| wiiw-Ökonom: Effekte des Mercosur-Abkommens positiv, aber klein / wiiw-Reiter: "Ich erwarte keine großen Umwälzungen" - Mercosur-Länder profitieren vom Abkommen viel mehr als EU - Wifo-Oberhuber: Mercosur allein wird nicht ausreichen |
| 09.01.2026 14:13:00 |
Die Effekte des Mercosur-Abkommens werden für den
Außenhandel und die Wertschöpfung der EU positiv sein, aber auch
klein, sagt der Handelsökonom Oliver Reiter vom Wiener Institut für
internationale Wirtschaftsvergleiche. Auch die Auswirkungen auf die
europäische Landwirtschaft werden insgesamt gering sein.
"Insbesondere für ein kleines Binnenland wie Österreich erwarte ich
keine großen Umschwünge bei unseren landwirtschaftlichen Importen",
sagte Reiter am Freitag zur APA.
Bei dem Handelsabkommen zwischen der EU und den vier
südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und
Paraguay (Mercosur) gehe es in erster Linie um einen leichteren
Marktzugang durch den Abbau von Zöllen, erklärte der wiiw-Ökonom.
"Etwa 90 Prozent der Produkte werden dann zollfrei oder mit sehr
geringen Zöllen gehandelt werden." Auf Brasilien entfallen rund drei
Viertel der Wirtschaftsleistung der Mercosur-Staaten.
Allerdings dürfe man die Bedeutung des Mercosur-Abkommens auch
nicht überschätzen, "ich erwarte keine großen Umwälzungen", meinte
Reiter. "Diese südamerikanischen Staaten sind nur ganz kleine
Handelspartner der EU." Brasilien, das mit Abstand größte dieser
Länder, habe nur einen Anteil von rund 2 Prozent an den Importen der
EU. Das Abkommen sei andererseits aber auch "ein geopolitisches
Signal, dass die EU immer noch ein gewisses Gewicht habe auf
globaler Ebene" und es sei in der heutigen multipolaren Welt "ein
Strohhalm für die EU, weiterhin irgendwie relevant zu bleiben". Im
Hinblick auf kritische Rohstoffe sei das Abkommen eine Möglichkeit,
die Abhängigkeit von anderen Ländern etwas zu verringern.
Erwartete Handelseffekte gering
Bisher exportiere die EU in die Mercosur-Länder vor allem
Industriegüter und importiere von dort Agrargüter. Diese Tendenzen
dürften sich verstärken und es dürfte zu einem erhöhten Import von
landwirtschaftlichen Gütern kommen, was zu einem gewissen Preisdruck
für die europäische Landwirtschaft führen werde, meint Reiter.
"Insgesamt erwarte ich aber, dass dieser Druck relativ klein sein
wird." Das gelte besonders für ein kleines Binnenland wie
Österreich. Stärker könnte der Konkurrenzdruck für einzelne Betriebe
sein, die leicht ersetzbare Produkte erzeugen. "Aber ich erwarte
jetzt nicht, dass ein Biorindfleisch-Hersteller aus Oberösterreich,
der Angus-Rinder züchtet, dass er jetzt auf einmal um seinen Absatz
fürchten muss." Ein Großhersteller von Billig-Rindfleisch könnte
eher betroffen sein.
Insgesamt werden die Handelseffekte für die EU insgesamt im
niedrigen einstelligen Prozentbereich oder überhaupt unter einem
Prozent liegen, schätzt frt wiiw-Ökonom. In einzelnen Branchen, etwa
bei den Exporten der Pharmaindustrie oder Autos könnten die Effekte
größer sein. Einzelne Sektoren dürften von Mercosur also stärker
profitieren.
Wenn es zu einem Preisdruck durch Importe aus den
Mercosur-Ländern kommt, dann werden die Produkte auch für
Konsumenten billiger, so Reiter. Dieser Effekt werde aber
"wahrscheinlich kaum merklich sein".
Oberhuber: "Mercosur allein wird nicht ausreichen"
Wifo-Ökonom Harald Oberhofer sagte im Ö1-"Mittagsjournal", das
Mercosur-Abkommen werde den Handel zwischen den Mercosur-Staaten und
den EU-Ländern "natürlich fördern". Die Handelspolitik von
US-Präsident Donald Trump und seine Zölle bedeuteten einen
ökonomischen Schaden für Europa. "Neue Handelsabkommen, im konkreten
Fall das Mercosur-Abkommen, können diesen Schaden kompensieren", so
Oberhofer. Das Mercosur-Abkommen allein werde dafür aber nicht
ausreichen. Oberhofer verwies auf Schätzungen, wonach das Abkommen
mittelfristig ein Drittel bis zur Hälfte des Schadens der
US-Handelsbeschränkungen ausgleichen könnte.
Nach Einschätzung des Handelsökonomen könne Österreichs
Landwirtschaft vom Mercosur-Abkommen auch profitieren und neue
Märkte erschließen. Für hochwertige Agrarprodukte wie Wein betrugen
die Zölle der Mercosur-Staaten bisher 20 bis 30 Prozent. Würden
diese dank Abkommen auf null gesenkt, wäre das eine Chance,
heimischen Wein dorthin zu verkaufen, nannte Oberhofer als Beispiel.
ivn/sag/cri
ISIN
WEB http://www.wiiw.ac.at/
https://www.wifo.ac.at/
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Autor: - APA/ivn/sag/cri
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