| ROUNDUP: Bauern mit gedrückten Erwartungen für 2026 |
| 11.01.2026 11:05:00 |
Diesmal gibt es zur Grünen Woche keine Krise und
keinen großen Krach - nach einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche
vor einem Jahr und Bauernprotesten gegen das Aus für
Agrardiesel-Vergünstigungen 2024. Die haben die Landwirte zwar
gerade zurückbekommen. Zum traditionellen Jahresauftakt bei der
Ernährungsmesse in Berlin drücken aber Preiseinbrüche bei vielen
Produkten und andere Belastungen auf die Geschäftsaussichten. Die
Branche appelliert deswegen auch an die Kunden in den Supermärkten.
Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte der Deutschen Presse-Agentur
mit Blick auf 2026: "Der Motor droht bei einigen Betrieben wirklich
auszugehen." Beim Großteil der Höfe stottere er weiter. "Und wir
haben nicht mehr viel Zeit, um ein größeres Ausgehen des Motors zu
verhindern." Bei Investitionen gebe es insgesamt absolute
Zurückhaltung. "Im Moment fehlen vielen Betrieben schon die
flüssigen Mittel dafür." Hart ins Kontor schlägt dabei gerade vor
allem, dass zu erzielende Preise für die Landwirte auf breiter Front
absacken.
Preise für Schweinefleisch "desaströs"
"Unsere Produktionskosten liegen teils über dem Erzeugerpreis",
beklagte Rukwied. Für Schweinefleisch seien die Preise auf 1,45 Euro
pro Kilogramm gesunken. "Das ist desaströs." Die Preise für Getreide
seien auf das Niveau der frühen Achtzigerjahre gefallen, auch bei
Zucker und Kartoffeln gebe es Druck. Bei den Verbraucherinnen und
Verbrauchern kamen vor Weihnachten schon mehrere Preissenkungsrunden
bei Butter bis auf 99 Cent pro Päckchen an.
Natürlich spiele der Weltmarkt bei der Preisbildung eine Rolle,
sagte Rukwied. "Nur: Wir haben keine Weltmarktkonditionen, was die
Produktionsbedingungen anbelangt. Wir haben deutlich höhere
Standards, zu denen wir auch stehen." Wenn man die weiterhin wolle,
brauche es aber ein deutlich höheres Niveau der Erzeugerpreise.
"Sonst wird es ein Beschleuniger für einen Wandel in der
Branchenstruktur werden, den wir so noch nicht gekannt haben."
Appell an Supermarktkunden
Rukwied mahnte mehr Verständnis für den Wert der
Lebensmittelerzeugung an. "Wir leben in fragilen Zeiten und
gefährden die Ernährungssicherung durch einen massiven Preisdruck
für die Bauern als die Ersten in der Kette, ohne die es die
Lebensmittel gar nicht gäbe." Nach den großen Demos sehe man zwar
eine höhere Wertschätzung für die Landwirtschaft an sich. "Ich würde
mir wünschen, dass sich das an der Ladentheke stärker widerspiegelt,
indem mehr Verbraucherinnen und Verbraucher zu hochwertiger
deutscher Ware greifen."
Die Kalkulationen vieler Betriebe sind demnach weiter angespannt,
auch wenn zu Jahresbeginn Millionen-Entlastungen für die Branche
beim Agrardiesel und den Stromkosten in Kraft getreten sind. Das sei
zwingend notwendig gewesen, und man rechne es der Bundesregierung
auch positiv an, betonte Rukwied. "Auf der anderen Seite muss man
nüchtern und realistisch sehen, dass eine erhöhte CO?-Bepreisung für
Energie einen Teil der Entlastung wieder auffrisst."
Zuletzt stagnierende Gewinne
Zu Buche schlägt auch die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns von
12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde im neuen Jahr. Ein teils
doppelt so hohes Niveau wie in anderen EU-Ländern sei schlichtweg
nicht mehr wettbewerbsfähig, sagte Rukwied. Die Gewinne der
Landwirte stagnierten zuletzt insgesamt. Im Ende Juni abgelaufenen
Wirtschaftsjahr 2024/25 verdienten die Unternehmen im Schnitt 78.500
Euro, wie der Bauernverband im Dezember mitgeteilt hatte. Mit einem
kleinen Plus von 0,4 Prozent entsprach das quasi dem
Vorjahresniveau.
Für Bundesagrarminister Alois Rainer ist die Grüne Woche vom 16. bis
25. Januar in der Hauptstadt eine Premiere im Amt. Und an den
CSU-Mann richten sich unter anderem Forderungen zur Zukunft der
Tierhaltung, in der mehr Platz und andere höhere Standards kommen
sollen. Doch ungelöst ist seit Jahren die Frage einer gesicherten
Mitfinanzierung, damit Höfe nicht allein auf Milliardenkosten für
den Umbau von Ställen sitzen bleiben. Vorstöße etwa für
Preisaufschläge von 40 Cent pro Kilogramm Fleisch, die eine
Kommission vorgeschlagen hatte, versandeten aber. Auch Rainer lehnte
das schon ab.
Weiter Zurückhaltung bei Umstieg auf Bio
Rukwied mahnte zuerst einen Rahmen etwa mit einfacheren
Bauvorschriften an. Dann müsse ein Budget mit "frischem Geld" für
die Bauern kommen. "Mir ist es Wurst, wie das finanziert wird.
Hauptsache, es wird finanziert." Kommen soll auch ein staatliches
Tierhaltungslogo - aber erst später. Pünktlich zur Grünen Woche soll
der Bundestag beschließen, den auf 1. März 2026 verschobenen Start
der Kennzeichnungspflicht zunächst für Schweinefleisch im Handel
weiter auf 1. Januar 2027 zu schieben. Das System soll auch
nachgebessert werden. Schon seit 2019 gibt es eine eigene
Kennzeichnung der Supermarktketten.
Bei der Option, auf Ökolandbau umzusteigen, bleiben viele
zurückhaltend, wie Rukwied deutlich machte - obwohl der deutsche
Biomarkt 2025 kräftig zugelegt hat. "Es gibt generell einen Anteil
von etwa zehn Prozent umstellungswilligen Landwirten. Viele stellen
aber im Moment nicht um, weil sie im besten Fall erwarten, dass es
dann finanziell gleich bleibt", erläuterte der Bauernpräsident. Am
Ende müsse es sich rechnen. "Die Aussichten dafür sind im Moment
aber oft einfach nicht gegeben." Damit Biolandwirtschaft tragfähig
sei, brauche es staatliche Fördermaßnahmen, weil Bio einfach in der
Produktion teurer sei./sam/DP/zb
AXC0024 2026-01-11/11:05
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Autor: - dpa-AFX
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