| Nach 'Elli': Reisende stecken an Hamburger Hauptbahnhof fest |
| 10.01.2026 16:56:00 |
Koffer stehen dicht an dicht, Menschen sitzen
auf ihren Taschen oder lehnen an Anzeigetafeln, die mehr Ausfälle
als Abfahrten zeigen: Der Hamburger Hauptbahnhof ist für viele
Reisende zum unfreiwilligen Aufenthaltsort geworden. Nach dem
Wintersturm "Elli" bleibt der Fernverkehr stark eingeschränkt - mit
spürbaren Folgen für Reisende.
Wieder aus dem Zug - und keine Alternative
Manche haben es schon bis in den Zug geschafft - nur um kurz darauf
wieder aussteigen zu müssen. André De Bray wollte nach Göttingen,
kam aber nicht weit. "Ich musste wieder raus aus dem Zug. Es wurden
nur Leute mitgenommen mit Sitzplatzreservierung. Jetzt muss ich wohl
ein Taxi nehmen, um nach Hause zu kommen."
Die Situation im ICE sei angespannt gewesen. "Es war zunächst
überhaupt extrem schwierig in den Zug zu kommen, weil die Gleise
überfüllt waren. Dann war der Gang im ICE extrem voll. So konnte der
Zug dann nicht losfahren und es mussten wieder Menschen aussteigen.
Es gab schon richtig Streit im Zug, weil keiner aussteigen wollte."
Für ihn bleibt am Ende nur eine teure Lösung: "Ich nehme jetzt ein
Taxi nach Göttingen, weil es sonst keine Möglichkeiten gibt."
Taxi statt Zug - Hilfe aus der Not
Von dieser Lage profitieren unfreiwillig andere. Taxifahrer Mojtaba
Walizade erlebt einen außergewöhnlichen Arbeitstag mit enorm viel
Betrieb. "Die Bahn versagt momentan. Viele Züge fahren nicht. Und
dann sind wir als Taxifahrer da, um die Leute in der Not von A nach
B zu fahren", sagt er.
Tage des Wartens
Für einige dauert das Warten bereits Tage. Momo Cavli möchte nach
Berlin und ist frustriert: "Ich bin seit zwei Tagen hier in Hamburg
gestrandet und es gibt keine möglichen Zugverbindungen. Das kann
doch nicht sein."
Auch Cano ist entnervt. "Ich bin seit 6.30 Uhr am Hauptbahnhof. Bin
schon einmal nach Hause gegangen und kam wieder zurück, und die
ganze Zeit fahren die Züge nicht. Ich verstehe es nicht. Ich wollte
gestern schon nach Leipzig fahren, aber es gibt keinen einzigen
Zug."
Hoffnung am Schalter
Andere hoffen auf Hilfe im Reisezentrum. Daniela Göbel steht mit
ihren Kindern in der Schlange. "Wir warten schon sehr lange. Wir
wollen nach Frankfurt, wir waren auf der AIDA. Wir stehen hier seit
45 Minuten in der Schlange beim Reisezentrum. Ich erwarte, dass ich
hier einen Zug und einen Sitzplatz erhalte." Auch sie hat erlebt,
wie überfüllte Züge geräumt wurden: "Vorhin sind auch schon Leute
aus den Zügen rausgeschmissen worden, weil sie einfach zu voll
sind."
Pläne auf Eis gelegt
Manche geben auf. Norma Nagorsnik wollte eigentlich nach Prag. "Wir
wollten gestern schon nach Prag fahren. Der Zug wurde gecancelt.
Dann gab es Alternativen gestern und heute, aber die Züge sind auch
alle ausgefallen. Jetzt brechen wir ab. Die Laune ist im Keller."
Sieglinde und Werner Strobel versuchen es noch - mit schwindender
Zuversicht. "Es geht in die Oberpfalz. Die Stimmung ist noch okay.
Eigentlich hätten wir gestern um 8 Uhr nach Hause fahren sollen.
Jetzt sind wir wieder seit 8 Uhr morgens hier und alles fällt aus."
Ein Hotel habe die Bahn nicht bezahlt. "Vermutlich müssen wir doch
noch eine Nacht bleiben."
Lage bleibt auch am Sonntag angespannt
Wegen des Wintereinbruchs soll der Bahnverkehr auf mehreren
wichtigen norddeutschen Fernverkehrsstrecken bis zum Sonntag
ausfallen. Betroffen sind unter anderem die Ost-West-Verbindung
Berlin-Hannover-Ruhrgebiet und die wichtige Nord-Süd-Strecke von
Hamburg über Hannover nach Frankfurt, wie eine Bahn-Sprecherin der
Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Demnach können Reisende jedoch
die Verbindung zwischen Hamburg und Frankfurt über Bremen und Köln
nutzen.
Der Regionalverkehr fährt teilweise wieder an, bleibt aber
störanfällig. Auch die S-Bahn Hamburg fährt mindestens im
20-Minuten-Takt. Reisende werden gebeten, sich vor Fahrtantritt zu
informieren - und Geduld mitzubringen./hmh/DP/zb
AXC0041 2026-01-10/16:56
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Autor: - dpa-AFX
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