuldigen. Dafür gebe es keinen Grund, sagte er
am Donnerstag. Schließlich sei der größte Blackout der Berliner
Nachkriegsgeschichte mit rund 100.000 Betroffenen schon am
Mittwochvormittag repariert worden, einen Tag früher als vom Senat
angekündigt.
Wegner auch selbstkritisch
Erneut äußerte Wegner aber auch Selbstkritik. Dass er von dem
einstündigen Sporttermin am Samstagmittag, wenige Stunden nach
Beginn des Stromausfalls, tagelang nichts gesagt hat, stufte er als
Fehler ein. Zugleich verteidigte er das Tennisspiel mit seiner
Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU).
"Mir war an diesem Tag wichtig, dass ich eine Stunde Sport mache",
sagte Wegner. "Ich musste abschalten. Ich musste herunterkommen. Ich
musste meine Gedanken fassen und ordnen."
Wegner ist seit April 2023 Regierungschef, seine CDU koaliert mit
der SPD. Am 20. September wird in der Hauptstadt ein neues
Abgeordnetenhaus gewählt.
Koalitionspartner geht auf Distanz
Die Berliner Grünen-Spitzenpolitikerin Bettina Jarasch sagte der
"Augsburger Allgemeinen" (Freitag), Wegner habe versagt und
Vertrauen in der Bevölkerung verloren. "Ein Regierungschef, der nach
fünf Stunden im Homeoffice schon überfordert ist und eine Auszeit
braucht, ist dem Amt nicht gewachsen."
Auch der Koalitionspartner SPD war bereits auf Distanz gegangen.
Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey sagte zu dem Tennismatch: "Ich
kann es nicht ganz nachvollziehen."
Wegner sieht sich auch mit dem Vorwurf der Lüge konfrontiert, denn
auf eine Journalistenfrage hatte er zunächst gesagt, er sei den
ganzen Samstag am Telefon gewesen und habe versucht zu koordinieren.
Die AfD und die nicht im Parlament vertretene FDP fordern seinen
Rücktritt.
Wegner kündigt "schonungslose Analyse" an
Für kommenden Donnerstag kündigte Wegner eine Regierungserklärung im
Landesparlament an. Der Regierungschef will ausführlich Stellung zu
den Erfahrungen mit dem fünftägigen Stromausfall und der Kritik an
seinem Krisenmanagement nehmen. Gleichzeitig stellte Wegner eine
umfassende Fehleranalyse in Aussicht. Ziel müsse sein, die kritische
Infrastruktur in Berlin, etwa das Stromnetz, noch besser zu
schützen./toz/DP/zb
AXC0040 2026-01-09/06:35
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Autor: - dpa-AFX
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