| ROUNDUP: Ohne Strom und Heizung - Lage in Kiew schwierig |
| 10.01.2026 12:35:00 |
Bei bis zu 17 Grad Frost wird die Lage in Kiew und
anderen ukrainischen Städten wegen der Ausfälle von Heizung, Strom
und Wasser noch schwieriger. Russland wolle mit schweren
Luftangriffen mitten im Winter die großen Städte unbewohnbar machen,
sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Videobotschaft.
"Die Russen nutzen das Wetter - die Kältewelle - und versuchen, so
viele unserer Energieanlagen wie möglich zu treffen." Zuletzt sei
die Hauptstadt beschossen worden, davor Dnipro, Saporischschja und
Krywyj Rih, wiederum davor Odessa. "Die Haupttaktik Russlands
besteht darin, zu versuchen, Städte vollständig auszuschalten." Der
Präsident verlangte von allen Stadtverwaltungen, vorbereitet zu sein
und die Bürger zu schützen.
Bürgermeister Klitschko empfiehlt Verlassen von Kiew
In der Dreimillionenstadt Kiew waren nach einem Luftangriff in der
Nacht zu Freitag zunächst 6.000 Wohnblocks und damit etwa die Hälfte
der Wohnhäuser ohne Heizung. Bürgermeister Vitali Klitschko sagte,
dass es die schlimmsten Schäden an der Infrastruktur in den fast
vier Jahren Krieg gegeben habe. Er riet den Bürgern, die Stadt
vorübergehend zu verlassen, wenn sich anderswo ein warmer Platz und
Strom finden lasse.
Nach Angaben des Energieministeriums waren anfangs etwa 500.000
Haushalte und andere Verbrauchsstellen in und um Kiew ohne Strom.
"Was Kiew betrifft, ist die Lage dort am schwierigsten", sagte
Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko. Es sei bis Freitagabend aber
gelungen, einen Teil der Hauptstadt, das Umland sowie Krywyj Rih
wieder mit Strom zu versorgen. Trotzdem bleibe es auch an diesen
Stellen bei den schon seit Wochen geltenden stundenlangen geplanten
Abschaltungen.
Notfallpunkte mit Wärme, Wasser, Strom
Krankenhäuser in Kiew werden nach Angaben der Stadtverwaltungen mit
mobilen Heizkesseln mit Wärme versorgt. Außerdem gebe es verteilt
über die Stadt 1.200 Anlaufstellen, an denen man sich aufwärmen,
Wasser holen und Handys aufladen könne.
Am späten Freitagabend wurde in Kiew und anderen Teilen der Ukraine
erneut Alarm ausgelöst wegen russischer Kampfdrohnen in der Luft.
Die Flugabwehr sei im Einsatz, teilte Klitschko mit. Der Angriff
schien zunächst aber weniger intensiv zu sein als in der Nacht
zuvor. Ihrerseits hatte die ukrainische Armee in der Nacht auf
Freitag mit Raketenartillerie ein Kraftwerk im russischen Belgorod
beschossen. Dessen Ausfall bewirkte nach Behördenangaben, dass etwa
eine halbe Million Menschen keinen Strom hatte.
Selenskyj: Rakete war eine Drohgebärde gegen Europa
Bei dem Luftangriff auf die Ukraine hatte die russische Armee am
Donnerstagabend nach eigenen Angaben auch die neue
Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt. Deren Sprengköpfe trafen
ein Infrastrukturobjekt im westukrainischen Gebiet Lwiw, mutmaßlich
einen großen Gasspeicher. Es war nach 2024 der zweite Einsatz der
nuklear bestückbaren Waffe, die mit ihrer Reichweite auch Westeuropa
erreichen kann.
Die Angriffe zeigten, dass Moskau sich nicht um Diplomatie und die
Friedensbemühungen der USA schere, sagte Selenskyj. Der Einschlag
der Rakete kurz vor der Außengrenze von EU und Nato sei "eine gleich
große Herausforderung für Warschau, Bukarest, Budapest und viele
andere Hauptstädte". Kein Land sei durch sein Verhältnis zu Russland
geschützt. Nötig sei eine gemeinsame europäische Verteidigung, sagte
er.
Die Bundesregierung verurteilte den Einsatz dieser Waffe als
Eskalation. Es sei eine Drohgebärde, die aber nicht verfange, sagte
der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer in Berlin. Die
baltische Republik Lettland kündigte an, als Reaktion auf den
russischen Angriff auf die Ukraine eine außerordentliche Sitzung des
UN-Sicherheitsrats zu beantragen./fko/DP/zb
AXC0029 2026-01-10/12:35
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Autor: - dpa-AFX
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