| Krisenkonzern Baywa trennt sich von neuem Chef |
| 09.01.2026 19:32:00 |
Der hoch verschuldete Münchner Mischkonzern
Baywa trennt sich wegen interner Querelen von seinem
vor weniger als einem Jahr berufenen Vorstandschef Frank Hiller. Der
Manager wird das Unternehmen "einvernehmlich" zum 31. Juli wieder
verlassen, wie der Aufsichtsrat mitteilte. Hillers Amt als
Vorstandsvorsitzender endet jedoch mit sofortiger Wirkung. Als Grund
nannte der Konzern "unterschiedliche Auffassungen über die mittel-
bis langfristige Strategie" des Unternehmens. Der Aufsichtsrat
berief keinen Nachfolger, Hillers Aufgaben sollen unter den
verbliebenen drei Vorständen aufgeteilt werden.
Rettungsplan soll weiter laufen
Am Sanierungsplan, der die finanzielle Gesundung bis Ende 2028
vorsieht, soll sich nichts ändern: "Die eingeleitete
Restrukturierung unseres Unternehmens verläuft nach Plan und wird
weiter aktiv vorangetrieben", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende
Gregor Scheller.
Hiller weniger als ein Jahr auf dem Chefsessel
Hiller hatte seinen Posten erst am 1. März 2025 angetreten. Er
sollte den Konzern gemeinsam mit dem Sanierungsvorstand Michael Baur
neu aufstellen, den der Aufsichtsrat von der Unternehmensberatung
Alix Partners geholt hatte. Die Arbeitsaufteilung sah vor, dass
Bauer die Regie bei der Sanierung führen und Hiller die
Neuaufstellung des verbleibenden Geschäfts vorantreiben sollte. Doch
das funktionierte offenkundig nicht nach Plan. Dass Hillers Stuhl
wackelte, hatte vor einigen Tagen die "Frankfurter Allgemeine
Zeitung" berichtet. Der Aufsichtsrat tagte in den vergangenen Tagen
mehrfach. Schon Hillers Vorgänger Marcus Pöllinger hatte nach kurzer
Amtszeit vorzeitig gehen müssen.
Wichtigster Geschäftszweig der Baywa ist der Agrarhandel, das
Unternehmen spielt vor allem im Süden und im Osten Deutschlands eine
wichtige Rolle für die Landwirte: Die Baywa kauft einerseits
Getreideernten und andere Erzeugnisse an und beliefert die Bauern
andererseits mit Saatgut, Dünger, Landmaschinen und anderem Bedarf.
Riesiger Schuldenberg soll abgebaut werden
Der Konzern war im Sommer 2024 in Schieflage geraten und ist derzeit
einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Ein maßgeblicher
Auslöser waren die hohen Zinszahlungen für 5,4 Milliarden Euro
Bankkredite. Der Sanierungsplan sieht vor, vier Milliarden Euro
Kredite abzuzahlen. Dafür sollen rund zwei Drittel der früheren
Baywa-Geschäfte verkauft werden. Im Wesentlichen sind das die
Auslandstöchter, die der Konzern in den 2010er Jahren auf Kredit
gekauft hatte.
Die Belegschaft wird im Zuge der Sanierung voraussichtlich ebenfalls
um zwei Drittel verkleinert: Ende 2023 beschäftigte der Konzern
weltweit über 23.000 Menschen, am Ende könnten es noch etwa 8.000
sein. Dann soll die Baywa wieder ein weitgehend auf Deutschland
beschränktes Handelsunternehmen sein./cho/DP/men
ISIN DE0005194062
AXC0240 2026-01-09/19:32
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Autor: - dpa-AFX
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