| Zalando-Betriebsrat zu Erfurt: 'Wir kämpfen für unseren Standort' |
| 13.01.2026 14:41:00 |
Der Zalando -Betriebsrat will den
von Schließung bedrohten Erfurter Standort des Internet-Modehändlers
nicht widerstandslos aufgeben. "Wir kämpfen für unseren Standort!",
erklärte die Arbeitnehmervertretung. Die Landesregierung bekräftigte
nach einem Treffen mit dem Betriebsrat ihre Unterstützung für die
Arbeitnehmer. Wirtschafts- und Arbeitsministerium wollen eine
sogenannte Task Force "Zalando" starten, die das Vorgehen bei
Arbeitsplatzvermittlung, Standortentwicklung und Investorensuche
bündeln soll.
Belegschaft, Betriebsrat, Stadt und Landesregierung waren in der
vergangenen Woche von der Entscheidung des Vorstandes des Dax
-Konzerns zur Schließung des Erfurter Logistikzentrums
mit rund 2.700 Beschäftigten überrascht worden. Mit Erfurt hatte der
Aufstieg des Berliner Start-ups vor mehr als zehn Jahren zu einem
großen Internet-Händler begonnen.
Betriebsrat: Pflichtverstöße des Unternehmens
Der Betriebsrat warf dem Unternehmen vor, seinen Pflichten als
Arbeitgeber nach den Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes nicht
nachgekommen zu sein. "Dies muss umfassend nachgeholt werden. Bis
dahin sieht sich der Betriebsrat und die Schwerbehindertenvertretung
nicht ausreichend informiert, um in die Verhandlungen zu
Sozialplänen mit dem Arbeitgeber zu gehen", heißt es in einer
Erklärung, die der dpa vorliegt. Der Betriebsrat stehe mit Experten
und Beratern in Kontakt. Auch Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow
(Linke) soll sich dabei engagieren.
Arbeitsministerin Katharina Schenk (SPD) und Wirtschaftsministerin
Colette Boos-John (CDU) trafen sich mit der
Zalando-Arbeitnehmervertretung im Güterverkehrszentrum Erfurt. Sie
kritisierten erneut die geplante Standortschließung in einigen
Monaten.
Nach dem Gespräch äußerte auch Schenk den Verdacht, dass die
Arbeitnehmer nicht ausreichend beteiligt und informiert wurden.
Ihnen sei bis zuletzt suggeriert worden, der Standort arbeite
wirtschaftlich und erfolgreich. Das Unternehmen müsse nun zunächst
seinen Mitbestimmungs- und Mitteilungspflichten nachkommen und
Zahlen, Daten und Fakten liefern. "Der Großkonzern Zalando darf
jetzt nicht zu billig davonkommen", so Schenk.
Ministerin: Modernisierung wäre möglich gewesen
Schenk zeigte sich nach ersten Gesprächen mit der Arbeitsagentur und
ansässigen Logistikunternehmen optimistisch, "was die
Weitervermittlung der Beschäftigten betrifft". Dabei ständen vor
allem ältere Beschäftigte, Beschäftigte mit Migrationshintergrund
und Menschen mit Behinderungen im Blick. Ziel sei, allen
Beschäftigten bis Jahresende eine Perspektive zu bieten, bekräftigte
Schenk.
Der Versuch der Landesregierung, den Zalando-Vorstand umzustimmen,
war in der vergangenen Woche gescheitert. Wirtschaftsministerin
Boos-John erklärte, nach ihrer Meinung hätte es "bei frühzeitiger
Einbeziehung der Landesregierung durchaus gute Möglichkeiten
gegeben, zukunftsorientiert in die Modernisierung des Erfurter
Logistikzentrums zu investieren".
Die im Gespräch mit dem Betriebsrat vorgelegten Zahlen zur
Unternehmensentwicklung hätten das bestätigt. Jetzt werde nach
Investoren, neuen Beschäftigungsmöglichkeiten bei Unternehmen in der
Region sowie eine Nachnutzung der riesigen Hallen gesucht.
DGB: Zalando soll Steuergeld zurückzahlen
Der DGB-Bezirksvorsitzende Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, sprach
von einem verantwortungslosen Agieren des Unternehmens. Zalando
müsse sich in erheblichem Umfang daran beteiligen, dass die
Beschäftigten eine Zukunft haben. "Das darf nicht allein die Aufgabe
der Arbeitsagentur werden."
Immerhin sei die Ansiedlung von Zalando in Thüringen mit rund 22
Millionen Euro an öffentlichen Mitteln gefördert worden. Zalando
solle einen erheblichen Teil zurückzahlen, so der Gewerkschafter.
Eine Pflicht dazu hat das Unternehmen nicht, weil Fristen dafür
bereits verstrichen sind. Rudolph verlangte, dass das Unternehmen
für seinen neuen Standort im hessischen Gießen "keinen Cent
Steuergeld" bekommt. Schenk sagte nach dem Treffen: "Man kann da
tatsächlich von einer Art Subventionstourismus sprechen aus meiner
Sicht."
Kritik übte der Gewerkschafter an Thüringens Wirtschaftsministerin,
die nach seinen Angaben die sozialen Kriterien bei der Vergabe von
Fördermitteln im vergangenen Jahr deutlich verschlechtert
habe./rot/DP/men
ISIN DE000ZAL1111
AXC0192 2026-01-13/14:41
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Autor: - dpa-AFX
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