| ROUNDUP: Russland feuert ballistische Rakete auf Ukraine |
| 09.01.2026 06:35:00 |
Ungeachtet laufender Friedensbemühungen hat
Russland eine schwere ballistische Rakete auf die Westukraine an der
Grenze zu EU- und Nato-Gebiet abgefeuert. Die ukrainische Luftwaffe
teilte mit, für das gesamte Land sei am Donnerstag gegen 23.30 Uhr
Ortszeit (22.30 Uhr MEZ) Luftalarm ausgelöst worden. Es habe die
Gefahr des Starts einer ballistischen Waffe vom russischen
Testgelände Kapustin Jar bestanden. Wenig später seien Einschläge im
Gebiet Lwiw verzeichnet worden.
Ein Objekt der kritischen Infrastruktur sei angegriffen worden,
schrieb Gebietsgouverneur Maksym Kosyzkyj auf Telegram. Ukrainische
Militärblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die
sechs Einschläge hintereinander zeigen. Dies ähnelt dem Trefferbild
von sechs Gefechtsköpfen der neuen russischen Mittelstreckenrakete
Oreschnik (Haselstrauch).
Spekulationen über Mittelstreckenrakete Oreschnik
Offizielle Bestätigungen für den Einsatz dieser Rakete gab es nicht.
"Ob das eine Oreschnik war, ist nicht bekannt", teilte der
Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, mit. Darüber müsse das
Militär informieren. Bewohner der Region beschrieben die lauten
Einschläge wie viele Erdbeben hintereinander. Angaben zum Ziel
wurden nicht gemacht. Doch im Gebiet Lwiw liegt der unterirdische
Gasspeicher von Stryj, der schon mehrfach Ziel russischer Angriffe
war.
Die nach russischen Angaben neue Mittelstreckenrakete Oreschnik war
erstmals im November 2024 auf die südukrainische Großstadt Dnipro
abgefeuert worden. Auch dieser Start erfolgte aus Kapustin Jar bei
Astrachan in Südrussland. Die sechs Gefechtsköpfe enthielten damals
nach ukrainischen Angaben keinen Sprengstoff. Kremlchef Wladimir
Putin sprach von einem Test und drohte an, dass weitere folgen
sollten.
Westliche Militärs sehen die Oreschnik als Weiterentwicklung der
russischen Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch. Die Reichweite wird
auf 2.000 bis 5.000 Kilometer geschätzt. Der belarussische
Machthaber Alexander Lukaschenko sagt, Russland habe die Oreschnik
mittlerweile auch in seinem Land stationiert.
Selenskyj warnte vor schwerem Angriff
Die Ukraine hatte einen schweren russischen Luftangriff erwartet.
Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Abendansprache davor:
"Es gibt Informationen, dass es heute Nacht einen neuen massiven
russischen Angriff geben könnte." Die Bürger sollten auf Luftalarm
achten und sich in Schutzräume flüchten.
Die Hauptstadt Kiew wurde nachts von Drohnenschwärmen angegriffen.
Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von mindestens vier Toten und
19 Verletzten. Durch den massiven Angriff sei auch die kritische
Infrastruktur beschädigt worden. Die Strom- und Wasserversorgung sei
in einigen Stadtteilen unterbrochen. Herabfallende Trümmerteile
hätten Schäden verursacht, Wohnhäuser gebrannt.
Außerdem meldete die ukrainische Luftwaffe Angriffe mit dem
Marschflugkörper Kalibr vom Schwarzen Meer aus. Die Ukraine griff
ihrerseits Ziele in den russischen Regionen Belgorod, Orjol und St.
Petersburg mit Kampfdrohnen an.
Harter Frost verschärft Nöte der Ukraine
Moskau versuche, die Ukraine im harten Frost besonders zu schädigen,
sagte Selenskyj: "Russland setzt derzeit mehr auf den Winter als auf
Diplomatie, auf ballistische Raketen gegen unsere Energieversorgung
und nicht auf Arbeit mit Amerika und Vereinbarungen mit Präsident
(Donald) Trump."
Die Temperaturen sollen in der Ukraine ab Freitag fast überall unter
den Gefrierpunkt sinken. In Kiew und im nördlichen Teil des Landes
werden auf Tage zehn Grad Frost und mehr herrschen. Damit wächst der
Druck auf die ohnehin schwer angeschlagene Versorgung mit Strom,
Wärme und Wasser. Das Gebiet Dnipropetrowsk durchlebt nach einem
Angriff aus der Nacht zum Donnerstag bereits den schlimmsten
Blackout in fast vier Jahren Krieg mit Hunderttausenden Menschen
ohne Strom. Bei einem Raketenangriff auf die Stadt Krywyj Rih wurde
eine Frau getötet, es gab mindestens 23 Verletzte.
Russischer Schlag an der Nato-Außengrenze
Der russische Raketenangriff auf Ziele, die nur 80 Kilometer von der
polnischen Grenze entfernt liegen, dürfte sich auch auf die
laufenden Verhandlungen über eine Friedenslösung auswirken. Moskau
hat bislang nicht reagiert auf die Abstimmung zu
Sicherheitsgarantien und einem Wiederaufbau der Ukraine, die
zwischen Kiew, den europäischen Staaten und den USA läuft.
Dabei sieht Selenskyj nach den jüngsten Gesprächen in Paris große
Fortschritte zu einem bilateralen Dokument mit den USA über
Sicherheitsgarantien für sein Land. Das Papier sei nun "im Grunde
bereit" für die Fertigstellung auf der höchsten Ebene mit Präsident
Trump, schrieb er in sozialen Netzwerken.
Berichte: Kreml-Unterhändler sprach in Paris mit Amerikanern
Russland wird in dem Gesprächsprozess von den USA auf dem Laufenden
gehalten. Die französische Zeitung "Le Monde" berichtete, der
Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijiew sei am Donnerstag in Paris
gewesen, einen Tag nach dem Gipfel der Ukraine-Unterstützer in der
Koalition der Willigen. Das US-Portal "Axios" schrieb unter Berufung
auf informierte Quellen, Dmitrijew habe in der US-Botschaft in Paris
mit den US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner
gesprochen./fko/DP/zb
AXC0041 2026-01-09/06:35
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Autor: - dpa-AFX
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