| ROUNDUP/Grönlands Politik: Wollen keine Amerikaner sein |
| 10.01.2026 12:35:00 |
Während US-Präsident Donald Trump erneut
mit der gewaltsamen Einnahme Grönlands droht, lehnen die dortigen
Parteien seinen Gebietsanspruch in demonstrativer Einigkeit ab. "Wir
wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir
wollen Grönländer sein", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der
Vorsitzenden der fünf Parteien im grönländischen Parlament. Trump
warnte indes auch Richtung Dänemark, zu dem die Insel offiziell
gehört: Er würde gerne einen Deal machen, "aber wenn wir es nicht
auf die einfache Art und Weise tun, werden wir es auf die harte Art
und Weise tun".
Trump: Wollen Russland und China nicht als Nachbarn
"Denn wenn wir es nicht machen, werden Russland oder China Grönland
einnehmen, und wir wollen Russland oder China nicht als Nachbarn
haben", rechtfertigte Trump seinen Anspruch auf die Insel. Die USA
müssten sie verteidigen. Bei einem Treffen mit Führungskräften von
US-Ölkonzernen im Weißen Haus rechtfertigte er auch das US-Vorgehen
in Venezuela mit China und Russland. Ohne die USA "wären China und
Russland dort gewesen."
Der US-Präsident hatte zuletzt immer wieder deutlich gemacht, dass
er die offiziell zum Nato-Partner Dänemark gehörende Insel unter
Kontrolle der Vereinigten Staaten bringen will. Dabei verwies er auf
deren große strategische Bedeutung und eine zuletzt große Präsenz
von russischen und chinesischen Schiffen in der Region. Für Aufsehen
und Beunruhigung sorgen Trumps Äußerungen vor allem, weil er bislang
auch militärischen und wirtschaftlichen Zwang nicht ausschloss, um
Kontrolle über Grönland erlangen. Die Insel ist zu vier Fünfteln mit
Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland.
Grönlands Politik ruft zum Dialog auf
Die USA würden etwas unternehmen, ob das gefalle oder nicht, sagte
Trump nun. Die Vorsitzenden der Parteien im grönländischen Parlament
Inatsisartut verlangten in ihrer gemeinsamen Erklärung, dass die USA
"ihre Geringschätzung gegenüber unserem Land einstellen". In dem
Schreiben heißt es weiter: "Die Zukunft Grönlands muss vom
grönländischen Volk entschieden werden." Es müsse ein intensiver
Dialog "mit unseren Verbündeten und den Ländern, mit denen wir
zusammenarbeiten", sichergestellt werden, hieß es.
Laschet warnt vor Zerbrechen der Nato
Grönland mit seinen knapp 57.000 Einwohnern ist weitgehend autonom,
gehört aber offiziell zum Königreich Dänemark. Die dänische
Regierung weist Trumps Anspruch entschieden zurück. Regierungschefin
Mette Frederiksen warnte vor einem Ende des Verteidigungsbündnisses
Nato, sollten die USA Grönland angreifen. Auch CDU-Außenpolitiker
Armin Laschet warnte vor einem Zerbrechen der Nato. Er glaube zwar
nicht, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen
werde, "aber der Druck nimmt zu. Darauf muss sich Europa
einstellen", sagte Laschet der Funke Mediengruppe.
Auf die Frage, ob Dänemark auf den Beistand der europäischen Partner
zählen könnte, wenn es zum Äußersten käme, antwortete Laschet: "Wir
müssen den Amerikanern in diplomatischen Gesprächen deutlich machen,
dass ein militärisches Vorgehen gegen ein kleines Nato-Land das
letzte Vertrauen in die Allianz zerstören würde." Ein Ende der Nato
könne nicht im Interesse der USA sein. "Eines ist jedenfalls klar:
Die Europäer könnten nicht in einen Krieg gegen die USA ziehen",
sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag.
Durch die Anbindung an Dänemark ist Grönland Teil der Nato.
Mehrere Nato-Staaten werben angesichts der jüngsten Äußerungen der
US-Regierung zu Grönland für einen Ausbau der Bündnispräsenz in der
Arktis. Nach Angaben von Diplomaten sieht ein Vorschlag vor, einen
Überwachungseinsatz mit dem Namen "Arctic Sentry" (deutsch etwa:
Wächter der Arktis) zu starten. Er soll den Amerikanern das Argument
nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region
nicht ausreichend gewährleistet werden kann.
Nato-Staaten werben für Arktis-Einsatz
Über den Vorschlag wurde den Angaben zufolge unter anderem bei einer
Sitzung der ständigen Vertreter der Bündnisstaaten in Brüssel
gesprochen. Darüber hatte zunächst unter anderem die "Frankfurter
Allgemeine Zeitung" berichtet. Der britische Premier Keir Starmer
ließ am Freitag mitteilen, er habe sich in einem Telefonat mit
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem französischen Präsidenten
Emmanuel Macron für eine verstärkte Nato-Präsenz im hohen Norden
ausgesprochen. Das Bündnis müsse dort stärker auftreten, um Gegner
wie Russland abzuschrecken, sagte Starmer laut einer Sprecherin.
Für die Nato ist die Grönland-Debatte höchst brisant. Einerseits
muss das Bündnis um seine Glaubwürdigkeit fürchten, wenn ein
führendes Mitglied auf einmal androht, sich durch Zwangsanwendung
Gebiete eines anderen Staates einzuverleiben - vor allem auch mit
Blick auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas
Ansprüche auf Taiwan. Andererseits wäre es für die Nato ein
Super-GAU, wenn die USA im Streit über ein solches Thema aus dem
Bündnis austreten würden, weil die Abschreckung der Nato vor allem
auf dem Atomwaffenarsenal und der Stärke der konventionellen
Streitkräfte der USA beruht./ln/DP/zb
AXC0030 2026-01-10/12:35
|
Autor: - dpa-AFX
|
| Copyright dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung ohne ausdrückliche vorherige Zustimmung von dpa-AFX ist nicht gestattet. |
|
|
| DAX | 25.261,64 | 134,18 | 0,53% |
| TecDax | 3.820,24 | 40,19 | 1,06% |
| MDAX | 32.167,17 | 84,14 | 0,26% |
| Dow Jones (EOD) | 49.504,07 | 237,96 | 0,48% |
| Nasdaq 100 | 25.766,26 | 259,16 | 1,02% |
| S & P 500 (EOD) | 6.966,28 | 44,82 | 0,65% |
| SMI | 13.421,82 | 71,00 | 0,53% |
|
| EUR/US$ | 1,1656 | 0,00 | 0,20% |
| EUR/Yen | 183,8740 | 0,14 | 0,08% |
| EUR/CHF | 0,9307 | -0,00 | -0,14% |
| EUR/Brit. Pfund | 0,8680 | 0,00 | 0,01% |
| Yen/US$ | 0,0063 | 0,00 | 0,25% |
| CHF/US$ | 1,2525 | 0,01 | 0,41% |
|
| baha Brent Indication | 62,97 | 0,08 | 0,13% |
| Gold | 4.495,39 | 63,59 | 1,43% |
| Silber | 78,01 | 2,63 | 3,49% |
| Platin | 2.299,70 | 96,91 | 4,40% |
| |
|
|