| Deutsche Börse-News: Höhere Renditen durch neue Schulden? (Anleihen) |
| 16.01.2026 14:43:00 |
Analysten halten es aktuell für
unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank mit ihrer für 2026
erwarteten Zinssenkung auch die Richtung für die langfristigen
Renditen vorgibt. Die Anleihe von ABO Energy verzeichnete erneut
einen heftigen Kurseinbruch.
16. Januar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Zehnjährige
Bundesanleihe notieren am Freitagmittag im Vergleich zur Vorwoche
nahezu unverändert 2,83 Prozent. ?"hnlich sieht es in Übersee aus,
wo US-Treasuries mit zehn Jahren Laufzeit aktuell 4,17 Prozent
Rendite abwerfen. Die 30-jährigen US-Staatsanleihen sind in dieser
Woche kurzzeitig unter die Marke von 4,80 Prozent und damit auch
wieder unter ihren gleitenden 200-Tage-Durchschnitt gefallen. Ilona
Korsch von Hauck Aufhäuser Lampe bezeichnet dieses Niveau als einen
"wichtigen technischen Bereich".
Dasselbe gelte hierzulande für die Marke von gut 3,40 Prozent, auf
die die Rendite der 30-jährigen Bundesanleihen in den vergangenen
Tagen zurückgefallen ist. Ein Zwischenhoch aus dem vergangenen
Sommer dient hier aktuell als charttechnische Unterstützung. "Bei
nachhaltigem Durchhandeln könnte es in Richtung 3,20 Prozent
weitergehen", weist Korsch aber auf die mögliche Gefahr kurzfristig
weiter sinkender Renditen hin. Die Analysten der LBBW
prognostizieren zumindest mittelfristig eine gegenläufige
Entwicklung. Bis Ende des Jahres rechnen die Strategen mit höheren
Renditeniveaus.
US-Renditen sollen weiter zulegen
Das gilt auch für den US-Markt. Das Renditeziel für die zehnjährigen
US-Treasuries liegt mit 4,50 Prozent ebenfalls ein gutes Stück über
den aktuellen Niveaus. Und das, obwohl die LBBW-Analysten davon
ausgehen, dass die US-Notenbank im Juni unter dem Vorsitz des
Nachfolgers von Jerome Powell ihren nächsten Zinssenkungsschritt
beschließen wird. "Die Gefahr eines erneuten Kursverfalls bei
langlaufenden US-Treasuries bleibt trotz Fed-Lockerung
beträchtlich", erklärt Elmar Völker. Zwar ist seiner Ansicht nach
der Abwärtstrend der Renditen noch intakt. Falls sich die niedrigen
Inflationswerte aber nur als "Ausreißer" entpuppen würden, könne
dieser Trend in Gefahr geraten.
"Trumps wiederholte Attacken auf die Fed erhöhen die
Inflationsrisikoprämie", mahnt der Analyst vor diesem Hintergrund.
Zudem heize das in Kraft getretene US-Steuergesetz die Sorgen über
eine ausufernde Staatsverschuldung weiter an. Die auf ein
Dreijahreshoch gestiegene Kurvensteilheit der Renditen habe zum
Jahresausklang 2025 "frisches Momentum erhalten". Der Spread
zwischen zehn- und zweijährigen Anleiherenditen befindet sich mit
rund 70 Basispunkten auf dem höchsten Niveau seit Januar 2022.
Die Renditekurve könnte noch steiler werden
Auch Arif Husain von T. Rowe Price rechnet mit einem "Aufwärtsdruck
auf die Renditen", da fast alle Regierungen und dazu noch viele
Unternehmen im KI-Sektor neue Schulden aufnehmen würden. Seiner
Ansicht nach könne der Renditeaufschlag von zehnjährigen
US-Staatsanleihen gegenüber Geldmarktzinsen von aktuell gut 30 auf
etwa 150 bis 200 Basispunkte steigen. Deshalb rät auch er den
Anlegerinnen und Anlegern: "Verwechseln Sie nicht die Entwicklung
der kurzfristigen Zinsen mit der Richtung der Renditen mit langer
Laufzeit".
Eine These, die auch der erfahren Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt
vertritt: "In diesem Zyklus ist auffällig, dass Leitzinssenkungen
der Notenbanken nicht automatisch fallende Langfristzinsen bedeuten.
Wenn die Staatsverschuldung hoch bleibt, Term-Prämien steigen und
Emissionsvolumina groß sind, kann die zehnjährige Rendite trotz
sinkendem Leitzins oben bleiben, wie zuletzt zu beobachten war".
Heidelberg Materials bekommt frisches Geld
Im Segment der Unternehmensanleihen meldet Gregor Daniel von der
Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Käufe der Anleihen von BMW
(XS3075490188), Mercedes-Benz (DE000A3LH6U5) und der Asian
Development Bank (XS3074428841). Gute Nachfrage sieht er auch für
einen neu emittierten Bond von Heidelberg Materials (XS3270897575).
Verkauft wird hingegen die bis 2027 laufende Porsche-Anleihe
(XS2643320018). Der Autobauer hatte diese Woche erneut schwache
Absatzzahlen gemeldet.
Die von niedrigen Niveau aus deutlich gestiegene Venezuela-Anleihe
in US-Dollar (USP17625AE71) ist von ihrem Hoch bei 43 Prozent wieder
auf 39 Prozent zurückgefallen. "Nach der Aufwärtsbewegung in der
ersten Handelswoche ist hier wieder Ruhe eingekehrt", erklärt Daniel
mit Blick auf die rückläufigen Umsätze.
Erneute "Gewinnwarnung" von ABO Energy
Raffaele Antacido von der ICF Bank berichtet derweil von einem
erneuten Kurssturz der bis 2029 laufenden Anleihe der ABO Energy
GmbH & Co. KGaA (DE000A3829F5). "Der Bond ist innerhalb von zwei
Tagen von 50 Prozent auf nur noch 20 Prozent gefallen." Mitte
November wurde das Papier noch zu Kursen von über 100 Prozent
gehandelt. Nachdem der Vorstand im November bereits vor einem
Fehlbetrag von 95 Mio. Euro im Jahr 2025 gewarnt hatte, wurde die
Verlustprognose nun noch mal deutlich auf rund 170 Mio. Euro
ausgeweitet. Das kam bei Anlegerinnen und Anlegern gar nicht gut an
und sorgte für eine Flucht aus der Anleihe und der Aktie des
Unternehmens.
Von Thomas Koch, 16. Januar 2026, © Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG
verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und
Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
AXC0139 2026-01-16/14:43
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Autor: - DEUTSCHE-BOERSE AG
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