| ROUNDUP: Strenger Winter, Gasspeicher leeren sich - Grund zur Sorge? |
| 09.01.2026 06:35:00 |
Es herrscht ein strenger Winter in
Deutschland, die Gasspeicher leeren sich - die Füllstände liegen
deutlich niedriger als in Jahren zuvor. Besteht Anlass zur Sorge?
Die Bundesnetzagentur geht zurzeit von einer gesicherten
Gasversorgung aus. Ähnlich äußert sich das
Bundeswirtschaftsministerium. Das ist die Lage.
Füllstände der Speicher gering
"Die aktuellen Füllstände der Gasspeicher liegen deutlich unter dem
langjährigen Durchschnitt", sagt Timm Kehler, Vorstand des Verbands
Gas- und Wasserstoffwirtschaft. "Mit einem Füllstand von aktuell
unter 52 Prozent verlaufen die Gasspeicherfüllstände auf einem
historischen Tief", sagt Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der
Initiative Energien Speichern. Mitte November hatte die Initiative
mitgeteilt, Deutschland gehe mit einem unerwartet niedrigen
Speicherfüllstand von nur 75 Prozent in die Heizperiode. Bei extrem
niedrigen Temperaturen drohten bereits ab Mitte Januar
"Unterdeckungen".
Nun sagt Heinermann, die Ausgangslage für die Gasversorgung im
Januar habe sich aufgrund der moderaten Temperaturen im Dezember
verbessert - weil den Speichern bis Ende des Jahres lediglich im
normalen Umfang Gas entnommen worden sei. "Im Vergleich zum Dezember
ist der Januar von deutlich kälteren Temperaturen geprägt, weshalb
derzeit in großem Umfang ausgespeichert wird." Die Großhandelspreise
für Gas seien noch stabil, das könnte auf den dämpfenden Effekt der
umfangreichen Entleerung der Speicher zurückzuführen sein.
Kritik aus Branche: Anreiz zum Gasspeichern fehlt
Eine Sprecherin des Energiekonzerns Uniper sagte:
"Die Versorgungssicherheit mit Erdgas ist aktuell gewährleistet,
aber nicht garantiert." Bei einem langen, kalten Winter oder
geopolitischen Störungen könnten bei niedrigen Speicherfüllständen
Engpässe entstehen.
Mit etwas Sorge blickt der Vorstandsvorsitzende des Oldenburger
Energieversorgers EWE, Stefan Dohler, auf die aktuellen Füllstände.
"Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen,
dass die Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es
Anfang 2022 war", sagt Dohler. "Es ist ein Zeichen, dass die
Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren.
Es gab im vergangenen Sommer keine Preissignale im Markt, die
Gasspeicher zu befüllen."
Die Füllstände der deutschen Gasspeicher seien deutlich niedriger
als Anfang 2025 - damals seien es statt knapp 50 rund 77 Prozent
gewesen. Würden sich die Gasspeicher in den nächsten drei Monaten
mit dem gleichen Tempo wie vor einem Jahr leeren, wären die Speicher
Ende März noch zu 5 Prozent gefüllt, rechnet Dohler vor. "Das wäre
ziemlich wenig." Ein solches Szenario sei aktuell aber wenig
realistisch, da die Preise auf dem Gasmarkt gerade entspannt seien
und Händler dort Gas kaufen könnten.
Die Uniper-Sprecherin sagt, die Füllstände der deutschen Gasspeicher
seien niedriger als in den Vorjahren, da die wirtschaftlichen
Anreize zur Einspeicherung fehlten. Daher seien viele Speicher nur
teilweise gebucht. "Bei einem langen, kalten Winter oder
geopolitischen Störungen könnten bei niedrigen Speicherfüllständen
Engpässe entstehen."
Bedeutung der LNG-Terminals
Gasspeicher sind ein Puffer für Engpässe bei der Gasversorgung. Eine
große Bedeutung haben aber inzwischen Terminals an Nord- und Ostsee,
an denen Flüssigerdgas (LNG) ankommt. "Die inzwischen gut ausgebaute
LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa ermöglicht neben der
bestehenden und sicheren Hauptversorgung durch norwegisches
Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland", sagte eine
Sprecherin von Bundeswirtschafts- und Energieministerin Katherina
Reiche (CDU).
Mit den vorhandenen deutschen Importterminals für Flüssigerdgas
(LNG) könnte man in den kalten Monaten November bis März etwa 16
Prozent der Nachfrage decken. Das entspreche 32 Prozent der
Kapazität der deutschen Erdgasspeicher.
Die Terminals gewährleisteten das ganze Jahr eine sehr flexible
Möglichkeit, Gas zu importieren. "Das führt dazu, dass Gasspeicher
relativ gesehen an Attraktivität verloren haben zur Sicherstellung
der Gasversorgungssicherheit." Das Ministerium habe bei der Füllung
der Erdgasspeicher klar auf den Markt gesetzt. Eine Verordnung
schreibt bestimmte Füllstände vor.
Gasspeicherfüllstand nicht alleine relevant
Der sogenannte Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe habe
anders als während der Energiepreiskrise 2022 - nach Beginn des
russischen Angriffskriegs auf die Ukraine - nicht eingreifen und die
Speicher befüllen müssen. Dies hätte zusätzliche Kosten für
Gaskunden beziehungsweise die deutschen Steuerzahler bedeutet. Zu
Beginn des Ukraine-Kriegs war Deutschland noch stark abhängig von
russischem Gas.
Von der Bundesnetzagentur hieß es, der Gasspeicherfüllstand sei ein
wichtiger Indikator für zusätzlich verfügbare
Versorgungsabsicherungen - jedoch sei er nicht alleinig relevant.
"Deutschland verfügt über ausreichende Import- und
Speichermöglichkeiten." Die Gaspreise bewegten sich in einem
stabilen, wenn auch leicht ansteigenden Korridor, was für die
Jahreszeit und Witterung aber nicht ungewöhnlich sei. "Diese
Stabilität ist darauf zurückzuführen, dass es am Weltmarkt
ausreichend Gas gibt, das unter anderem über die LNG-Terminals
importiert werden kann. Insofern gehen wir aktuell von einer
gesicherten Gasversorgung aus."
Forderung nach Gasreserve
EWE-Chef Dohler mahnt zu mehr Vorsorge. "Es wäre gut, jetzt darüber
zu sprechen, welche Instrumente es gibt, die einerseits den Markt
halten, andererseits aber auch ausreichende Sicherheit schaffen für
besondere Ereignisse. Das sollte jetzt in diesem Jahr passieren."
Der Manager schlägt etwa die Schaffung einer nationalen,
strategischen Gasreserve vor - ähnlich wie es sie für Erdöl gibt.
Dohler verweist etwa auf Österreich, das so eine Gasreserve hat.
"Dort wird bewusst Gas als Puffer eingespeichert, was nicht
angetastet wird, und nur für Notfälle zur Verfügung stehen sollte."
Eine staatliche Stelle regele dort über Ausschreibungen die
Befüllung von Speichern in einem bestimmten Volumen.
Anträge auf Stilllegungen
Gas-Großhändler nutzen Speicher, um günstig eingekauftes Erdgas zu
einem anderen Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen - vor allem im
Winter, wenn der Bedarf groß ist. In der Regel sinkt der Gaspreis im
Sommer deutlich, sodass viele Versorger Erdgas einkaufen und es in
den Anlagen zwischenspeichern. Je höher aber der Gaspreis im Sommer,
desto weniger lohnt sich das Befüllen der Speicher.
Das ist auch der Hintergrund für Anträge bei der Bundesnetzagentur
auf Stilllegungen von zwei Speichern in Bayern, darunter einer von
Uniper - aber erst zum Frühjahr 2027. Unter den aktuellen
Voraussetzungen sei ein wirtschaftlich tragfähiger Speicherbetrieb
langfristig nicht darstellbar, so Uniper. Voraussetzung für eine
Genehmigung: es darf keine nachteiligen Auswirkungen auf die
Versorgungssicherheit geben./hoe/DP/zb
ISIN DE000ENAG999 DE0007037129 DE000UNSE018
AXC0044 2026-01-09/06:35
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Autor: - dpa-AFX
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