| ROUNDUP 2/Drohende Anklage: Fed-Chef Powell spricht von Einschüchterungsversuch |
| 12.01.2026 13:20:00 |
(neu: Auswirkungen an Aktien- und Finanzmärkten, fünfter Absatz mit
Trump, achter Absatz mit Schumer.)
WASHINGTON (dpa-AFX) - Der Streit zwischen US-Präsident Donald Trump
und dem Chef der US-Notenbank spitzt sich weiter zu: Jerome Powell
hat strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn und eine drohende Anklage
als Versuch der Einflussnahme auf die Arbeit der Federal Reserve
(Fed) zurückgewiesen. "Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge
davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und
Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den
Präferenzen des Präsidenten folgt", sagte Powell. Er werde sein Amt
weiter "integer und im Dienste des amerikanischen Volkes ausführen".
Powell zufolge stellte das US-Justizministerium der Fed am Freitag
Vorladungen zu und drohte mit einer Anklage. Powell soll im
Zusammenhang mit der mehrjährigen Sanierung von Gebäuden der
Zentralbank in Washington vor dem Senat Falschaussagen gemacht
haben, so der Vorwurf.
Der Fed-Chef sieht darin allerdings nur einen Vorwand: "Es geht
darum, ob die Fed die Zinssätze weiterhin auf Grundlage von Fakten
und wirtschaftlichen Gegebenheiten festlegen kann - oder ob die
Geldpolitik stattdessen von politischem Druck oder Einschüchterung
bestimmt wird", erklärte er weiter. Auf die Aktienmärkte hatten
Powells Äußerungen zunächst keine großen Auswirkungen. Der US-Dollar
gab zum Euro indes etwas nach.
Kritik auch von Trumps Republikanern
Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf mit der
Angelegenheit vertraute Personen, die Ermittlungen umfassten eine
Analyse von Powells öffentlichen Äußerungen und eine Prüfung der
Ausgaben für das komplexe Renovierungsvorhaben. Die Untersuchung sei
von Bezirksstaatsanwältin Jeanine Pirro - einer langjährigen
Vertrauten Trumps - genehmigt worden.
Der US-Präsident bestritt in einem Gespräch mit dem US-Sender NBC
News, Kenntnis über den Fall zu haben. "Ich weiß nichts darüber,
aber er macht seine Sache bei der Fed sicherlich nicht besonders
gut, und er ist auch nicht besonders gut im Bauen von Gebäuden",
sagte er über Powell. Trump leugnete, dass die Ermittlungen im
Zusammenhang mit den Leitzinsentscheidungen stünden.
Der republikanische Senator Thom Tillis kritisierte die
Ermittlungen. "Nun stehen die Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit
des Justizministeriums selbst infrage", schrieb er auf der Plattform
X. Tillis gehört dem Finanzausschuss des US-Senats an. Er kündigte
an, jede Bestätigung eines Fed-Kandidaten - einschließlich der
bevorstehenden Nachbesetzung des Fed-Chefpostens - zu blockieren,
bis die rechtliche Angelegenheit der Ermittlungen gegen Powell
vollständig geklärt sei.
Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren warf Trump eine
"korrupte Übernahme" der Zentralbank vor: "Er missbraucht das Gesetz
wie ein Möchtegern-Diktator, damit die Fed ihm und seinen
milliardenschweren Freunden dient", schrieb sie auf X. Auch Warren,
die ebenfalls dem Finanzausschuss angehört, forderte, dass der Senat
keine von Trumps Nominierungen für die Fed bestätigen dürfe.
Der demokratische Minderheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, sah
in den Ermittlungen eine Fortsetzung von "Trumps Angriffen auf die
Unabhängigkeit der US-Notenbank". Diese gefährdeten die Stärke und
Stabilität der US-Wirtschaft, schrieb er auf X. Ihm zufolge ist die
Fed nicht der Grund, weswegen die Wirtschaft des Landes strauchelt
und Trumps Umfragewerte am Boden sind. "Wenn er den Schuldigen
sucht, sollte er in den Spiegel schauen", schrieb Schumer weiter.
Warum Trumps Justizministerium ausgerechnet jetzt gegen Powell
vorgeht, ist unklar. Dessen Amtszeit endet ohnehin im Mai. Trump
will noch im Januar seinen Wunschkandidaten für die Nachfolge auf
dem Chefposten der Federal Reserve bekanntgeben. Als Favorit wird
der Vorsitzende des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus, Kevin
Hassett, gehandelt.
Sollte Senator Tillis seine Drohung wahr machen, in seinem Ausschuss
keine Fed-Kandidaten abzusegnen, könnte Trumps Kandidat für den
Chefposten aber noch nicht mal auf eine Abstimmung im Plenum des
Senats hoffen. In dem Ausschuss haben Trumps Republikaner eine
Mehrheit von nur einer Stimme.
Ungewöhnlich offensiver Schritt von Powell
Dass Powell nun öffentlich Position bezieht, ist höchst
ungewöhnlich. Normalerweise ist der Fed-Chef in der Öffentlichkeit
für seine ruhige und sachliche Haltung bekannt. Auf
Pressekonferenzen vermied er in den vergangenen Monaten stets die
Konfrontation mit der Trump-Regierung - obwohl der US-Präsident ihn
regelmäßig unter diversen Vorwänden beschimpfte und seine Entlassung
forderte.
So störte sich Trump etwa an gestiegenen Ausgaben für die
Renovierung von Gebäuden der Notenbank. Früheren Angaben zufolge
beliefen sich diese auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar (aktuell knapp
2,15 Milliarden Euro). Medienberichten zufolge waren ursprünglich
1,9 Milliarden US-Dollar veranschlagt. In diesem Zusammenhang hatte
Trump jüngst eine Klage gegen Powell wegen "Inkompetenz" in Aussicht
gestellt.
Trump forderte monatelang niedrigeren Leitzins
Trump fordert zudem seit langem mit Nachdruck die Senkung des
Leitzinses, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Federal Reserve hatte
diesen zuletzt in mehreren Schritten gesenkt - das reicht Trump
allerdings noch nicht.
In der Folge beschimpfte Trump Powell regelmäßig und sprach auch
davon, ihn zu feuern. Ein konkreter Entlassungsversuch blieb aber
aus. Unklar ist zudem, ob ein Präsident den vom Senat bestätigten
Chef der Notenbank tatsächlich feuern darf. Die Zentralbank ist laut
Gesetz unabhängig.
Die Kernziele der US-Notenbank sind stabile Preise und
Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt. Ist der Leitzins zu hoch, bremst
er die Wirtschaft aus, etwa wegen zu hoher Kreditkosten. Ein
niedrigerer Zins stimuliert Wachstum und Arbeitsmarkt, kann aber die
Inflation anheizen.
Im November lag die Inflation bei 2,7 Prozent, also weiterhin
oberhalb des von der Notenbank angepeilten Ziels von mittelfristig
um die 2 Prozent. Der Leitzins wurde angesichts eines schwächeren
Arbeitsmarkts zuletzt im Dezember auf die Spanne von 3,5 bis 3,75
Prozent gesenkt.
Powell nicht das einzige Fed-Mitglied in Trumps Visier
In seiner Kampagne gegen die Fed hatte Trump bereits
Fed-Gouverneurin Lisa Cook abgesehen. Er will das Mitglied des
Zentralbankrats wegen angeblichen Hypothekenbetrugs loswerden. Cook
bestreitet ein Fehlverhalten. Der Fall liegt mittlerweile vor dem
Obersten Gericht der USA. Dort kassierte Trump zuletzt einen Dämpfer
bei seinem Entlassungsversuch - das letzte Wort ist in der Sache
allerdings noch nicht gesprochen./ngu/DP/men
AXC0135 2026-01-12/13:20
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Autor: - dpa-AFX
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