| ROUNDUP: Macht die Jugend Deutschland zum Land der Aktionäre? |
| 13.01.2026 12:40:00 |
Wird Deutschland doch noch zum Land der
Aktionäre? 14,1 Millionen Menschen mit Aktienbesitz zählt das
Deutsche Aktieninstitut (DAI) im Jahr 2025. Nie steckten mehr
Menschen hierzulande Geld in Aktien, Fonds und/oder
börsengehandelten Indexfonds (ETFs).
"Aktienanlage im Aufwind" ist angesichts eines Sprungs um fast zwei
Millionen zum Vorjahr eine erstaunlich zurückhaltende Interpretation
der Frankfurter Einrichtung. Zumal auch der bisherige Rekord von
2022 mit seinerzeit fast 12,9 Millionen Aktionären in Deutschland
deutlich übertroffen wurde.
Strohfeuer oder Mentalitätswandel?
Die Frage ist aber auch dieses Mal: Ist die Scheu vor der Börse auf
Dauer gewichen oder sind viele Anleger beim nächsten Kurssturz schon
wieder weg? Und: Wird es gelingen, angesichts der Probleme der
gesetzlichen Rente den Kapitalmarkt als Alternative in breiteren
Bevölkerungsschichten zu verankern?
"Die Menschen in Deutschland haben erkannt, dass für gute
Langfristerträge kein Weg an der Aktie vorbeiführt", zitiert das
Aktieninstitut seine Chefin Henriette Peucker in einer Mitteilung.
"Der gesellschaftliche Rückenwind für die Aktie ist so stark wie
nie."
Anleger unter 40 tragen das Wachstum
Viele junge Menschen halten die gesetzliche Rente für alles andere
als sicher und haben große Sorge vor Altersarmut, so zeigen es
Umfragen. Dass zugleich Trading Apps niederschwellig per Smartphone
Handel mit Aktien, ETFs und Co. ermöglichen, kurbelt die private
Altersvorsorge über die Börse zusätzlich an.
Das seit Jahren steigende Interesse der jungen Generation an der
Aktienanlage habe sich "deutlich verfestigt", stellt das
Aktieninstitut fest: Mit einem Plus von 1,2 Millionen Anlegern macht
die Altersgruppe der 14- bis 39-Jährigen 60 Prozent des
Gesamtanstiegs aus. Seit dem Jahr 2024 ist diese Altersgruppe unter
Deutschlands Aktionären die größte mit nun 4,9 Millionen Menschen.
Gewaltige Summen auf Tagesgeldkonten
Insgesamt jedoch ist noch Luft nach oben: Im vergangenen Jahr war
nach Berechnungen des Aktieninstituts gemessen an der hiesigen
Bevölkerung ab 14 Jahren jeder Fünfte (19,9 Prozent) am Aktienmarkt
investiert.
Die Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts basieren auf einer
laut eigenen Angaben repräsentativen Umfrage von Kantar. Hierzu
werden jährlich etwa 28.000 Menschen in Deutschland ab 14 Jahren zu
ihrem Anlageverhalten befragt.
Traditionell parken die Menschen hierzulande gewaltige Summen auf
Tagesgeld- oder Girokonten, die entweder wenig oder gar keine Zinsen
abwerfen. Auf fast 3,6 Billionen Euro summieren sich nach
vorläufigen Berechnungen der DZ Bank Einlagen und Bargeld der
privaten Haushalte Ende 2025 - das ist gut ein Drittel des gesamten
Geldvermögens von etwas mehr als 10 Billionen Euro.
Es gebe "eine deutsche Angst, dass man am Aktienmarkt viel Geld
verlieren kann", ärgerte sich der Vorstandsvorsitzende des
Genoverbandes, Michael Hoeck, jüngst im Gespräch mit der Deutschen
Presse-Agentur. Das sei empirisch nicht belegt. Das Aktieninstitut
rechnet vor: Ein Sparplan auf Aktien des Deutschen Aktienindex (Dax
) habe in den vergangenen 20 Jahren fast 9 Prozent
Ertrag pro Jahr auf jeden angelegten Euro gebracht. Bei 50 Euro im
Monat seien so aus 12.000 Euro Investment gut 32.000 Euro geworden.
Sparer zu Anlegern machen
Hoeck, dessen Verband Volks- und Raiffeisenbanken in allen
Bundesländern außer in Bayern und Baden-Württemberg vertritt,
betonte: "Sie können mit Tagesgeld die Inflation nicht schlagen." Er
appellierte an die eigene Zunft: "Unser Job ist es, die Menschen
dahin zu beraten, dass sie die Inflation schlagen können."
Die Menschen in Deutschland sparen zwar wie die Weltmeister: Im
ersten Halbjahr wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes je
100 Euro verfügbarem Einkommen im Schnitt 10,30 Euro auf die hohe
Kante gelegt. Allerdings machen viele Anleger zum Beispiel in den
USA mehr aus ihren Ersparnissen, wie Analysen zeigen: Dort wird mehr
auf Aktienmärkte gesetzt.
Politik in der Pflicht
Das Aktieninstitut, das sich seit 1953 für die Aktie einsetzt, nimmt
angesichts des Aktionärsrekords die Politik in die Pflicht: "Die
gewachsene Offenheit für Aktienanlagen ist eine Steilvorlage für die
Bundesregierung, den Kapitalmarkt in allen drei Säulen der
Altersvorsorge stärker zu nutzen." Die geplanten Schritte der
schwarz-roten Koalition zur Ergänzung der gesetzlichen Rente durch
eine ergänzende private Vorsorge über den Kapitalmarkt seien
"allenfalls zaghaft".
CDU/CSU und SPD wollen zum Beispiel ein Altersvorsorgedepot
einführen, das hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglicht, aber keine
Garantien gibt. Hierbei könnte nach Dafürhalten des Aktieninstituts
die steuerliche Förderung "wie in anderen Ländern ambitionierter
ausfallen".
Bei der zudem von der Bundesregierung geplanten sogenannten
Frühstart-Rente, bei der Kinder ab dem sechsten Lebensjahr monatlich
zehn Euro vom Staat für ein Altersvorsorgedepot bekommen sollen, ist
aus Sicht des Aktieninstituts für den Erfolg entscheidend, dass
"attraktive steuerliche Anreize auch für zusätzliche Sparbeiträge
von Eltern und Großeltern gelten".
Die jüngste Entwicklung an den Börsen ist Wasser auf die Mühlen der
Aktienbefürworter: Der Leitindex Dax hat sich vorerst oberhalb von
25.000 Punkten festgesetzt und Analysten erwarten 2026 kein Ende der
Rekordjagd - trotz Risiken wie Kriegen und Spannungen rund um den
Globus sowie manch aufgeblähter Bewertung im Zuge des Hypes um
Künstliche Intelligenz (KI)./ben/DP/men
ISIN DE0008469008
AXC0155 2026-01-13/12:40
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Autor: - dpa-AFX
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